Azidoacetylen Chemiker der TU Chemnitz stellen erstmals Azidoacetylen her

Autor / Redakteur: Benedikt Stahl / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Eine kurzlebige und hochexplosive Verbindung ist im Labor der Professur Organische Chemie der Technischen Universität Chemnitz aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden: das Azidoacetylen. 102 Jahre lang haben Wissenschaftler auf der ganzen Welt sich bemüht, diese Zwischenverbindung herzustellen.

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Prof. Dr. Klaus Banert (hinten) und Diplomant Rene Arnold von der Professur Organische Chemie der TU Chemnitz haben erstmals Azidoacetylen hergestellt.
Prof. Dr. Klaus Banert (hinten) und Diplomant Rene Arnold von der Professur Organische Chemie der TU Chemnitz haben erstmals Azidoacetylen hergestellt.
(Bild: TU Chemnitz/Christian Schenk)

Chemnitz – Die erstmalige Herstellung von Azidoacetylen ist nun einer Forschergruppe in Chemnitz gelungen. Prof. Dr. Klaus Banert, Professor für Organische Chemie beschäftigt sich seit 30 Jahren mit organischen Aziden. Diese treten in der Natur nicht auf, spielen aber als Zwischenprodukte in chemischen Reaktionen eine große Rolle – so auch das Azidoacetylen.

Um dessen Dornröschenschlaf zu beenden, brauchte es zum einen die passende Temperatur bei der Herstellung und zum anderen die richtige Methode zur Untersuchung. Bei minus 40 °C haben die Chemnitzer Chemiker mit spektroskopischen Methoden gearbeitet um ein charakteristisches Bild der Struktur und der Eigenschaften des Azidoacetylens zu gewinnen.

Die Arbeitsgruppe in Chemnitz um Prof. Banert hat in erster Linie die Isolierung und die experimentelle Untersuchung des Azidoacetylens vorangetrieben. Parallel dazu befasste sich Prof. Dr. Alexander Auer, Professor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Mülheim, mit theoretischen Rechnungen zu diesem Molekül und seiner Chemie. Der gemeinsame Durchbruch wurde in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ veröffentlicht.

Neue Synthesemöglichkeiten

"Das Azidoacetylen weist eine ungewöhnliche Struktur auf und geht deshalb auch neuartige chemische Folgereaktionen ein", erklärt der Chemnitzer Wissenschaftler die Bedeutung der Verbindung. Da es sich jedoch um anwendungsorientierte Grundlagenforschung handelt, führen die Resultate nicht direkt zu neuen Wirkstoffen oder Materialien. "Unsere Ergebnisse ermöglichen aber bisher unbekannte Synthesemethoden und geben deshalb Chemikern in der Wirkstoff- oder Materialforschung ganz neue Werkzeuge an die Hand", so Prof. Banert.

Die TU-Chemiker beschäftigen sich auch in Zukunft mit dem Azidoacetylen. Dabei werden sie mit Wissenschaftlern der Universitäten Wuppertal und Stuttgart zusammenarbeiten. In Wuppertal wird die Verbindung bei minus 263 Grad Celsius in eine Edelgasmatrix eingelagert. In diesem Zustand ist sie längerlebig und kann durch Bestrahlung genauer untersucht werden. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Chemiker Prof. Dr. Guntram Rauhut sollen zudem weitere quantenmechanische Berechnungen durchgeführt werden. Die Forschung an der Professur Organische Chemie der TU Chemnitz wird seit 2008 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

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