Stabiles Europa-Geschäft Elektro- und Digitalindustrie erwartet 2026 wieder Wachstum

Quelle: ZVEI e. V. 3 min Lesedauer

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Nach drei Jahren Stagnation rechnet der Zvei für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 2026 wieder mit Wachstum. Steigende Exporte innerhalb Europas, positive Umsatzzahlen und ein erwartetes Produktionsplus von zwei Prozent sollen die Branche stabil zurück auf Kurs bringen.

Der ZVEI erwartet für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 2026 nach drei Jahren Stagnation wieder Wachstum.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Der ZVEI erwartet für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 2026 nach drei Jahren Stagnation wieder Wachstum.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

„Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen“, sagte Präsident Dr. Gunther Kegel im Rahmen der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Zvei. „Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent.“ Für 2025 schlägt hier noch ein leichtes Minus von 0,5 % zu Buche (Januar – November). Befürchtet wurde hier ursprünglich ein Rückgang von sogar zwei Prozent.

Die nominalen Erlöse mit Gütern und Dienstleistungen drehten 2025 ins Positive. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr lagen sie voraussichtlich bei 226 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 2,7 % gegenüber Vorjahr (220 Milliarden Euro). Relativ stabil zeigte sich die Beschäftigung: Ende November waren gut 877.000 Menschen in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie tätig – ein Rückgang um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr. Hoffnung machen die Auftragseingänge, die im vergangenen Jahr um insgesamt fünf Prozent zulegen konnten.

Mit einem Plus von 4,6 % auf 236,2 Milliarden Euro (Januar – November) entwickelten sich auch die deutschen Elektroexporte (einschließlich der Re-Exporte) erfreulich. Entscheidend dafür waren die Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt und ins Vereinigte Königreich. Sie bügelten die Rückgänge in den USA und China aus.

Die schwierige geopolitische Lage mache es notwendig, den europäischen Binnenmarkt auszubauen, betonte Dr. Kegel. Drei Handlungsstränge sieht der Zvei: Öffentliche Fördermittel sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo sie hiesige Wertschöpfung schaffen und die Resilienz stärken. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf Schlüsseltechnologien wie etwa Mikroelektronik und Batterien liegen. Zweitens sollte die Wirtschaftssicherheit durch einen „Made with Europe“-Ansatz vertieft werden, der verlässliche Handelspartnerschaften mit Zugang zum Binnenmarkt belohnt. Und schließlich sollten insbesondere bei sicherheitsrelevanten Sektoren und kritischer Infrastruktur lokale Kapazitäten vorgehalten werden. Für alle drei Punkte gilt, dass es sich um Ausnahmeinstrumente handelt, die regelmäßig überprüft werden müssen.

Mit 78 % liegt die Kapazitätsauslastung in der Branche heute zwar wieder um vier Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Aber bis zum Wiedererreichen des langfristigen Mittels von 83 % ist es noch ein gutes Stück.

Der Zvei-Präsident sieht die Politik in der Pflicht: „Um neue wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, braucht es mutige Reformen, nicht nur Ankündigungen. Bürokratische Ungetüme in Europa und Deutschland belasten die Unternehmen weiterhin und stehen europäischer Wertschöpfung und Innovationen entgegen.“ Der Zvei fordert die Bundesregierung auf, bei den Sozialreformen endlich voranzukommen. So sollte die Regelarbeitsgrenze an die Lebenserwartung angepasst und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit statt einer täglichen eingeführt werden. Dr. Kegel: „Gesellschaftlicher Wohlstand muss erst erarbeitet werden, bevor er verteilt werden kann. Ohne Anstrengungen wird dies nicht möglich sein.“

Der Zvei sieht in neuen Technologien und insbesondere beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) große Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Unsere Unternehmen haben bei industriellen KI-Anwendungen eine starke Ausgangsposition“, betont Wolfgang Weber, Vorsitzender der Zvei-Geschäftsführung. Hier gehe es eben nicht um die meist von amerikanischen und chinesischen Unternehmen entwickelten großen Sprachmodelle (LLM), sondern um industrielle Rechen- und Optimierungsmodelle, für die zum Trainieren präzise industrielle Daten herangezogen werden können. Deutschland habe aufgrund seiner traditionellen industriellen Basis mehr von diesen Industriedaten als die meisten anderen Länder. Die Chancen seien enorm: Laut einer Studie von IW Consult könnte Deutschland im Wachstumsfeld KI bis 2035 eine Wertschöpfung von 144 Milliarden Euro generieren.

Aber: Damit dieser nächste industrielle Entwicklungsschritt auch in Deutschland und Europa erfolgen könne, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen in der EU passen. Weber: „Industrielle KI im AI Act zu regulieren, ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn. Wir bremsen uns selbst aus. Das darf nicht sein. Der Zvei fordert, dass industrielle Anwendungen aus dem AI Act herausgenommen werden.“

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