Pharmaanlagenbau

Blutplasmaanlage bei Biotest – Musterbeispiel für ein Fast-Track-Projekt

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Viele Einzelkomponenten – komplexe Qualifizierung

Eine große Herausforderung war die schiere Größe des Projekts. Mit rund 3500 Komponenten, darunter 2300 automatisierte Ventile, dazu 1800 Mess-, Steuer- und Regelungs-Komponenten, 100 Pumpen und Rührwerke sowie über 40 Tanks erforderte das Projekt ein großes Team – in Spitzenzeiten waren 35 Techniker und Ingenieure von Ruland bei Biotest im Einsatz. Für die durchgängige Automation der vier eigenständigen Teilanlagen wurden über 30 Last- und Serverschränke installiert, außerdem mehr als 90 dezentrale Schaltschränke für die Anbindung der Ventilinseln und Feldsignale an die acht Siemens-Steuerungen.

Beeindruckend auch die von Ruland durchgeführte Verrohrung: Aus verschiedenen Edelstählen in Pharma-Ausführung, teilweise aus hochkorrosionsbeständigem Hastelloy 22 oder Kunststoffleitungen in PVDF, wurden fast neun Kilometer prozessführende Rohrleitungen und Medienversorgungsleitungen verlegt. Die 39 000 Schweißnähte wurden pharmagerecht dokumentiert.

Die von Ruland erstellten Teilanlagen erstrecken sich über vier Stockwerke. Insgesamt wurden 24 Reinräume, Technikräume und elektrische Betriebsräume mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet. Um einer modernen Arbeitsergonomie sowie strengsten Kriterien der Arbeitssicherheit gerecht zu werden, wurden dazu zehn Pharma-Edelstahlbühnen und zwölf Technik-Bedienbühnen geplant und geliefert.

SAP-Anbindung, IT-Sicherheit und maximale Verfügbarkeit

Hoch komplex sind auch die Steuerung und die SAP-Anbindung. Von zwei zentralen Leitwarten aus können sämtliche Prozesse zentral beobachtet und gesteuert werden. Für die Vor-Ort-Bedienung stehen in den Produktions- und Technikräumen 26 Panel-PCs zur Verfügung, die auf 16 Server zugreifen. Für die Sicherheit sorgen personalisierte RFID-Chips: Jeder Benutzer muss sich authentifizieren, damit unerlaubte Zugriffe praktisch ausgeschlossen werden können.

Im Zuge des Investitionsprogramms hat Biotest SAP als zentrale Plattform für die Produktion eingeführt. Das Prozessleitsystem der Teilanlagen wurde zur übergeordneten Prozesskontrolle und Datenaufzeichnung über eine standardisierte Schnittstelle mit SAP gekoppelt. Sämtliche Vorgänge, die im Zuge der Produktion ausgeführt werden können, sind dabei in SAP vorgegeben und werden über Handhelds zunächst geprüft und dann freigegeben. Über einen bidirektionalen Datenaustausch werden zum einen Prozessdaten ausgewertet und archiviert, zum anderen können Informationen direkt in den Herstellprozess einfließen.

Erfasst und überwacht werden unter anderem die Prozessaufträge, Batchprotokolle und Materialflüsse. Das System gibt aber auch Wartungs- und Kalibrierungsintervalle vor und überprüft und verwaltet die Berechtigungen der Mitarbeiter.

Damit die Serversysteme maximal verfügbar sind, war eine redundante Serverarchitektur unbedingt erforderlich. Hier setzte Ruland Stratus-Server mit systemintegrierter Redundanz ein.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit

„In einem so komplexen Projekt ist es unabdingbar, dass sämtliche Beteiligten eng zusammenarbeiten. Insbesondere wenn mehrere Lieferanten Teilprojekte in einem so großen Umfang umsetzen, ist eine gute Kommunikation sowie die Weitergabe von Informationen das A und O“, so Michael Rodemer, Director Technical Project Management, Biotest. „Von zuvor realisierten Projekten wussten wir, dass die Ingenieure von Ruland nicht nur ausgezeichnete Arbeit abliefern, sondern auch äußerst lösungsorientiert mit anderen Unternehmen Hand in Hand arbeiten.“

Tatsächlich hatte Ruland Engineering & Consulting im Rahmen des Projekts etliche technische Konzepte und Detaillösungen erarbeitet, die dann von anderen Lieferanten als Umsetzungsvorlage für weitere Teilbereiche genutzt wurden, so z.B. das innovative Reinigungskonzept – welches bei der Produktion pharmazeutischer Blutplasma-Produkte natürlich eine ganz herausragende Rolle für die Produktqualität- und Sicherheit spielt.

Ruland Engineering & Consulting ist seit seiner Gründung Partner bei Biotest und hat bereits im Jahr 2000 Produktionsanlagen im Reinraum mit dem zugehörigen CIP-Equipment realisiert – eine Zusammenarbeit, die also bereits Tradition hat.

* * Der Autor ist Abteilungsleiter Elektrotechnik bei Ruland Engineering & Consulting, Neustadt an der Weinstraße. Kontakt: Tel. +49-6327-382-400

(ID:45482866)