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Meilenstein Druckluft/Kompressoren

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Aerzen

Meilenstein Druckluft/Kompressoren

Gase fördern als Passion

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1989 war die Maschinenfabrik in über 80 Ländern vertreten. Im 125. Jahr seiner Geschichte erwirtschaftete Aerzen den Rekordumsatz von 180 Millionen D-Mark. Die Geschäftsleitung investierte weiter in die Modernisierung und Erweiterung der Produktion sowie in eine Qualitätsstelle. Sie war die Grundlage für die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems im Jahr 1990, das von Det Norske Veritas auditiert wurde. Das Siegel der renommierten Gesellschaft war von großem Gewicht bei internationalen Kunden.

Ein Abnehmer-Markt, der die Geschäfte von Aerzen bis in die heutige Zeit prägen sollte, gewann in den 1990ern an Bedeutung: die Umwelttechnik. Maßgeschneiderte Maschinen zur Kläranlagen-Belüftung sowie zur Rauchgasentschwefelung gingen in diese Branche. Ab 1994 wurde sie schließlich mit dem neu entwickelten Gebläse-Aggregat Delta Blower beliefert. Diese Aggregate mit dreiflügeligen Kolben liefen pulsationsarm, eine automatische Riemenspannung reduzierte den Wartungsaufwand zusätzlich. Die Neuentwicklung hatte nachhaltigen Erfolg: Innerhalb von fünf Jahren verkaufte Aerzen 10 000 Delta-Blower-Aggregate.

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Von der Landmaschine zum Turbogebläse

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Innovationen im Zweijahrestakt gehörten inzwischen zum guten Ton. Die Schraubenverdichter-Baureihe Delta Screw für die ölfreie Verdichtung von Luft und neutralen Gasen wurde 1996 vorgestellt. Bereits ein Jahr darauf kam der Kälteverdichter Variscrew auf den Markt, mit weiterentwickeltem Rotorprofil und langlebiger Wälzlagerung. Wie bei den Schraubenverdichtern stellte ein Baukastensystem sicher, dass er nach Kundenvorgaben gefertigt und für Einsatzzwecke von der Fleischindustrie über Brauereien bis zur Prozesskühlung angepasst werden konnte.

Große Herausforderungen zum Jahrtausendwechsel

Im Jahr 2000 stand wieder ein Wechsel an der Spitze an. Hasso Heller übergab die Leitung an seinen Sohn. Bereits seit 1999 war Klaus-Hasso Heller (geb. 1967) als Assistent der Geschäftsführung aktiv. Das neue Jahrtausend brachte große Herausforderungen für den Wirtschaftsingenieur, denn die schwache Konjunktur setzte dem Maschinenbau zu. Er restrukturierte das Produktprogramm und perfektionierte die Baukasten-Bauweise. Der Maschinenpark wurde modernisiert, eine weitere Lagerhalle und eine Montagehalle entstanden. So konnte Aerzen vom Aufschwung 2004 profitieren – und stieß bald wieder an Kapazitätsgrenzen. Eine Großinvestition von 65 Millionen Euro wurde fällig: in ein Produktionscenter für Schraubenverdichter und Gebläse mit rund 11 000 m2, das man 2008 einweihte.

Klaus-Hasso Heller Geschäftsführer Aerzener Maschinenfabrik: „Mittelständisches Denken war in den vergangenen gut 155 Jahren die Triebfeder unserer Entwicklung und wird es auch in Zukunft sein.“
Klaus-Hasso Heller Geschäftsführer Aerzener Maschinenfabrik: „Mittelständisches Denken war in den vergangenen gut 155 Jahren die Triebfeder unserer Entwicklung und wird es auch in Zukunft sein.“
(Bild: Aerzener Maschinenfabrik)

International nahm die Entwicklung in diesen Jahren Fahrt auf. Tochtergesellschaften entstanden in Polen, Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Rumänien und Russland. Und mehr und mehr konzentrierte sich die Geschäftsleitung auf die Wachstumsmärkte in Asien, Südamerika und Afrika. Im indischen Baroda (Vadodara) entstand 2008 ein Produktionsstandort und in Shanghai 2013 ein Firmengebäude für die Montage. Eine erste ausländische Fertigungsstätte auch für Hauptkomponenten gründete Aerzen in Südkorea. Dort hatte man mit der Firma KTurbo, Entwickler eines drehzahlgeregelten Turbogebläses mit Luftlagerung, schon vorher eng zusammengearbeitet. Sie wurde zur Keimzelle von Aerzen Turbo.

Immer neue Maschinengenerationen beweisen auch im 21. Jahrhundert die ungebrochene Innovationskraft des Unternehmens. Die fünfte Generation der Delta-Blower-Kompaktgebläse im Jahr 2006, die ebenfalls fünfte Generation des Delta Screw 2008 und schließlich eine neue Baureihe wassereingespritzter Druckluftverdichter wurden vorgestellt. In den Folgejahren setzte Aerzen immer wieder „einen drauf“. So legte im Jahr 2018 die kompakte Aerzen Turbo Generation G5plus die Messlatte im Hinblick auf Energieeffizienz um weitere zehn Prozentpunkte höher.

Pionierleistung für die Verdichtung

2010 stellte Aerzen mit dem Drehkolbenverdichter Delta Hybrid ein weiteres Highlight der Kompressortechnik vor. Er vereint die Vorzüge von Schraubenverdichtern und Drehkolbengebläsen, indem er mit zwei verschiedenen Rotorprofilen niedrige Druckdifferenzen bis zu 800 und höhere bis 1500 mbar abdeckt. „Damit haben wir ein grundsätzlich neues Prinzip für die Verdichtung entwickelt“, sagt Klaus-Hasso Heller. „Es arbeitet um 15 Prozent energieeffizienter als andere Kompressoren und ist damit insbesondere für energie- und kostensensitive Prozesse wie in Klär- und Zementwerken interessant.“ Im Rahmen dieser Pionierleistung meldeten Aerzen nicht weniger als sieben Patente an, u.a. für die Lagerung, die eine rekordverdächtige Lebensdauer sicherstellt.

Für den stark schwankenden Prozessluftbedarf in biologischen Kläranlagen stehen seitdem drei Baureihen zur Verfügung: Delta Blower, Delta Hybrid und Turbogebläse, die mit der Verbundsteuerung Aersmart koordiniert werden können. Performance³ nennt Aerzen die daraus resultierende intelligente Abstimmung. Noch weiter ins Lösungsgeschäft dringt Aerzen seit 2017 mit den Angeboten Aerwater und Aeraudit vor. Aeraudit als Dienstleistung deckt die Volumenstrommessung des tatsächlichen Lastbedarfs ab, während Aerwater als Komplettlösung Maschinen, Elektronik und Servicepakete intelligent kombiniert.

Nicht nur innovative Produkte sichern die Zukunftsfähigkeit. 2011 – kurz nach Eintreten der Geschäftsführer Bernd Wöhlken und Björn Irtel – verordnete sich das Unternehmen mit der „Vision 2022“ ein ehrgeiziges Programm. Demnach soll Aerzen zu einem der drei weltweit führenden Anwendungsspezialisten in der Förderung und Verdichtung von Gasen avancieren. Energieeffiziente, ressourcenschonende Produkte und Produktionsverfahren stehen im Mittelpunkt. Die seit jeher hohen Qualitätsansprüche, die nicht nur die Produkte und Lösungen, sondern auch Liefertermine und Verlässlichkeit umfassen, werden mit einer Qualitätsoffensive unterstrichen. Bestandteil der Vision 2022 ist auch die kompromisslose Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden als Grundlage für die Produktentwicklung.

So legten die Macher der Vision 2022 die Grundlagen für „Wachstum mit System“. Sie trägt mehr und mehr Früchte, etwa in Form der 2011 gegründeten Process Gas Division, deren Aktivitäten durch die Anwendung bestimmt werden. Zudem gibt sie Impulse für weitere Produktentwicklungen, etwa 2017 die der Großgebläse-Serie Alpha Blower mit 104 Modellvarianten. Auch für die Kälteindustrie stellt Aerzen die Anwendung in den Vordergrund. Heute erhalten Kunden komplette Kälteaggregate, zugeschnitten auf ihre Anforderungen, die in einer Produktionsstätte in Ungarn entstehen.

Die Globalisierung schreitet voran bei Aerzen. Klaus-Hasso Heller beschreibt in der Aerzen-Chronik, die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums entstand: „Der Stammsitz bleibt wichtigster Standort. Insgesamt wird sich die Aerzener Maschinenfabrik aber von einem international agierenden Unternehmen zu einem noch stärker inter­agierenden Unternehmensverbund entwickeln.“ Der neue Unternehmensslogan „Expect Performance“ gleicht einem Versprechen, dem sich Aerzen verpflichtet fühlt. Mittelständisches Denken wie das seiner Vorgänger soll aber auch künftig seine Berechtigung haben, verspricht Klaus-Hasso Heller: „Es war in den vergangenen gut 155 Jahren die Triebfeder unserer Entwicklung und wird es auch in Zukunft sein.“

Ergänzendes zum Thema
Begründung der Redaktion: Darum hat Aerzener den Meilenstein verdient

Dr. Jörg Kempf, Chefredakteur PROCESS
Dr. Jörg Kempf, Chefredakteur PROCESS
( Bild: PROCESS )

Die Chancenverwerter aus Aerzen: Wie wird man zum Technologie-Primus? Kompetenz und Erfahrung seien es nie alleine, es gehöre immer auch eine Portion Glück dazu, betonte Klaus-Hasso Heller, der die Aerzener Maschinenfabrik in vierter Generation führt, anlässlich des 150-jährigen Jubiläums im Jahr 2014. Was die Geschichte des Familienunternehmens von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass in Aerzen selbst in existentiellen Krisen immer wieder die Chancen gesehen und genutzt wurden, sich neu zu orientieren. Genau diese Fähigkeit zur Veränderung war und ist wesentliches Fundament für den Erfolg. PROCESS ist der Meinung: Das verdient den Meilenstein Drucklufttechnik/Kompressoren.

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