Ecoinvent aktualisiert Daten CO2-Fußabdruck von Erdölprodukten weit höher als gedacht

Quelle: Nova Institut 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Produkte auf Erdölbasis haben einen deutlich höheren CO2-Fußabdruck als bisher angenommen. Neue Datensätze, die die Grundlage für viele europäische Ökobilanzen bilden, wirken sich deshalb erheblich auf den Vergleich zwischen Kunststoffen aus erneuerbarem Kohlenstoff und erdölbasierten Kunststoffen aus.

Erdölbasierte Produkte belasten das Klima stärker als gedacht.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Erdölbasierte Produkte belasten das Klima stärker als gedacht.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Seit Jahren wird in der Ökobilanz-Community diskutiert, wie ein fairer Vergleich zwischen erdölbasierten Produkten und Produkten aus Biomasse, Carbon Capture and Utilisation (CCU) und Recycling möglich ist. Ein immer wieder kritisierter Aspekt ist, dass während bei den erneuerbaren kohlenstoffbasierten – oft neuartigen – Produkten alle möglichen Umweltwirkungen mit großem Aufwand analysiert und in die Ökobilanz einbezogen werden, die Prüfung bei fossilem Erdöl weniger streng erscheint. In der Regel werden im letzteren Fall Standardwerte verwendet, die regionale Unterschiede nicht vollständig berücksichtigen, denen es an Granularität und Transparenz mangelt und die eine Reihe von Wirkungen nicht ähnlich detailliert berücksichtigen, wie dies bei den nicht-fossilen Produkten erforderlich ist.

Die beiden letzten Aktualisierungen der Schweizer Ecoinvent-Daten, die die Grundlage für viele europäische Ökobilanzen bilden, beginnen, einige dieser Ungleichgewichte zu beseitigen, da sie aktualisierte Daten zu fossilen Rohstoffen und Kunststoffen enthalten. In den Ecoinvent-Versionen 3.9 und 3.10 (Ende 2023) wurden neue Daten zur Versorgung mit Erdöl und Erdgas implementiert, die erstmals auch unbeabsichtigte Methanemissionen bei der Gewinnung und Verarbeitung berücksichtigen. Eine weitere genauso relevante Datenbank in von Sphera (Gabi) arbeitet ebenfalls an einer entsprechenden Aktualisierung ihrer Daten.

Ecoinvent 3.8 im direkten Vergleich mit den Veränderungen in Ecoinvent 3.10(Bild:  Nova-Institut)
Ecoinvent 3.8 im direkten Vergleich mit den Veränderungen in Ecoinvent 3.10
(Bild: Nova-Institut)

Ecoinvent hat in seinem Update 3.9 eine umfassende Überarbeitung der Daten zur Erdgas- und Erdölversorgung eingeführt. Insbesondere enthält diese Version eine Aktualisierung der Erdgas- und Erdölversorgungsketten (Produktion, Ferntransport und regionale Verteilung) in der Datenbank, um die globale Versorgungssituation im Jahr 2019 widerzuspiegeln. Der geografische Erfassungsbereich der Datenbank wurde um Daten zur Produktion von Erdgas und Erdöl in verschiedenen Ländern und Regionen erweitert. Zusammengenommen deckt die Datenbank nun 90 % der weltweiten Erdölproduktion und fast 80 % des Erdgases ab. Darüber hinaus werden mit der Aktualisierung regionale Verbrauchsmixe für Erdöl in Nordamerika und Europa sowie neue oder aktualisierte Erdgaslieferungen für 44 Länder eingeführt, die auf der Situation im Jahr 2019 basieren.

Auch der Chemiesektor wurde aktualisiert, um die Datendarstellung für wesentliche chemische Grundstoffe und ihre Derivate zu verbessern, z. B. kurzkettige Alkene (Ethylen, Propylen, Buten und Butadien), monozyklische Aromaten (Benzol, Toluol und Xylole [p-, o-, gemischt]), Ethylenoxid und Ethylenglykol. Weitere wichtige Aktualisierungen umfassen die Erweiterung der technologischen und geografischen Abdeckung für Ethylen, Propylen, Wasserstoff und Methanol. Insbesondere führtEecoinvent v3.10 Daten für China, die Vereinigten Staaten und Europa ein.

Darüber hinaus wurde im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Ifeu, Plastics Europe und Ecoinvent eine verbesserte Disaggregationsebene für Steamcracking und die Herstellung von Polyolefinen (PE, PP), PVC und PET hinzugefügt, was die Transparenz dieser Prozesse erhöht.

Infolge der genannten Aktualisierungen hat sich der durchschnittliche CO2-Fußabdruck von Erdöl und Erdgas und deren Folgeprodukten zwischen Ecoinvent Version 3.8 und der neuesten Version 3.10 deutlich erhöht. Der Fußabdruck von fossilem Naphtha hat sich fast verdoppelt, und die Fußabdrücke von Standardkunststoffen sind um etwa 30 % gestiegen (PET 26 %, PE 34 % und PP 30 %).

Die Auswirkungen dieser vergrößerten Fußabdrücke werden für den Vergleich mit nicht-fossilen Kunststoffen und anderen Produkten, die aus erneuerbarem Kohlenstoff hergestellt werden, erheblich sein. Viele Berechnungen von CO2-Fußabdrücken werden auf der Grundlage der aktualisierten Daten neu berechnet werden, wobei zu erwarten ist, dass sich frühere Vergleiche zwischen fossilen und nicht-fossilen Kunststoffen weiter zugunsten der letzteren verschieben werden. Während beispielsweise der CO2-Fußabdruck, der mit der Herstellung von biobasierten Kunststoffen verbunden ist, in der Regel etwa 20-30 % niedriger war als der von Kunststoffen auf fossiler Basis, wird nun erwartet, dass biobasierte Kunststoffe tatsächlich 40-50 % weniger CO2 ausstoßen als ihre vergleichbaren Pendants auf fossiler Basis.

(ID:49929540)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung