Ifat 2016

Chemie- und Pharmaindustrie setzen Fokus auf wirtschaftliches Wasser- und Abwassermanagement

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Altlasten und Legionellen

Altlasten sind für ältere Chemiestandorte vielfach ein leider ebenfalls „nachhaltiges“ Problem – Beispiel Leuna. Nachdem der Standortbetreiber Infraleuna 2007 bereits eine Forschungs- und Pilotanlage in Betrieb genommen hatte, arbeitet dort seit Juni 2014 eine großtechnische Anlage zum mikrobiologischen Abbau von Methyltertiärbutylether (MTBE). Die Reinigungsleistung: 600 m3 Wasser pro Tag.

Auch wenn wie beschrieben ein Großteil des Wassers der Chemie nur als Kühlwasser dient, besteht vielfach Handlungsbedarf: Denn in Kühltürmen und Kühlwassersystemen können Legionellen auftreten, die speziell bei offenen Kühlwasserkreisläufen auch in die Umgebung gelangen können. Aufgrund der immer häufigeren Funde dieser speziell für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlichen Bakterien sah sich der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) dazu veranlasst, im Januar 2015 eine neue Richtlinie mit dem Titel „Rückkühlwerke – Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanlagen“ zu formulieren.

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Eines der richtlinienkonformen Aufbereitungsverfahren ist die Umkehrosmose. Die von vielen Unternehmen in diversen Spielarten und Kombinationen angebotene Technologie entfernt nicht nur mikrobiologische Belastungen aus dem Wasser, sondern schützt die Anlagen gleichzeitig vor Korrosion und Ablagerungen.

Nachhaltige Pharmazie

Zeitungen und Magazine thematisieren häufig Big Pharma – dabei sind die meisten pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland eher mittelständisch bis klein: Rund 93 % der Arzneimittel herstellenden Unternehmen in Deutschland beschäftigen weniger als 500 Mitarbeiter. Die Hälfte davon agiert mit weniger als 20 Beschäftigten. Das bedeutet: Eine große Zahl von Pharmaunternehmen ist speziell bei Fragen des Umweltschutzes auf die Expertise von Dienstleistern und Umwelttechnik-Anbietern angewiesen.

Dabei gilt es, beispielsweise hinsichtlich der Ausschöpfung von Ressourceneffizienz-Potenzialen spezifische Randbedingungen zu beachten. Denn die pharmazeutische Industrie unterliegt einer strengen Regulierung: Einmal genehmigte Prozessabläufe können nur mit hohem administrativem Aufwand geändert werden. Diese Hürden reduzieren das realisierbare Effizienzpotenzial aus Kosten- und Zeitgründen.

Vor diesem Hintergrund startete die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Jahr 2012 die Förderinitiative „Nachhaltige Pharmazie“. Sie greift vorsorgende Ansätze auf, die die Umweltauswirkung bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Arzneimittelformulierungen stärker berücksichtigen. Neben Maßnahmen, die den Eintrag von Arzneimittelreststoffen in die Umwelt vermeiden, zielt die DBU dabei auch auf den schonenden Umgang mit Ressourcen und eine effiziente Herstellung ab, um den Verbrauch an Rohstoffen, Lösungsmitteln und Energie sowie das Abfallaufkommen zu reduzieren.

Die Nutzung von Abwasserwärme hat der Industriepark-Betreiber Pharmaserv im Januar 2015 am Standort der Behringwerke in Marburg realisiert. Dort wird das Abwasser aus einem Neutralisationsbecken entnommen und in einen neuartigen Wärmeübertrager eingeleitet. Der physikalische Prozess innerhalb der Wärmepumpe erhöht das Temperaturniveau auf etwa 60 °C – Energie, die anschließend beispielsweise zur Gebäudeheizung zur Verfügung steht. Nach Abschluss der Testphase steht fest, dass auf diesem Weg mehr als 6 MWh Wärme pro Jahr bereitgestellt werden können. Die endgültige Umsetzung des Projektes ist für 2016/2017 geplant.

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