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Meilenstein Druckluft/Kompressoren

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Meilenstein Druckluft/Kompressoren

Gase fördern als Passion

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Die Wirtschaftswunder-Zeit brachte der gesamten Maschinenbaubranche Wachstum. Für mehr Effizienz sorgte in Aerzen, dass künftig alle Drehkolbenmaschinen auf den gleichen Bauteilen basierten. Die Produktivität erhöhte sich dadurch radikal.

Bergbau-Boom: Ex-sichere Drehkolbengebläse

Heller begegnete der starken Nachfrage 1953 mit der Gründung eines Zweigwerks in Hameln. Das Geschäft boomte; monatlich verkaufte man bis zu 1000 Drehkolbenlader an Lkw- und Schiffbauer. Ein Jahr darauf zählte die Aerzener Maschinenfabrik 464 Mitarbeiter. Eine der wichtigsten Abnehmerbranchen dieser Zeit war der Bergbau, der Drehkolbengebläse zum Absaugen des Grubengases einsetzte. Für Sicherheit sorgten explosionssichere Ausführungen.

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Als Karlheinrich Heller 1960 überraschend starb, berief seine Frau Anneliese Heller den langjährigen Ingenieur Paul Grote zum Geschäftsführer, denn ihr Sohn Hasso (geb. 1935) befand sich noch in Ausbildung. Grote investierte weiter, u.a. in eine 4500 m2 große vierte Halle. Zum 100-jährigen Bestehen 1964 liefen die Geschäfte großartig. Hasso Heller schloss in diesem Jahr sein BWL-Studium ab und wurde Assistent der Geschäftsführung. Schon im Jahr darauf starb Grote, und Heller übernahm die Geschäftsleitung, zusammen mit Friedrich Wessel und Heinrich Rehbein.

Das dreiköpfige Team setzte auf technische Innovationen, etwa ölfrei fördernde Schraubenverdichter für den pneumatischen Transport sowie Verdichter mit Öleinspritzung für die Kältetechnik. Auch die Internationalisierung wurde forciert; als erste ausländische Tochtergesellschaft gründeten die Manager 1968 Aerzen France. Zugleich wurde das weltweite Servicenetz ausgebaut, um den Anforderungen international agierender Anlagenbauer gerecht zu werden. Viele namhafte Kunden konnte Aerzen Ende der 1960er verzeichnen, etwa die KWU, die für Kernkraftwerke nicht nur Drehkolbengebläse, sondern auch eine akribische Dokumentation nachfragte. Neue Anwendungsgebiete erschloss man mit einer neuen Schraubenverdichter-Baureihe mit Öleinspritzung für die Drucklufttechnik. Diese verdrängten zunehmend die Kolbenverdichter als Antrieb von Presslufthämmern. Der Straßenbau konnte glücklicherweise den Umsatzrückgang durch den Strukturwandel im Bergbau kompensieren.

Weltweiter Standard mit dreiflügeligen Gebläsen

Die 1970er waren für die Aerzener durch Expansion geprägt. Töchter in London und den Niederlanden wurden gegründet. Mit der Übernahme der Firma Thomas in Emmerthal baute man die Kompetenz für Aggregate-, Behälter- und Rohrleitungsbau aus. Das Unternehmen, das bereits seit 1957 Zubehör nach Aerzener Vorgabe gefertigt hatte, firmierte künftig als Emmerthaler Apparatebau GmbH.

Einer weiteren technischen Herausforderung begegnete man in Aerzen 1978 mit Bravour: Das bis dato größte Drehkolbengebläse der Welt entstand – mit einem Kolbendurchmesser von 1,5 m. Es förderte 84 000 m3 Prozessgas pro Stunde. Die Stahlproduktion fragte diese gewaltigen Maschinen für Direkt­reduktionsanlagen stark nach. 1984 folgten die weltweit größten Schraubenverdichter für 65 000 m3 Prozessgas pro Stunde, die in die Sodaproduktion gingen. Und 1987 brillierte man schließlich mit drei­flügeligen Gebläsen, die äußerst pulsations- und geräuscharm arbeiteten. Der heutige Geschäftsführer Klaus-Hasso Heller betont: „Diese Bauart hat damals weltweit einen neuen Standard gesetzt. Und der gilt auch heute noch.“

Den Neuentwicklungen verdankte man neue Abnehmermärkte, etwa die Nasa sowie Flugzeugbauer. Der Umsatz wuchs stetig: zwischen 1980 und 1986 von 98 auf 140 Millionen D-Mark. 950 Mitarbeiter arbeiteten nun für die Aerzener Maschinenfabrik. Hasso Heller investierte weiter, unter anderem in CNC-gesteuerte Bearbeitungszentren und eine hauseigene 70-köpfige Konstruktionsabteilung. Und Aerzen wurde noch internationaler, mit u.a. spanischer, US-ame­rikanischer und südafrikanischer Tochtergesellschaft. Von vorneherein produzierten die außereuropäischen Töchter auch Zubehörteile und bauten Aggregate zusammen.

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