Länderreport Ägypten

Chemische Industrie steht im Fokus der ägyptischen Industriepolitik

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Produktion/Branchenstruktur

Ägyptens Chemie- und Petrochemiesektor vereint mit einem Volumen von etwa 14 MilliardenDollar rund 12 Prozent der gesamten Industrieproduktion auf sich (gut 7 Prozent des BIP). Für die kommenden Jahren erwarten Branchenkenner etwa 5 Prozent Wachstum per annum. Bei der Industrial Development Authority (IDA) sind unter der Kategorie „Basischemikalien und deren Produkte“ rund 3.500 Produktionsstätten mit etwa 206.000 Beschäftigten registriert. Ihre Investitionen belaufen sich auf knapp 52 Milliarden ägypt£, (etwa 9,3 MilliardenDollar), der Produktionswert liegt bei knapp 67 Milliarden ägypt£. Weitere 892 Werke mit 12.000 Beschäftigten und Investitionen um 5 Milliarden ägypt£ halten eine Betriebslizenz ohne IDA-Registrierung. Die Branche gilt angesichts ihrer 60-jährigen Geschichte als recht gut entwickelt und erfolgreich.

Zu den natürlichen Vorteilen gehören der relativ starke Kohlenwasserstoffsektor (Öl und Gas) sowie die reichliche Verfügbarkeit weiterer grundlegender Rohstoffe wie Phosphat, Kaolin, Calciumsulfat, Ilmenit etc. Ägypten verfolgt einen dreiphasigen 20-Jahresplan (2002 bis 2022), laut dem etwa 20 MilliardenDollar zur Entwicklung der petrochemischen Industrie investiert werden sollen. Vom Ausbau der Basisindustrie sind erhebliche Entwicklungseinflüsse auf nachgelagerte Industrien zu erwarten (Kunststoff, Fasern, etc.). Petrochemische Erzeugnisse, Düngemittel und sonstige chemische Produkte gehören im Land zu den wachstumsträchtigen Teilbereichen. Um das Ausfuhrpotenzial nach Europa zu sichern, bemüht sich die Branche verstärkt darum, die EU-REACH-Regelungen zu erfüllen. Nachdem das Privatisierungsprogramm der Regierung zuletzt etwas ins Stocken geraten ist, soll es nun wiederbelebt werden. Im Herbst 2009 wurde angekündigt, Minderheitsanteile von 10 bis 20 Prozent zu veräußern. Den Anfang macht die noch zum Teil in staatlichen Händen befindliche chemische Industrie mit der Chemical Industries Holding Company.

Das Land am Nil konsumiert über 12 Millionen tpa Stickstoff- und Phosphatdünger. Angesichts der Produktionsmöglichkeiten ist der Selbstversorgungsgrad hoch. Beide Typen werden im Inland produziert. Die Kapazitäten zur Harnstofferzeugung wurden die letzten Jahre via Direktinvestitionen deutlich ausgebaut. Düngemittel bilden zusehends ein wichtiges Exportstandbein. Zu den bedeutenden Unternehmen zählen MISR Oil Processing Company (MOPCO), Abu Qir Fertilizers and Chemical Industries Co. und Egyptian Fertilizers Co. (EFC), das 2008 vom Bauriesen Orascom Construction Industries (OCI) aufgekauft wurde.

Bei Pharmazeutika ist die Inlandsbranche auf Generika ausgerichtet. Sie deckt 93 Prozent des volumenmäßigen Bedarfs, aber nur 56 Prozent in wertmäßiger Betrachtung. Das Marktvolumen liegt bei gut 2,3 Milliarden Dollar. Für die beiden staatlichen Unternehmen Drug Holding Co. Holdipharma und Vacsera steht derzeit eine Privatisierung nicht an. Neben einer Reihe weiterer privater Hersteller sind auch acht internationale PIMCs (Pharmaceutical Innovator & Manufacturing Companies) aktiv.

Außenhandel

Die ägyptischen Einfuhren chemischer Erzeugnisse haben sich in den letzten fünf Jahren deutlich positiv entwickelt. Allein 2008 verdoppelten sich die Auslandsbezüge. Dieser Verlauf war jedoch untypisch. Angesichts der globalen Krise mit ihren allerdings begrenzten Auswirkungen auf das Land am Nil erwarten Fachleute zukünftig gehobene Wachstumsraten des Sektors im einstelligen Bereich. Unter den Importen stellen Erzeugnisse der organischen Chemie, Kunststoffe in Primärformen sowie Pharmazeutika die bedeutendsten Segmente.

Geschäftspraxis

Der ägyptische Markt für chemische Erzeugnisse weist einige Besonderheiten auf. Bei einer Reihe von Produktgruppen werden Marktzugang und weitere Parameter bis hin zum Preis staatlich geregelt. Dies gilt zum Beispiel für Stickstoffdünger. Pharmazeutika unterliegen einem recht rigiden System der Preisgestaltung. Auch OTC-Arzneimittel (Over-the-Counter) sind von einer strikten Kontrolle von Preis und Vertriebswegen durch das MoH betroffen.

* Quelle: Germany Trade and Invest

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