Fluid Catalytic Cracking Evonik zapft neue C4-Quelle an
Eine Fluid Catalytic Cracking-Anlage spuckt eine Mischung aus Butan und Buten aus, die zur Chemikalienherstellung bisher nicht genutzt wurde. Evonik hat jetzt eine Technologie entwickelt, um Butan aus dem Stoffstrom zu entfernen und Buten nutzbar zu machen.
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Essen/Marl – Evonik Industries hat in die Tasche gegriffen und in Marl und Antwerpen mit einem dreistelligen Millionenbetrag die Produktion der C4-Chemikalien angekurbelt.
Jetzt sind die Anlagen in Marl mit viel Prominenz, u.a. der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft offiziell eingeweiht worden. Neben dem Ausbau in Marl hat Evonik auch in Antwerpen in die C4-Aktivitäten investiert. Die entsprechenden Anlagen waren dort bereits im zweiten Quartal 2015 angefahren worden. Insgesamt führen die neuen Produktionen zu einem Ausbau der Kapazitäten für den Weichmacher-Alkohol Isononanol in Marl, für Butadien in Antwerpen sowie für den Kraftstoffzusatz MTBE (Marl und Antwerpen). Johann-Caspar Gammelin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Evonik Performance Materials will mit der Investition den, laut Marktanalysen um fünf Prozent jährlich steigenden Bedarf, bedienen.
Millionen-Invest
Neue Evonik-Anlagen für C4-Produkte
Neue Technologie nutzt FCC-Raffinerieströme
Zum ersten Mal setzt der Konzern in den Marler Anlagen jetzt eine neu entwickelte Technologie ein, die FCC-C4 Stoffströme zur Chemikalienherstellung nutzt. Sichtbares Zeichen des neuen Verfahrens ist mit rund 90 Metern höchste Kolonne des Industrieparks. FCC steht für Fluid Catalytic Cracking. Mithilfe dieses Prozesses verwandeln Raffinerien schwere Rohölbestandteile in Kraftstoffkomponenten. Beim Fluid Catalytic Cracking fällt u.a ein C4-Stoffstrom an, der Olefine enthält, die bisher zur Chemikalienherstellung nicht genutzt wurden, da weitere Begleitstoffe enthalten waren.
Evonik ist es nun durch eine Kombination von eigens neu entwickelten und zugekauften Technologien gelungen, diesen Stoffstrom aus der Raffinerie zu nutzen. Die Herausforderung bestand vor allem darin, etwaige die Weiterverarbeitung störende Begleitstoffe aus dem FCC-C4-Strom abzutrennen.
Die neue Technologie beinhaltet verschiedene chemische Reaktionen und Absorptionstechniken, die einen effizienten und zugleich flexiblen Prozess ermöglichen. Mit Hilfe der 90-Meter-Kolonne werden die für das Chemieunternehmen weniger attraktiven gesättigten Verbindungen (Butane) aus dem FCC-C4-Stoffstrom entfernt, um anschließend die für Evonik wertvollen ungesättigten C4-Verbindungen (Butene) zu Spezialchemikalien weiterverarbeiten zu können.
Gammelin erläutert: „Mit der neuen Technologie verbreitern wir unsere Rohstoffbasis deutlich. Sie ermöglicht uns den Zugriff auf bisher für die chemische Weiterverarbeitung noch ungenutzte Rohstoffströme.“ Wesentliche Quelle für die Gewinnung petrochemischer Grundstoffe ist bislang der sogenannte Steam- bzw. Naphtacracker. Weltweit gibt es jedoch deutlich mehr FCC-Cracker als Steamcracker.
Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit
Den FCC-C4-Stoffstrom bezieht Evonik per Pipeline von der BP Raffinerie in Gelsenkirchen, rund 15 Kilometer vom Marler Standort entfernt. Da die verbleibenden Butane für die Raffinerie in Scholven ein wertvoller Rohstoff sind, leitet Evonik diese per Pipeline zurück nach Gelsenkirchen. „Das jetzt realisierte Projekt unterstreicht die Bedeutung der Mineralölverarbeitung für die Wertschöpfungsketten der Chemie. Es ist ein gutes Beispiel für eine die Wettbewerbskraft stärkende unternehmensübergreifende Kooperation“, so Frédéric Baudry, Mitglied des Vorstands der BP Europa SE und zuständig für das Petrochemiegeschäft des Unternehmens.
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