Pharmaanlagen Facelifting für Pharmaanlagen

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wie modernisiert man eine pharmazeutische Produktion und die dazugehörige Automatisierung reibungslos und nervenschonend? Antworten auf diese Frage gab es auf dem diesjährigen Pharmakongress von Festo, der sich dem Thema widmete: „Pharmaanlagen clever modernisieren“.

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Mittlerweile ein Familientreffen, der Festo-Pharmakongress – in diesem Jahr in Hamburg. Das Thema: „Phamaanlagen clever modernisieren“. (Bild: Festo)
Mittlerweile ein Familientreffen, der Festo-Pharmakongress – in diesem Jahr in Hamburg. Das Thema: „Phamaanlagen clever modernisieren“. (Bild: Festo)

Wer jemals ein Haus umgebaut hat weiß, dass trotz guter Planung immer Überraschungen auftauchen können, die das Projekt komplizierter und teurer machen als zu Beginn gedacht. Das ist beim Umbau oder der Modernisierung von Pharmabetrieben nicht anders. Meistens sind Modernisierungsprojekte pharmazeutischer oder biopharmazeutischer Produktion sogar komplexer als ein Neubau auf der grünen Wiese. Das war jedenfalls der übereinstimmende Tenor aller Referenten, die in Hamburg auf dem Kongress „Pharmaanlagen clever modernisieren“ Fallbeispiele präsentierten.

Zum vierten Mal hatte der Automatisierungsexperte Festo, der seinen eigenen Schwerpunkt auf pneumatische Steuerungen legt, Apparatebauer, Automatisierungsspezialisten sowie Fachleute aus Biotechnologie- und pharmazeutischer Produktion eingeladen, um Erfahrungen auszutauschen und Praxisbeispiele zu diskutieren. Die eindrucksvollsten „Vorher-Nachher-Bilder“ präsentierte Norbert Franz, der als Technischer Leiter Elektronik der Martin Christ Gefrieranlagen diverse Gefriertrocknungsanlagen ausgebaut, ins heimische Osterode transportiert und dort im Werk runderneuert hat.

Diese Retrofits machen immerhin 15 Prozent des Umsatzes aus und sind damit als Einnahmequelle durchaus nicht zu vernachlässigen. Die Beweggründe für eine Modernisierung liegen nach der Erfahrung von Franz in steigenden Behördenanforderungen. In den letzten Jahren haben EMA und FDA die Qualitätsansprüche noch einmal nach oben geschraubt und damit eine wahre Modernisierungswelle losgetreten. Prägnantestes Beispiel ist der Annex 1, mit dessen Umsetzung sich viele Pharmaproduktionen beschäftigen mussten.

Umbau im Bestand ist auch ein Dauerbrenner für Architekten und Planer, und nicht immer werden sie und der Auftraggeber enge Freunde, denn gelegentlich muss der Planer „dem Betreiber auf die Füße treten“, wie Andreas Nuhn, Leiter Compliance bei Carpus Prozess Experten, formulierte.

Billiger wird es nicht

Im Klartext heißt das: Nicht alles was der Auftraggeber wünscht, ist auch in der vorgesehenen Zeit mit dem vorhandenen Budget umsetzbar. Er wischte einige Illusionen über Umbauten weg mit der Bemerkung, das schlechteste Argument für einen Umbau sei der Wunsch, billig wegzukommen. „Glauben Sie nicht, dass Sie damit Geld sparen.“

Es gäbe eine Menge versteckter Kosten, z.B. für die Einlagerung von Equipment während der heißen Umbauphase. „Schlagen Sie auf die kalkulierten Kosten noch einmal zehn Prozent drauf“, empfahl Nuhn. Er präsentierte als Projektbeispiel den Umbau einer Ansatzanlage für Liquida, bei der in acht Wochen 500 Quadratmeter Reinraum (inklusiv der Verlegung von 300 Quadratmetern Reinraumboden) erneuert wurden, davon vier Wochen unter erschwerten Bedingungen, weil währenddessen die Produktion im Reinraum weiterlaufen musste.

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