IW-Studie „Fachkräftemangel: Hemmschuh für den Pharmastandort Deutschland“ Hemmnis Fachkräftemangel: So will die Pharma-Branche reagieren

Von Manja Wühr 3 min Lesedauer

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Der Mangel an qualifizierten Bewerbern wird für die Pharmaindustrie zunehmend zu einem Hemmnis für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. In einem gemeinsamen Positionspapier zeigen Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und IGBCE auf, was Unternehmen und Politik nun dringend anpacken müssen.

Dr. Claus Michelsen (li), Chefvolkswirt und Geschäftsführer Wirtschaftspolitik des vfa, im Gespräch mit Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IGBCE (M.) (Bild:  VFA)
Dr. Claus Michelsen (li), Chefvolkswirt und Geschäftsführer Wirtschaftspolitik des vfa, im Gespräch mit Francesco Grioli, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IGBCE (M.)
(Bild: VFA)

Die aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) „Fachkräftemangel: Hemmschuh für den Pharmastandort Deutschland“ zeichnet ein düsteres Bild: Derzeit fehlen rund 176.000 Fachkräfte in pharmarelevanten Berufen. Besonders dramatisch ist die Situation in der Produktion, wo jede vierte Stelle nicht besetzt werden kann. Auch in Forschung und Entwicklung sowie IT-Berufen gibt es erhebliche Engpässe, die die Innovationskraft der Branche gefährden. Die pharmazeutischen Clusterregionen wie das Rhein-Main-Gebiet und Oberbayern sind besonders stark betroffen. Ab dem Jahr 2018 legte die Fachkräftelücke jener pharmarelevanten Berufe deutlich zu, die der „IT“ zugerechnet werden. Dagegen zeigten sich für pharmazeutische Unternehmen erst mit Beginn des Jahrzehnts zunehmende Engpässe in der Besetzung offener Stellen im Berufsfeld „Handel und Vertrieb“.

Die Studie zeigt, dass sich die Fachkräftelücke in der pharmazeutischen Industrie durch die gesamte pharmazeutischen Wertschöpfungskette zieht – in variierender Stärke. Von der „Forschung und Entwicklung“ über die „Produktion“ bis zum „Handel und Vertrieb“ und Querschnittstätigkeiten in der „IT“ und „Unternehmenssteuerung“ verschärften sich im Betrachtungszeitraum nicht nur bereits bestehende Engpässe. Der Fachkräftemangel betraf im Zeitablauf eine immer größer werdende Zahl an Berufen, die zuvor keine rechnerischen Engpässe aufwiesen. Deutlich wird dies insbesondere im Berufsfeld der „Unternehmenssteuerung“ und in der „Produktion“.

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Zudem warnt die IW-Studie, dass in den kommenden zehn Jahren fast 36.300 Beschäftigte der Branche altersbedingt aus ihrem Berufsleben ausscheiden werden. So sind beispielsweise fast 5.000 Fachkräfte der Chemie- und Pharmatechnik in der Pharmaindustrie aktuell mindestens 55 Jahre alt. Mit ihrem Übergang in den Ruhestand wird sich die bereits heute angespannte Situation in der „Produktion“ der Branche weiter verschärfen.

VFA und IGBCE sehen in den Ergebnissen der IW-Studie Handlungsbedarf. In dem gemeinsamen Positionspapier „Fachkräftemangel: Lösungen für die Schlüsselindustrie Pharma“ zeigen sie Wege für Betriebe und Politik auf, den Fachkräftemangel zu entschärfen. Speziell von der Politik fordert das Positionspapier drei Maßnahmen:

  • Vorhandene Fachkräftepotenziale besser ausschöpfen und „Gute Arbeit“ stärken: Es ist entscheidend, alle verfügbaren inländischen Fachkräftepotenziale auszuschöpfen. Dazu zählen die Integration von Frauen, älteren Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig müssen Unternehmen attraktive Arbeitsbedingungen schaffen und flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Die Politik muss bestehende Hemmnisse im Steuer- und Sozialsystem beseitigen.
  • Produktivität steigern und Weiterqualifizierung fördern: Um den steigenden Kompetenzanforderungen gerecht zu werden, müssen Weiterbildungsangebote gezielt ausgebaut und der Erwerb von Zusatzqualifikationen gefördert werden. Besonders wichtig ist es, An- und Ungelernte durch passgenaue Programme zu qualifizieren und den Quereinstieg in MINT-Berufe zu erleichtern. Die Bundesregierung sollte die bestehenden Förderprogramme zur Weiterbildung weiterentwickeln und den Zugang zu diesen Programmen vereinfachen.
  • Gezielte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland: Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland ist unverzichtbar. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet hierfür eine solide Grundlage, muss jedoch konsequent umgesetzt und weiter ausgebaut werden. Die Politik sollte sicherstellen, dass die Verwaltungsprozesse deutlich beschleunigt und zentrale Anlaufstellen für Unternehmen geschaffen werden.

Das Positionspapier hebt besonders die Bedeutung des Quereinstiegs heraus: „Hierfür braucht es passgenaue Qualifikationsprogramme, die idealerweise in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern entwickelt und mit den Arbeitsagenturen und Kammern vor Ort umgesetzt werden.“ Als Best Practices nennt das Papier beispielsweise Nachqualifizierungen „on the job“: So würden beispielsweise zunehmend gelernte Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen von pharmazeutischen Unternehmen eingestellt. Diese würden zentrale Kompetenzen mitbringen, die bei Stellen für Chemikanten dringend gebraucht werden.

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