Chinas Interesse an Investitionen in Europa, auch in die chemische Industrie, ist ungebrochen stark. Er hoffe, dass Deutschland und die EU „offen bleiben gegenüber chinesischen Unternehmen“, sagte Chinas Präsident Xi Jinping vergangene Woche in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Antwort betonte Merkel erneut den Wunsch nach „Reziprozität“ – eine höfliche Floskel für die Forderung nach größerem Marktzugang für europäische Firmen in China.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Das Thema, wie die EU auf Chinas Investitionsstrategie im Ausland reagieren sollte, wie „offen“ man insbesondere gegenüber dem Liebeswerben chinesischer Staatsbetriebe sein sollte, mag von der Coronakrise vorübergehend in den Hintergrund gedrängt worden sein. Es bleibt jedoch eines der ganz wichtigen außen- und handelspolitischen Themen der Gegenwart, mit enormen Auswirkungen auf die Zukunft der Chemie- und Energiewirtschaft in Europa.
China ist weltweit führend bei Fusionen und Übernahmen in der chemischen Industrie, seit sein Transaktionsvolumen in dem Sektor im Jahr 2017 das der USA überholt hat. Ab 2010 sind Chinas Auslandsinvestitionen in der Chemieindustrie jährlich durchschnittlich um 80 % gewachsen.
In jüngster Zeit gibt es zwischen China und Europa mit Bezug auf direkte Auslandsinvestitionen („Foreign Direct Investment“ oder FDI) zwar eine vorübergehende Flaute – zumindest gemessen an Spitzenjahren wie 2016, als die Chemchina, die China National Chemical Corporation, die Übernahme des Schweizer Pestizidkonzerns Syngenta für 46,3 Milliarden Dollar ankündigte. Die Debatte um Huawei und der Handelskrieg zwischen Washington und Peking wirken sich ebenfalls bremsend aus.
Schon davor aber hatten Megadeals wie der von Chemchina mit Syngenta, die größte chinesische Akquisition im Ausland aller Zeiten, aber auch gezieltes chinesisches Einkaufen in Zukunftsindustrien wie bei der Übernahme der deutschen Robotikfirma Kuka oder der Übernahme des Hafens von Piräus bei Athen in Europa die Alarmglocken läuten lassen. Man ist nach einer langen Phase kompletter Blauäugigkeit gerade ein wenig vorsichtiger geworden und ringt nun – ganz gemütlich aber immerhin – um eine gemeinsame europäische Strategie in Sachen FDI aus China.
Jüngsten Statistiken zufolge sind Chinas Auslandsinvestitionen zwischen Januar und Oktober 2020 um 3,2 Prozent im Jahresvergleich gesunken. Sie betrugen aber immer noch 602 Milliarden Yuan (rund 76,5 Milliarden Euro). Und China geht dabei nach wie vor sehr strategisch vor, konzentriert sich auf bestimmte Länder und Industrien, wo es mit Hilfe von FDI – langfristig gedacht – die größten Verbesserungen seiner heimischen Wettbewerbsfähigkeit erzielen kann.
So verschiebt sich der Fokus der chinesischen Auslandsinvestitionen zunehmend auf die Bereiche neue Materialien und moderne Spezialchemie. Sobald die EU und China ihr bilaterales Investitionsabkommen abschließen, über das seit 2013 zäh verhandelt wird, könnte es in diesen Sektoren schon bald lebhafter werden, was Anfragen aus China betrifft.
Xi Jinping hat Merkel vergangene Woche gesagt, Peking wolle den Vertrag noch in diesem Jahr abschließen. Allerdings gibt es auf Seiten der EU offenbar noch immer große Vorbehalte gegen die Unterzeichnung des Abkommens, solange China nicht größere Zugeständnisse in puncto „Reziprozität“ macht – also mehr Handels- und Investitionsbarrieren abbaut.
Innerhalb der EU ist erst in jüngster Zeit eine ernsthafte Debatte in Angriff genommen worden, wie der staatlich gelenkten Investitionspolitik des kommunistischen Giganten China am besten zu begegnen sei. Der Europäische Rechnungshof hat dazu im September ein neues Positionspapier veröffentlicht, in dem er vor „Wettbewerbsverzerrungen“ durch chinesische Staatsbetriebe mit tiefen Taschen warnt und ein „konzertiertes Vorgehen“ aller europäischen Mitgliedsstaaten gegenüber China fordert.
Der neue Realismus in Brüssel, aber auch in Berlin und Paris, gegenüber chinesischen Shopping-Touren in strategischen Industrien hat bereits dazu geführt, dass sich die bilateralen Investitionsströme im Vergleich zu 2016 verändert haben. Im Jahr 2019 sind chinesische FDI in der EU-28 erneut insgesamt um 33 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken – von 18 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf zwölf Milliarden in 2019. Damit hat man wieder das Niveau von 2013 erreicht.
China hat auf den politischen Gegenwind in Europa und den USA, was seine Handels- und Investitionspolitik betrifft, mit der Setzung neuer Schwerpunkte reagiert. Zum einen sind FDI in die Zielländer der chinesischen „Belt and Road“-Initiative deutlich gestiegen, etwa nach Osteuropa. Auch haben einzelne Länder in Nordeuropa, die China weniger misstrauisch gegenüberstanden, noch mehr Besuch aus China bekommen. So erlebte etwa Irland vergangenes Jahr ein Anwachsen chinesischer Investitionen um 50 % im Vergleich zum Vorjahr.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiterer aktueller Trend: Nachdem in mehreren europäischen Ländern neue Regeln gegen chinesische Übernahmen erlassen worden sind, ist der Anteil der chinesischen Staatsbetriebe am FDI gefallen. Er macht nun nur noch 11 % aller chinesischer FDI in der EU aus, wie das Mercator-Institut in Berlin mit Blick auf die Zahlen von 2019 errechnet hat. Allerdings warnen Chinakenner, dass die Grenze zwischen Staatsbetrieben und „Privatunternehmen“ in der Volksrepublik China äußerst fließend sei. Es gibt dort im Grunde kein Unternehmen ab einer gewissen Größe, in dem der lange Arm der kommunistischen Partei nicht zu spüren ist.
In ihrem Telefonat mit Xi Jinping hat Angela Merkel letzte Woche auch ganz höflich erwähnt, wie sehr die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr von der schnellen Erholung Chinas von der Coronakrise profitiert hat, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Wenn überhaupt, so ist die Abhängigkeit Deutschlands und Europas vom chinesischen Markt in diesem Jahr noch einmal stark gestiegen. Das dürfte die Anstrengungen der EU um eine gemeinsame Linie gegenüber Chinas strategischen Einkäufen ab jetzt nicht gerade leichter machen.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.