Konjunkturbericht VDMA

Deutscher Chemieanlagenbau auf dem Weg zum Klassenprimus

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Langfristig werden weitere Steigerungen der Anlagenproduktivität und der Ausbringungsmengen jedoch weniger über die Anpassung der Anlagengrößen als über Fortschritte in der Prozesstechnik zu erreichen sein. In diesem Zusammenhang investiert der Großanlagenbau in die Weiterentwicklung der Nano-, Mikroverfahrens- und Mikrosystemtechnik. Diese Bemühungen sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass World-Scale-Anlagen betriebswirtschaftlich gesehen nicht immer die beste Lösung sind. Insbesondere in konjunkturellen Abschwungphasen können Größtanlagen zu Überkapazitäten führen und somit sinkende Preise für die auf ihnen hergestellten Produkte bewirken. Modulare Anlagenkonzepte, die ihre Kapazitäten an die Marktentwicklung anpassen, können unter diesen Umständen eine sinnvolle Alternative darstellen.

Der deutsche Großanlagenbau konnte in den vergangenen Jahren die Produktivität erheblich steigern, das Produktivitätswachstum für die Gesamtbranche liegt für den Zeitraum 2003 bis 2007 bei schätzungsweise gut 30 Prozent.

Produktivitätstreiber IT

Während sich die Bestellungen im Zeitraum 2003 bis 2007 nahezu verdoppelt haben, erhöhten die Unternehmen die Zahl der in Deutschland fest angestellten Mitarbeiter um nur acht Prozent. Gründe für den stark unterproportionalen Personalaufbau liegen zum einen in einer im Vergleich zu heute niedrigeren Kapazitätsauslastung, der Spielraum für eine Ausweitung der Produktion ohne zusätzliche Einstellungen ließ, zum anderen in der starken Inflation der Anlagenpreise, durch die ein intertemporaler Vergleich der nominalen Auftragswerte nur eingeschränkt möglich ist. Darüber hinaus hat die Branche auch durch den verstärkten Einsatz von Zeit- und Leiharbeitern (Anteil 2003: 5%; 2007: 10%) sowie erheblicher Mehrarbeit ihr Produktionspotenzial spürbar ausgeweitet. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist der Anstieg der Arbeitsproduktivität im Großanlagenbau beeindruckend. Diese Verbesserung wurde u.a. durch eine stärkere Standardisierung von Anlagenteilen und die durchgängige Einführung computergestützter 3D-Konstruktionslösungen erreicht.

Nach Ansicht von Branchenexperten werden moderne IT-Werkzeuge die Produktivität weiter erhöhen. Integrierte Planungswerkzeuge sollen helfen, Mehrarbeit durch Systembrüche zu vermeiden. Auch bei der Gestaltung und Unterstützung internationaler Zusammenarbeit im Zuge der globalen Projektabwicklung bergen verbesserte Informations-Technologien noch erhebliches Produktivitätspotenzial.

Umweltbewusstsein steigt

Der effiziente Umgang mit Rohstoffen und Energie ist angesichts der schwindenden Ressourcen und der wachsenden Weltbevölkerung zu einem Schlüsselthema für die Industrie und somit auch für den Anlagenbau selbst geworden. Nicht nur die Investitions- auch die Lebenszykluskosten fließen mittlerweile bei Entscheidungen für den Bau einer Anlage ein. Gleichzeitig steigt damit auch die Akzeptanz höherer Anlagenpreise. Der deutsche Großanlagenbau profitiert deshalb vom Trend zu hohen Energiepreisen und der damit verbundenen Zunahme des Kostenbewusstseins auf Kundenseite. In Kombination mit einer steigenden Umweltsensibilität ist die Branche weltweit führend bei der Konstruktion schadstoffarmer, energieeffizienter Anlagen und kann potenziellen Abnehmern modernste Verfahrenslösungen anbieten.

Beispielsweise ist es Uhde in den vergangenen 15 Jahren durch Verfahrensverbesserungen gelungen, bei der Chloralkali-Elektrolyse Energieeinsparungen von 20 bis 25 Prozent bei konstantem Output zu realisieren.

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