Konjunkturbericht VDMA

Deutscher Chemieanlagenbau auf dem Weg zum Klassenprimus

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Das Unternehmen konnte sich durch eine erfolgreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit deutlich vom Wettbewerb absetzen und seinen Weltmarktanteil weiter steigern. Der Dortmunder Anlagenbauer ist darüber hinaus mit seinen auf Effizienz ausgelegten Ammoniak-Anlagen nach dem Uhde-Dual-Pressure-Verfahren weltweit sehr erfolgreich. Die Frankfurter Lurgi bietet mit dem MegaMethanol-Verfahren ebenfalls eine Technologie zur Herstellung von Ammoniak an, welche die Kohlendioxydemissionen um 35 Prozent reduziert, die Stickstoffemissionen um bis zu 75 Prozent und gleichzeitig die Betriebskosten um zehn Prozent gegenüber konventionellen Verfahren senkt. In Zeiten steigender Erdgaspreise und strenger Klimaschutzvorgaben bedeuten solche Technologien einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für den Kunden. Lurgi ist zudem führend bei der Erforschung und Entwicklung von Anlagen zur Erzeugung von Biotreibstoffen. Gemeinsam mit dem Forschungszentrum Karlsruhe betreibt der Frankfurter Anlagenbauer eine zweistufige Pilotanlage zur Herstellung sogenannter Designer-Fuels. Darunter versteht man synthetische Treibstoffe, die sowohl unbegrenzt mit mineralölbasierten Treibstoffen mischbar sind wie auch für die heutigen und künftigen Motorengenerationen optimal entwickelt werden können. Sie sind vollkommen schwefelfrei und sehr schadstoffarm. Schon durch geringe Beimischungen von Designer-Fuels lassen sich die CO2-Emissionen von Kraftfahrzeugen deutlich senken.

Die Engineering Division der Linde engagiert sich in der Entwicklung und Erprobung neuer Verfahren zur CO2-Abtrennung aus Verbrennungsabgasen von Kohlekraftwerken. Ein Beispiel hierfür ist der Bau einer Pilotanlage am RWE-Kraftwerksstandort Niederaußem, in der neu entwickelte Technologien und Lösungsmittel der BASF zur CO2-Abtrennung, die so genannte CO2-Wäsche, erprobt werden. Linde ist für das Engineering und den Bau der Pilotanlage zuständig. Ziel ist es, die Kohlendioxyd-Abtrennung in Braunkohlekraftwerken bis 2020 kommerziell zum Einsatz zu bringen. Auf Grundlage dieser Technik könnten dann mehr als 90 Prozent des CO2 aus den Verbrennungsabgasen eines Kraftwerks entfernt und anschließend einer Speicherung im Untergrund zugeführt werden.

Wenn es um Reduktion von Treibhausgasen in der chemischen Industrie geht, ist auch ein Verfahren zur Lachgas-Beseitigung in Anlagen, die Salpetersäure herstellen, nennenswert. Das von Uhde entwickelte EnviNOx-Verfahren zersetzt dieses klimaschädliche Spurengas, welches einen 300-mal stärkeren Treibhauseffekt hat als CO2, fast vollständig in die normalen Luftbestandteile Stickstoff und Sauerstoff. Bereits mehrere weltweite Produktionsstandorte wurden mit der neuen Technologie ausgerüstet und reduzieren den jährlichen Lachgas-Ausstoß um umgerechnet 8,5 Millionen Tonnen.

Überdies ist der deutsche Chemieanlagenbau führend in der Entwicklung und dem Bau von Großanlagen zur Herstellung von Wasserstoff. Neben der Verwendung als alternativer Energieträger dient Wasserstoff auch zur Reinigung und Entschwefelung von Rohöl. Diese Eigenschaft gewinnt angesichts immer strengerer Umweltauflagen zum Emissionsschutz zunehmend an Bedeutung. Durch den Bau so genannter On-Site-Anlagen an bestehenden Raffineriestandorten werden Treibstoffhersteller in die Lage versetzt, saubere konventionelle Kraftstoffe zu erzeugen und damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Gas, Kohle und Biomasse

Über viele Jahrzehnte war Erdöl der dominierende Rohstoff in der chemischen Industrie. Doch angesichts schwindender Erdölressourcen, steigender Preise und dem Wunsch nach nachhaltigeren Alternativen werden mittlerweile auch Erdgas, Kohle oder Biomasse genutzt. Schon heute sind in Ländern mit ergiebigen Kohlevorkommen (China, USA, Australien) große Vergasungs-Projekte zur wirtschaftlichen Herstellung chemischer Basisprodukte, synthetischer Kraftstoffe sowie Strom direkt aus Kohle in Planung oder bereits in der Realisierung. Eine rasche Verbreitung kohlebasierter Verfahren wird allerdings durch hohe Investitionskosten sowie die bei der Vergasung anfallenden Mengen an Kohlendioxid und Schwefel gebremst. Jedoch sind deutsche Anlagenbauer bei der Entwicklung von Technologien führend, die insbesondere die CO2-Problematik begrenzen und mittelfristig sogar beheben können.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:268847)