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Warum ohne Statistik in der Versuchsplanung nichts mehr geht
Statistische Methoden sind bei Planung und Auswertung der Versuche in den letzten Jahren unverzichtbar geworden. Design of Experiments, multivariate Datenanalyse und moderne Simulationsmethoden reduzieren die Zahl der Versuche und beschleunigen den Übergang vom Labor in den betrieblichen Maßstab. Und in zunehmendem Maße setzen die Analytikspezialisten auch Prozessanalysentechnik sowie Inline- und Online-Analytik ein und hier vor allem spektroskopische Methoden: IR, NIR und Ramansonden. Eine Vision ist das in der Pharmaproduktion angestrebte Realtime Relase, das irgendwann als parametrische Freigabe den konventionellen Freigabeprozess ersetzen soll.
Warum Pflanzenschutzmittel immer komplizierter werden
Prozessentwicklung war immer schon ein Fall für Profis, aber in den letzten Jahren spielt den Saltigoexperten im internationalen Wettbewerb noch ein Fakt in die Karten. „Es gibt mehr chirale und deutlich komplexere Moleküle als in der Vergangenheit“, erzählt Mohr. Das beeinflusst die Länge der Synthesekette. Dass ein Agrowirkstoff zehn Syntheseschritte durchläuft, ist ein ganz neues Phänomen und gibt den Leverkusenern die Chance, ihr besonderes Know-how auszuspielen.
„Eine unserer Stärken ist unser flexibles Netzwerk aus neun Produktionsstätten, das wir hier am Standort haben“, erklärt der Entwicklungschef. Je weiter ein Unternehmen über den Erdball diversifiziert sei, desto schwieriger werde es die langen Syntheseketten zu organisieren. Solche Aufgaben fordern nicht nur die Prozessentwickler, auch Rohstoffbeschaffung und Kapazitätsplanung werden komplexer.
Und last but not least, gilt es im Sinne des Kunden, Preisvorteile in Indien oder China zu nutzen. „Sie müssen Sourcing betreiben, Netzwerke für Lieferanten entwickeln und insgesamt klären, wie sie sich als Anbieter aufstellen“, definiert Mohr.
Solche massiven Veränderungen bergen für Synthesespezialisten aber auch die Chance, sich noch deutlicher als bisher vom Wettbewerb abzuheben: Hydrierungen, Nitrierungen oder Chlorierungen allein reichen z.B. bei der Synthese komplexer Moleküle nicht aus. „Übergangsmetallkatalysatoren, die sie vor fünf Jahren noch in Publikationen der angewandten Chemie gesehen haben, tauchen plötzlich in der Synthese auf“, sagt Mohr. Er und sein Team müssen also immer am Ball bleiben, um das Angebotsspektrum kontinuierlich auszuweiten und auch exotische Synthesen umsetzen zu können.
Weil man bei komplexen Synthesen nicht einfach so den Anbieter wechselt, halten Kundenbeziehungen über viele Jahre. Das bringt zwar Planungssicherheit bei Investitionen wie kürzlich die ins ZeTO (Zentrales Technikum Organisch), verursacht aber auch zusätzliche Verpflichtungen.
„Alle unsere Kunden erwarten von uns kontinuierliche Beiträge zur Kostensenkung“, präzisiert Mohr. Besonders, wenn im Lebenszyklus des Produktes der Ablauf des Patentes droht und die Generikahersteller schon in den Startlöchern stehen. Während es am Anfang darum geht, die Marktversorgung zu sichern, kommt es in diesem letzten Stadium darauf an, kontinuierlich den Prozess zu verbessern und die Raum-Zeit-Ausbeute zu steigern. Dadurch entstehen Kostenvorteile, die dem Kunden zu einer besseren Wettbewerbsfähigkeit verhelfen und das Produkt im Markt halten, womit sich der Kreis dann schließt.
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