Chinas chemische Industrie hat mit dem Handel von CO2-Emissionen begonnen. Analysten gehen davon aus, dass der Handel mit Emissionen in den kommenden fünf Jahren einen „profunden Einfluß auf die Wettbewerbsfähigkeit chemischer Unternehmen“ in China haben wird, berichtet die chinesische Ausgabe von PROCESS.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Für seine firmeneigenen Kraftwerke hat der staatliche Chemiekonzern Sinopec mehr als 200.000 metrische Tonnen CO2-Kredite erstanden. Der Deal fand bereits am Eröffnungstag der neuen landesweiten Emissionsbörse in Shanghai statt.
Das neue nationale „Emissions Trading Scheme“ oder ETS – Chinas erste landesweite Börse für CO2-Emissionen – hat am 16. Juli in Shanghai offiziell ihren Betrieb aufgenommen. Anfangs sind nur Energieerzeuger dabei. Doch die 2225 notierten Kraftwerks-Betreiber – überwiegend Tochterunternehmen großer Staatsbetriebe – stoßen gemeinsam mehr als vier Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Erdatmosphäre. Das sind rund 40 % aller Emissionen Chinas. Die Börse war damit von ihrem ersten Tag an sofort die weltweit größte ihrer Art.
Wegen des schieren Volumens der chemischen Industrie in China und ihrer ebenso gigantischen Emissionen von Treibhausgasen ist die aktive Teilnahme von Sinopec schon am fünften Tag des Emissionshandels ein wichtiges Signal für die künftige Entwicklung der Chemieindustrie Chinas in puncto Nachhaltigkeit – und gleichzeitig ein Signal der Hoffnung für Klimaschützer, denn kein Land der Erde entlässt so viele Treibhausgase in die Atmosphäre wie die Volksrepublik.
Sinopec positioniert sich frühzeitig
Sinopec stellte gleich am ersten Tag des offiziellen Emissionshandels „mehr als sechs Prozent des gesamten Transaktionsvolumens“ an der neuen Börse, berichtete PROCESS (China). Die Kredite für die Emission von mehr als 200.000 metrischen Tonnen wurden für Kraftwerke der Sinopec-Töchter Shengli Oilfield, Maoming Petrochemical, Shanghai Petrochemical und Zhongtian Hechuang Energy erstanden.
Am fünften Tag des Emissionshandels legte Sinopec noch einmal nach, indem es seinen ersten Großhandelsauftrag an der Börse aufgab, einen „bulk trade“ über 100.000 metrische Tonnen im Namen seiner Tochter „China Resources Group“. Insgesamt sind mehr als 30 Kraftwerke an der Emissionsbörse notiert, die mit Sinopec, PetroChina und der China National Offshore Oil Corporation verknüpft sind.
Obwohl nun zum Auftakt erst einmal nur Stromerzeuger an der Emissionsbörse handeln dürfen, plant die Pekinger Zentralregierung schon während des gerade laufenden Fünf-Jahresplanes (2021 bis 2025) auch die chemische Industrie und andere Industrien mit hohen Treibhausgas-Emissionen einzubeziehen, darunter etwa auch die Stahl- und Bauindustrie des Landes.
Marktbeobachter in China gehen davon aus, dass Staatsbetriebe der Chemieindustrie schon in wenigen Jahren intensiv an dem Emissionshandel teilnehmen müssen, berichteten chinesische und internationale Fachmedien. Damit werde der Druck auf die chemische Industrie in China stark zunehmen, in klimafreundliche Technologien und Prozesse zu investieren, hieß es übereinstimmend in verschiedenen Analysen.
Sinopec befinde sich derzeit beim Management seiner firmeneigenen CO2-Werte „an der vordersten Front heimischer Unternehmen“, urteilt PROCESS (China). Schon seit 2013 hatten insgesamt 21 Tochterunternehmen Sinopecs an regionalen Pilotprojekten zum Emissionshandel in verschiedenen Provinzen Chinas teilgenommen.
Durch diese Teilnahme hätten die Sinopec-Töchter üben können, „Marktmechanismen zum Anzapfen großer Potenziale der Reduzierung von CO2-Emissionen zu nutzen,” zitierte PROCESS (China) einen Sinopec-Sprecher. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch Chinas Chemieindustrie mit dem Emissionshandel beginne, heißt es in dem Bericht.
Tonne CO2 für 6,70 Euro
Die nationale CO2-Emissionsbörse ETS, die von der „Shanghai Environment and Energy Exchange“ betrieben wird, hat trotz ihres vorsichtigen Starts bereits am ersten Tag die bisher größten Emissionsbörsen der Erde in der Europäischen Union und in den USA überrundet. Unternehmen mit zu hohen Emissionswerten können an all diesen Börsen Kredite erwerben, mit denen sie weiteres CO2 in die Erdatmosphäre entlassen dürfen, ohne mit finanziellen Strafen belegt zu werden.
Klima-Aktivsten, vor allem außerhalb Chinas, monierten, dass der Preis für CO2 in China derzeit noch zu gering sei. Am Ende des ersten Handelstages in Shanghai kostete eine Tonne Kohlendioxid 51,23 Yuan (rund 6,7 Euro). Zum Vergleich: An der nun kleineren Emissionsbörse der EU kostet eine Tonne im Durchschnitt rund 50 Euro.
Auch bei den Mechanismen des Handels ist Chinas Emissionsbörse momentan noch weniger streng als ihre ältere Schwesterbörse in Europa. So gibt es beispielsweise noch keine absoluten Obergrenzen für den CO2-Ausstoß von Stromerzeugern. China wolle seine Unternehmen schrittweise an den Emissionshandel heranführen, ihnen Zeit für eine solide Vorbereitung lassen, argumentierten Experten in chinesischen Medien. Später könnten dann die Zügel angezogen werden. „Die Marktpreise für CO2 werden sicherlich steigen,“ sagte ein Professor der angesehenen Qinghua-Universität in Peking gegenüber Reportern.
Stand: 08.12.2025
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Kleiner Schritt für China, großer Schritt fürs Weltklima?
Auch in China, da sind sich die Experten einig, werde der Emissionshandel den Druck auf die chemische Industrie erhöhen, energieeffizientere Prozesse einzuführen und große Summen in saubere Technologien zu investieren. Der Emissionshandel könne ein „wirksameres und flexibleres Werkzeug“ sein, um Unternehmen zur Reduzierung ihrer Treibhausgase anzuhalten, als klassische Top-Down-Maßnahmen“, sagte der chinesische Vize-Umweltminister Zhao Yingmin auf einer Pressekonferenz in Peking.
Es ist zu erwarten, dass die Kosten für CO2-Emissionen schon bald als wesentlicher Faktor in die Business-Pläne von Chemiekonzernen in China Einzug halten – auf einer Ebene mit klassischen Faktoren wie die Operations- und Personalkosten.
Der Kritik am vergleichsweise vorsichtigen Start des Emissionshandels in China muss fairerweise das Argument entgegen gehalten werden, dass sämtliche Fortschritte Chinas beim Klimaschutz, auch anfangs bescheidene, einen viel größeren Einfluss auf das Weltklima haben als sämtliche Anstrengungen in anderen Ländern. 2006 hat China die USA als weltweit größten Erzeuger von Treibhausgasen abgelöst. Im Jahr 2019 hatten Chinas Emissionen einen Anteil von 27 % an allen globalen Treibhausgasen – also mehr als die drei nachfolgenden Klimasünder USA, EU und Indien zusammen.
Chinas chemische Industrie hat von allen Industrien des Landes den größten Anteil an den Emissionen des Landes – 18 %. Davon wiederum entfallen rund 6 % auf „Prozess-Emissionen“ und rund 12 % auf „Engineering-Emissionen“, präzisiert die chinesische Chemiezeitung Zhongguo Huagong Bao.
Eine kräftige Reduzierung der Emissionen in der chemischen Industrie wird daher entscheidend dafür sein, ob China seine ehrgeizigen Klimaschutz-Ziele erreicht oder nicht. Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte vergangenes Jahr angekündigt, dass die Volksrepublik bis 2030 den Höhepunkt ihrer CO2-Emissionen erreichen und bis 2060 klimaneutral wirtschaften wolle.
„Obwohl der erste Batch von Emissions-Deals nur die Energie-Industrie betraf, wird erwartet, dass acht besonders energiehungrige Industrien wie die Petroleum- und Chemie-Industrie noch während des 14. Fünf-Jahresplanes schrittweise mit in diesen Markt aufgenommen werden,“ schreibt auch die chinesische Chemiezeitung. Besonders die Chemieparks des Landes hätten dabei eine besondere Verantwortung, kommentiert das Blatt.
Doch der Erfolg oder Misserfolg dieser Emissionsbörse wird Konsequenzen haben, die weit über die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Chemiekonzerne in China oder selbst die Klimaziele des chinesischen Präsidenten hinausgehen. „Wie gut dieser Handel funktioniert, wird ein gutes Stück weit darüber entscheiden, ob die Welt wirklich eine Chance zur Vermeidung der Worst-Case-Szenarien beim Klimawandel hat“, kommentierte das Wall Street Journal nach der Eröffnung der Emissionsbörse in Shanghai.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.