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The Future Code

Chefsache Digitalisierung: Der Change und seine Väter

| Redakteur: Dominik Stephan

Das bisschen Digitalisierung kann so schwer nicht sein – oder doch? Warum Change in der Prozessindustrie groß gedacht werden muss…

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„Wir müssen die Digitalisierung nutzen, um Mehrwerte zu erzielen“, erklärt Dr. Thomas Paulus, der bei KSB die Digitalen Transformationsprozesse
„Wir müssen die Digitalisierung nutzen, um Mehrwerte zu erzielen“, erklärt Dr. Thomas Paulus, der bei KSB die Digitalen Transformationsprozesse
(Bild: PROCESS)

Predictive Maintenance, IIoT-Plattformen und die vollvernetzte Modul-Produktion: Denken wir die Digitalisierung zu sehr von der Technologie her? Entsprechen die Industrie-4.0-Visionen überhaupt den Anforderungen der Kunden oder schaffen die Möglichkeiten der Plattformökonomie nicht längst Tatsachen, wo Chemiefirmen und ihre Zulieferbetriebe sich in Details verlieren?

Zeit für eine Kampfansage: „Man muss jetzt handeln, damit Google uns nicht verdrängen kann“, erklärt Ralf Schubert, Geschäftsführer beim Verpackungsmaschinenspezialist Gerhard Schubert anlässlich einer Masterclass-Podiumsdiskussion mit PROCESS auf dem ersten The-Future-Code-Event der Vogel Communications Group. Handeln, Fehler machen, lernen hat sich der Manager auf die Agenda geschrieben. Keine völlig neue Erkenntnis, gehört doch ein Lob auf die Fehlerkultur mittlerweile zum Standardrepertoire der Change-Apologeten. Damit man sich nicht falsch versteht: Mit Fehler sind hier natürlich Management-Entscheidungen gemeint. Die Technologie muss funktionieren – oder?

Tatsächlich nutzen bereits 29 % der Unternehmen in ihrem Fertigungsprozess in großem Umfang Cloud-Technologien, gefolgt von Robotik (28 %), Künstlicher Intelligenz (27 %) und mobilen Endgeräten oder Wearables (27 %), wie eine Accenture Studie zeigt. In Zukunft sollen Big Data und Analytik-Lösungen das Digital-Portfolio ergänzen: 43 % der Chemieunternehmen arbeiten an Pilotprojekten, jedes vierte Unternehmen wendet derartige Entwicklungen bereits an. Entsprechend stehen die Technologien im Mittelpunkt des F&E-Interesses, was sich auch in entsprechenden Budgets niederschlägt.

Etwa jedes dritte Unternehmen (45 %) will bis zu 40 % seines Digitalbudgets für Investitionen in Big-Data-Applikationen nutzen, dicht gefolgt von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Hier planen 38 % der Chemiefirmen Investitionen im Umfang bis zu 40 % des Digitalbudgets ein.

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Technologie darf kein Selbstzweck bleiben

Technologie steht im auch weiterhin Mittelpunkt, dürfe aber nicht zum Selbstzweck werden, so Dr. Thomas Paulus, der bei KSB die digitalen Transformationsprozesse betreut. Dabei seien die Ziele der Unternehmen unverändert, die Möglichkeiten jedoch ganz neu: „Wir müssen die Digitalisierung nutzen, um Mehrwerte zu erzielen“, erklärt der Change-Spezialist. Tatsächlich bleibt es bei KSB nicht bei Worten: Mit Lösungen wie KSB Guard, My Flow oder Smarter Analyse und Betriebstechnologien wollen die Pumpenhersteller Fluidprozesse ins Industrie-4.0-Zeitalter holen – immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Anwender.

Dabei kann die Digitalisierung nicht im Alleingang gelingen, wie Paulus auf dem Podium betont: Die Chemie müsse lernen, dass Kooperation der Schlüssel zum Erfolg sei – innerhalb der Branche, aber auch darüber hinaus. Noch tun sich damit allerdings auch die Vorreiter des Wandels schwer: Jede Firma hofft, durch frühzeitiges Ausrollen ihrer Lösungen eine hohe Marktdurchdringung und Technologieführerschaft zu erreichen und so faktisch Standards zu setzen. Aber ist dieses Inseldenken in Zeiten fortschreitender Vernetzung noch zeitgemäß?

Der Einfluss der Anwender

Natürlich seien auch Kunden gefragt, wenn es darum gehe, Standardisierung und Homologisierung zu fördern, erklärt Dr. Christian Hanisch, Director Project Industry 4.0 bei Robert Bosch Packaging Technologys Pharma-Einheit. Immerhin beeinflusst die zunehmende Digitalisierung auch die Hersteller pharmazeutischer Produkte, von der Erforschung neuer Wirkstoffe und Therapien über die Herstellung und Verpackung bis hin zur Verteilung. Die neuen Technologien ermöglichen es den Pharmafirmen, durchgängig verknüpfte und nachvollziehbare digitale Datenströme über Produkt-, Lieferanten-, Fertigungs-, Kunden- und Servicedaten – einen sogenannten Digital Thread (digitalen Faden) – zu implementieren. Entsprechend werde von Zulieferern wie Bosch die Fähigkeit zur Digitalisierung zunehmend gefordert – die Zeit des Abwartens sei definitiv vorbei: „Man findet gerne Ausreden“, so Hanisch in der Diskussionsrunde mit PROCESS. „Denen muss man sich stellen.“

Erfolg 4.0: So geht Change-Management

Dazu gehört für den Industry-4.0-Experten auch die Idee, dass Changeprozesse einfach befohlen werden könnten: Zwar sei die Digitalisierung „Chefsache“ (Schubert), doch sei es die Mischung aus Treiben von oben und befähigen von unten, die in der Praxis zum Erfolg führe. Weg vom Top-Down-Management, hin zur Kooperation.

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„Die größte Herausforderung ist der nötige Kulturwandel“ ist sich auch KSB-Mann Paulus sicher. Dabei erfordere das agile Handeln das Erproben neuer Technologien und Lösungsansätze sowie Mut zur Lücke. Letzterer falle aber gerade technologieverliebten Ingenieuren nicht immer leicht, erzählt der Pumpen-Digitalisierer. Technologie sei auch in Zukunft wichtig und nötig – aber eben nur ein Baustein der Industrie von morgen.

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