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Wer eine biopharmazeutische Produktionsanlage erneuern will, hat gute Gründe, denn die komplexe Prozesskette aus Zellkultur und anschließendem Downstreaming zerreißt man nicht ohne Not. Aber manchmal erfordert eine Prozessoptimierung, etwa eine neue Fütterungsstrategie, aber doch apparative Anpassungen, oder die Nachfrage nach dem Wirkstoff steigt so stark, dass die Fermenter und/oder das Downstream-Equipment einfach zu gering dimensioniert sind.
„Auf jeden Fall gilt auch hier, eine klare Projektdefinition mit Start- und Endpunkt ist essentiell für den Erfolg“, betonte Wilfried Kappel, Director of Automation bei Sartorius Stedim Systems. Nicht zu unterschätzen sei auch der Aufwand für Qualifikation und Re-qualifikation, denn existierende Systeme seien oft nur ungenügend dokumentiert.
Einfach und schnell
Mit Single Use-Systemen kann der Betreiber mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Einbau von Einweg-Equipment ist einfacher und geht schneller als die Installation von Edelstahlapparaten. Die Komplexität der Anlage sinkt, weil Verrohrungen einfacher werden, man kann auf SIP- und CIP-Einrichtungen verzichten, und last but not least sinken auch die Kosten, wie Kappel in einer Vergleichsrechnung zeigte. Allein für das Single Use Equipment müsse der Auftraggeber im Vergleich zu Edelstahlapparaturen rund 23 Prozent weniger bezahlen.
Wenn eine Produktionsanlage in die Jahre gekommen ist und ein Facelifting braucht, gilt das in der Regel auch für die dazugehörige Automatisierung. Der Frage, wie man solche Projekte effizient umsetzt, widmeten sich Raymond Weider, Geschäftsführer Penta-Electric, und Jürgen Weber, der bei Festo das Key Account-Management Prozessautomatisierung leitet.
Weider plädierte für den Dreiklang aus: ersetzen, was nötig ist – erhalten, was möglich ist – anpassen, was sinnvoll ist. Bei der Qualifizierung eines modernisierten Automatisierungsbausteins setzt Penta-Electric auf die Simulation der Steuerung in einer Testumgebung. Kern dabei, sagte Weider, sei ein intensiver Softwaretest, dessen Aufgabe es u.a. sei, Spaghettisoftware, soll heißen Software mit einer schlechten Struktur, zu entlarven.
Dass die Migration eines Prozessleitsystems immer auch die Chance bietet, eine Steuerung schlanker zu machen und zu entschlacken, verdeutlichte Festo-Experte Weber am Beispiel der Ventilinsel, mit der man seiner Ansicht nach ein Mehr an Funktionalität erzielen könne. Baut man bei der Modernisierung beispielsweise eine Ventilinsel mit einer Diagnosefunktion ein, spart das nicht nur Platz – dank der kompakten Einheit –, sondern reduziert möglicherweise auch die Zahl der im Feld eingesetzten Messgeräte.
Digitale Analysenmesstechnik ist ebenfalls ein Mittel, Pharmaanlagen effizient zu betreiben, vereinfacht sie doch die Kalibrierung und die Wartungsstrategie für den Betreiber, betonte Klaus Köhler, Branchenmanager Pharma bei Endress+Hauser Messtechnik. Als Konzept zur Effizienzsteigerung ist auch das W@M-Portal gedacht, das als Asset Management-System Gerätedaten enthält, Engineering, Beschaffung und Inbetriebnahme erleichtern und den Betreiber über den gesamten Lebenszyklus seines Messgerätes begleiten soll.
Das Fazit der zweitägigen Veranstaltung: Umbauen ist komplex, gelingt aber, wenn Auftraggeber und Planer an einem Strang ziehen und die Projektplanung stimmt.
* Die Autorin ist Leitende Redakteurin der PharmaTEC.
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