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Den Datenfluss managen
Damit die digitale Anlage überhaupt funktionieren kann, braucht man daher ein System, das alle Daten von der Entwicklung über Produktion bis zur Demontage erzeugt, verwaltet und zusammenführt, betont Dr. Jürgen S. Kussi, Head of Plant Layout and Piping bei Bayer Technology Services, in seinem Vortrag. Wichtig dabei ist: Alle Daten werden nur einmal erfasst, nicht weitere Male neu eingegeben und sind – ganz wichtig – immer auf dem neuesten Stand. „Die größten Katastrophen werden meistens dadurch ausgelöst, das jemand mit veralteten Daten weiter arbeitet,“ präzisiert er.
Was Daten- und Dokumentenmanagementsysteme unter dem Primat der Kosteneffizienz in der Praxis leisten müssen, zeigt Dominik Schlicht, Projektleiter Enterprise Document Management System (EDMS) bei RWE Technology, am Beispiel aktueller Großprojekte im Kraftwerksbau. Innerhalb der zweijährigen Planungszeit und der anschließenden fünfjährigen Bauzeit können bis zu 2,2 Millionen Dokumente entstehen, die ständig auf dem neusten Stand sein müssen und deren Zugriffsrechte nach Bedarf geregelt werden.
Ziel ist es, projektrelevante Dokumente und Daten in benötigter Form zur Verfügung zu stellen. Lieferanten – das können pro Projekt fast 90 sein, die in Summe bis zu 100 000 Komponenten liefern – sollen dabei über ein Lieferantenportal eingebunden werden, in das die Zulieferfirmen ihre Daten und Dokumente einstellen. Bereits während der Inbetriebsetzung werden alle betriebsrelevanten Dokumente und Daten für das Betriebsführungssystem der Betreibergesellschaft in benötigter Form bereitgestellt und übertragen.
Vor allem brennt dabei das Schnittstellenmanagement auf den Nägeln. Ein Querschnittsthema, das jedem Referent am Herzen liegt, in der Diskussion der Dauerbrenner war und offenbar niemals ausgestanden ist. Schnittstellen wachsen speziell nach Software-Updates wie Pilze bei Sommerregen aus dem Boden und schreien geradezu nach Standardisierung. Was Kussi zu der berechtigten Frage veranlasst: „Führen Komplexität, Heterogenität und mangelnde Abstimmung an Schnittstellen zu längeren Durchlaufzeiten als nötig?“
Kussi gehört zu den Verfechtern der 50-Prozent-Idee, die 2009 auf dem Tutzing-Symposion der Dechema geboren wurde und deren Ziel es ist, die Zeit für Planung und Bau verfahrenstechnischer Anlagen künftig zu halbieren. Denn: „Die Zeit bis zur Markteinführung eines Produktes entscheidet zunehmend über dessen wirtschaftlichen Erfolg.“ Den Schlüssel zum Erfolg glaubt Kussi in Digital Plant gefunden zu haben: „Nur durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten an einem Projekt werden wir es schaffen, in kürzerer Zeit fertig zu werden.“
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