Aveva World – Nutzerkonferenz der Superlative Digitales Ecosystem – Warum Aveva auf offene Systeme setzt

Von Anke Geipel-Kern 7 min Lesedauer

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Kriege und die Klimakrise bedrohen Wohlstand und Zukunft der gesamten Welt. Gegen Kriege hat Aveva-CEO Caspar Herzberg auch kein Mittel. Doch die Ziele Dekarbonisierung und „Zero Emission“ seien erreichbar, wenn Länder und Industrien übergreifend zusammen arbeiten und digital vernetzte Ecosysteme schaffen, sagt Herzberg auf der größten Aveva World, die es bisher gegeben hat. Welche Rolle Connect dabei spielen soll, welche neuen Partnerschaften es gibt und welche Neuerungen das Software-Portfolio bereit hält, steht in unserem Konferenzbericht.

3500 Teinehmerinnen und Teiilnehmer bei der Aveva World im Palais du Congres in Paris: Blick in das Amphittheater (Bild:  Sebastian Reuter, Aveva)
3500 Teinehmerinnen und Teiilnehmer bei der Aveva World im Palais du Congres in Paris: Blick in das Amphittheater
(Bild: Sebastian Reuter, Aveva)

Traditionsgemäß sind die Nutzerkonferenzen großer Softwareunternehmen bunt, laut und einfach überwältigend. Da macht auch die Aveva World, in diesem Jahr in Paris ausgerichtet, keine Ausnahme. Zur Begrüßung drängen sich rund 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Amphittheater des Palais des Congrès , eine Eventlokation der Superlative, was im übrigen auch für die Aveva World gilt. So groß sei die Nutzerkonferenz noch nie gewesen, betont CEO Caspar Herzberg gleich zu Beginn seiner Keynote. Dem Trommelwirbel einer Pariser Performancegruppe, der dem Start seiner Rede voran geht, folgen nachdenkliche Töne.

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Herzberg spannt den ganz großen Bogen spricht von Kriegen, Klimakrise und einer Welt in Bewegung, die Änderungen im Verhalten erfordern. „Die Art, wie wir momentan Dinge tun, wird nicht länger funktionieren“, sagt er, fordert „radical collaboration“ und und verspricht, getreu dem Motto der Konferenz, Künstliche Intelligenz, Digitale Zwillinge und Digitalisierung in die reale Welt zu bringen, um „Impact“ zu schaffen. Neue Technologien, wie künstliche Intelligenz, öffnen neue Möglichkeiten und können das tägliche Leben revolutionieren – das ist Herzbergs Überzeugung und die Cloudplattform Connect soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

Den Datenschatz der Industrie heben

Der Aveva-CEO hat vor allem die in der Industrie entstehenden Daten Blick. Die Datenmenge werde immer größer und Erhebungen des MIT zufolge lediglich ein Drittel davon genutzt. Deshalb ist für ihn Teilen das Gebot der Stunde. Die Zeit der geschlossenen Systeme und isolierten Silos sei vorbei.

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Aveva selbst geht mit gutem Beispiel voran und hat in den letzten Jahren ein Kollaborations-Netzwerk aufgebaut, um dem Ziel der Connected Industrial Economy näher zu kommen. Im Zentrum der Überlegungen steht die Cloudplattform Connect, die über das Prinzip „Software as a Service“ einen zentralen Zugriff auf das Software-Portfolio von Aveva bietet. Auch Partner können sich beteiligen und auf „das gleiche Set von vertrauenswürdigen Daten“ zugreifen. Wichtig dabei: Benutzer sind weiterhin Eigentümer aller ihrer Daten, können diese aber sicher mit Geräteanbietern, Lieferanten und Kunden austauschen. Aveva selbst unterhält ein Cyberteam, das Produkt- und Prozesssicherheit sicherstellen sollen.

Die Cloud im Zentrum

Wer die in Cambridge ansässige Softwareschmiede also noch als „Engineering-Software-Bude“ abgespeichert hat, sollte schleunigst umdenken. Die Zeiten, als die 3-D-Software PDMS das Flaggschiff des Portfolios war, sind lange vorbei, und das Unternehmen ist weit über die Entwicklung und Vertrieb von Engineering-Software hinausgewachsen.

Man sieht sich selbst als Enabler der intelligenten industriellen Vernetzung und zwar über alle Industrien hinweg. Seit 2020 fährt Aveva seine Cloud-First-Strategie, mit der Cloud-Plattform Aveva Connect im Zentrum – die heute Connect heißt und 2020 noch aus Unified Engineering, Insight Guided und Advanced Analytics bestand. Mittlerweile ist das Portfolio deutlich größer (siehe Kasten).

Zukäufe für die Portfolioerweiterung

Das liegt auch an erfolgreichen Akquisitionen. Die wohl wichtigste der letzten Jahre war Osisoft, womit Aveva eine wichtige strategische Lücke geschlossen hat – die Kluft zur Betriebsdatenebene. Die in der Prozessindustrie weit verbreitete PI-Software sammelt und speichert Betriebsdaten in Echtzeit, um sie Optimierungen über Analyse- sowie AI- und ML-Plattformen zugänglich zu machen.

Dass PI sozusagen „Cloud ready“ war, spielte Aveva natürlich in die Karten. Wichtig dabei ist die hohe Qualität der durch PI gesammelten Daten – eine Tatsache, die alle Redner der Nutzerkonferenz unisono betonen. Gute Daten sind die Voraussetzung für die Kontextualisierung und intelligente Analysen, die letztlich zu mehr Effizienz führen sollen. Auch die Übernahme durch Schneider Electric 2022 hat Aveva weitergebracht und den Zugang zu Energiemanagement- und Automatisierungssystemen ermöglicht. Die Entscheidung des damaligen SE-Chefs und heutigen Chairmans Jean-Pascal Tricoire, Aveva die Eigenständigkeit und den CEO zu lassen, hat sich im nach hinein als kluge Entscheidung herausgestellt.

Neuheiten im Aveva-Portfolio
  • Mit Aveva Unified Engineering können global verteilte, multidisziplinäre und organisationsübergreifende Teams in einer gemeinsamen Umgebung mit denselben aktuellen Projektdaten arbeiten. Unabhängig davon, ob in 1D, 2D oder 3D gearbeitet wird, bringt Unified Engineering Teams in eine agile, intelligente und digitale Umgebung. Darüber hinaus unterstützt es Unternehmen bei der Bereitstellung optimierter Anlagenentwürfe, indem es kollaborative, transparente, datenzentrierte Entscheidungsprozesse ermöglicht, sodass Unternehmen Projekte termin- und budgetgerecht abwickeln können.
  • Aveva Operations Control ist eine vollständige Lösung ohne Tag-, IO- und Server-Einschränkungen, die architektonische Flexibilität von der Prozess- über die Anlagen bis hin zur Unternehmensebene bietet. Sie bietet unbegrenzten Zugriff auf HMI/SCADA-Visualisierung, Historian, Berichterstellung und Zusammenarbeit im Team. Funktionen zur Datenverwaltung ermöglichen ein neues Ecosystem und Anwendungsfälle, einschließlich KI-gestützter Analysen zur Qualitäts- und Produktionsoptimierung. Im Rahmen des Updates sind wichtige Connect-Funktionen in jedes Operations Control-Abonnement implementiert worden. Die Kombination bietet Nutzern neue Erkenntnisse durch den industriellen KI-Assistenten, der sowohl Prozess- als auch MES-Daten abfragt. Kunden können vordefinierte und selbst bearbeitbare Dashboards und Animationen nutzen, um komplexe Interaktionen ganzheitlich zu visualisieren. Die Kombination von KI und Visualisierung ermöglicht es, Probleme zu analysieren und zu lösen sowie umsetzbare Erkenntnisse zur Optimierung der Produktion und des Unternehmens zu gewinnen.
  • Auch das Portfolio von Aveva PI soll erweitert werden. Neue Rückschreibefunktionen von Connect zum PI Server ermöglichen die Zusammenarbeit zwischen Betrieb und anderen Bereichen wie Analysten und Datenwissenschaftlern in Echtzeit, sodass Bediener fortschrittliche Analysen in vertrauenswürdige Tools und bestehende Arbeitsabläufe integrieren können. Darüber hinaus können Nutzer nun besser Daten verschieben, verwalten und bearbeiten. Kunden erzielen bereits gute Ergebnisse in Bezug auf Produktivität, Qualität, Betriebszeit und Kosteneinsparungen, wenn sie ihre Edge-, Anlagen- und Clouddaten mithilfe von Connect integrieren.
  • Neben diesen stellt Aveva eine Reihe weiterer Funktionen vor, die Connect und das Partner-Ecosystem möglich machen – darunter generative Konstruktionsplanung, verbesserte Planung, optimierte Produktionsabläufe (MES), Leistung sowie Simulation.

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Großen Anteil an dieser Entwicklung hat Chief Produkt Officer Robert McGreevy, der auf der Aveva World enthusiastisch als „Godfather of Connect“ angekündigt wird. „Unsere Vision ist es, Industrieunternehmen bei der Entwicklung, dem Bau, dem Betrieb und der Optimierung für die Zukunft zu unterstützen,“ erklärt der CPO. Seit der letzten Nutzerkonferenz in San Franzisko hat das Entwicklungsteam noch einmal eine Schippe draufgelegt, Industrial AI Assistant, Aveva Unified Engineering, Aveva Operations Control und Aveva PI Data Infrastructure weiter entwickelt, um Datenaustausch, Visualisierung digitaler Zwillinge sowie KI und Analytik zu verbessern.

KI und Mensch versöhnen

Der Industrial AI Assistant etwa entspringt einer Kooperation mit Microsoft, nutzt die generative KI Open AI und unterstützt Anlagenbetreiber bei der Suche nach Information und der Entscheidungsfindung etwa für das Troubleshooting. Das KI-Tool ist ein prägnantes Beispiel für Herzbergs Aussage in der Keynote: „Künstliche Intelligenz ist machtvoll, wenn wir sie mit menschlicher kombinieren.“ Clou ist die digitale Chat-Funktion, die auf eine Frage zusammengefasste Antworten aus mehreren Datenquellen liefert, sowie Links und Visualisierungen mit zusätzlichen Details bereit stellt. Die Entscheidung, was er nutze, sagt McGreevy, liege dabei stets beim Betreiber.

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Künstliche Intelligenz ist mittlerweile der rote Faden, der alle Aveva-Produkte durchzieht. Auch deshalb hat die 2023 geschlossene Kooperation mit Databricks hohe strategische Bedeutung für Aveva. Matei Zaharias, CTO und Mitgründer der Softwareschmiede, gilt als echter Überflieger der Branche und entwickelte schon als Doktorand der Berkeley University of California Apache Stark. Die Analyse-Maschine analysiert mit hoher Geschwindigkeit in Echtzeit große Datenmengen aus unterschiedlichen Serverumgebungen (Cloud) und ist 100 Prozent Open Source, gehostet wird es bei der anbieterunabhängigen Apache Software Foundation. 2013 gründete Zaharias Databricks, das rund um die Data Lakehouse-Architektur KI-Analysen mit großen Datenmengen kombiniert. Die Kooperation mit Databricks soll Connect-Partnern den Zugriff auf die KI-basierten Echtzeitanalysen sowie plattformübergreifende gemeinsame Datennutzung ermöglichen.

Neue strategische Partnerschaften: Quantencomputing

Mit einer ganz neuen strategische Partnerschaften nimmt Aveva eine Technologie ins Visier, die noch in den Kinderschuhen steckt, aber ungeahnte Potenziale entwickeln könnte: Quantencomputing. Die Quanteninformatik sei ein Wendepunkt in Bezug auf Geschwindigkeit, Effizienz und Präzision, die schnellere und nachhaltigere Innovationen in der Industrie ermöglichen werde, erklärt Herzberg. Oxford Quantum Circuits habe, laut CEO Gerald Mullaly, die erste „unternehmenstaugliche Quantenlösung“ geschaffen. Nun sollen auch Aveva-Kunden von der Technologie profitieren.

...und dekarbonisierte Lithiumproduktion

Im Mittelpunkt der der zweiten Partnerschaft mit Vulcan Energy Resources (VER) steht ein 1,5 Milliarden Euro teures Projekt im Oberrheintal in Deutschland, für das Aveva die digitalen Werkzeuge bereitstellt. Das Unternehmen unter CEO Cris Moreno hat das ehrgeizige Ziel die Lithiumproduktion zu dekarbonisieren. Vulcan gewinnt Lithiumhaltiges Thermalwasser aus Gesteinen des deutschen Oberrheingrabens. In Landau betreibt Vulcan bereits eine Lithiumextraktionsoptimierungsanlage (LEOP). Im Industriepark Höchst ist gerade ein Pilotanlage in Betrieb genommen worden in der Lithiumhydroxidmonohydrat für die Batterieproduktion weiterverarbeitet wird. Eine Großanlage soll folgen.

Mit Connect will das Unternehmen die Zusammenarbeit in den verschiedenen Projektphasen und Industrieanlagen verbessern. Kernkomponenten wie Avevas Contract Risk Management (CRM) und Asset Information Management (AIM) sowie ihr moderner digitaler Zwilling und Assais Document Control sowie Management System sollen einen sicheren Datenaustausch zwischen mehreren Interessengruppen, einschließlich Auftragnehmern sichern.

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