Wenn Oberflächen stark beansprucht werden, erhält die Pulverbeschichtung oft den Vorzug gegenüber der Nasslackierung. In diesen Fällen sind auch Staub-Ex-Sauger gefragt. Ihr Einsatzbereich reicht von der Bodenreinigung über das Entleeren der Sammelbehälter von Beschichtungsanlagen bis zur Reinigung lackierter Komponenten.
Bei Amazone werden Bohrungen vor dem Pulverbeschichten nicht mehr maskiert, sondern nach der Lackierung von überschüssigem Pulver befreit.
(Bild: Ruwac)
Steinschlag, korrosive Düngemittel, Feuchtigkeit und Reinigung mit dem Hochdruck-Wasserstrahl: Landmaschinen werden im Einsatz nicht gerade sanft behandelt. Entsprechend hohe Anforderungen werden an die verwendeten Komponenten und Oberflächen dieser Bauteile gestellt. Farbige Gehäuse- oder Rahmenelemente werden daher zumeist nicht nass lackiert, sondern pulverbeschichtet.
Aus diesem Grund gehören Pulver-Beschichtungsanlagen zur Grundausstattung von Landmaschinenherstellern, die mit hoher Fertigungstiefe arbeiten. Immer wieder stehen die Unternehmen daher vor der Frage, wie sie das Pulver z.B. aus den Sammelbehältern einer Anlage entfernen. Hier kommt die Saugtechnik ins Spiel, wie zwei aktuelle Anwendungsbeispiele von Ruwac-Saugern zeigen.
Die Hausfarbe „Saatengrün“ ist bei Insidern weltweit bekannt für Claas-Landmaschinen und wird im Stammwerk Harsewinkel sowie in den anderen internationalen Produktionsstätten in großen Mengen verbraucht. Zumeist wird sie – so auch in der Mähdrescherproduktion im Stammwerk Harsewinkel – als Pulverlack aufgetragen.
Zum Prozess der Pulverbeschichtung gehört es, dass sich Pulverreste in den Auffangwannen der Beschichtungsanlagen sammeln. Zudem können immer wieder Pulvermaterialien in die Umgebung, sprich auf den Boden, gelangen. Die Verantwortlichen im Oberflächenzentrum der Produktion in Harsewinkel suchten daher nach einer Lösung, um diese Reste effizient und möglichst vollständig aufzunehmen. Sie führten deshalb Gespräche mit mehreren Anlagenherstellern.
Big Bag mit 400 kg Kapazität als „Staubsaugerbeutel“
Letztlich konnte die von Ruwac vorgeschlagene Lösung am meisten überzeugen und wurde daher in die Praxis umgesetzt. Ruwac baute speziell für diesen Anwendungsfall und nach den Anforderungen von Claas einen Sauger, der auf dem Standardmodell DS 1220 basiert. Dieser unterscheidet sich von der Standardlösung u.a. durch das Fahrgestell und die sehr große Aufnahmekapazität des Sammelbehälters.
Steigende Nachfrage nach Flexibilität und kontinuierlicher Betreuung
Nachgefragt
Das Angebot an Industriesaugern ist fast so breit wie es verschiedene Partikel gibt. Sebastian Jendrny, Leiter Vertrieb bei Ruwac gibt Antworten darauf, wie man die richtige Auswahl trifft.
Herr Jendrny, wo liegen derzeit die größten Herausforderungen beim Thema Absaugtechnik?
Jendrny: Ganz klar in der Individualität der Anforderungen und in der Geschwindigkeit, in der sich heutzutage die Prozesse verändern. Was bei dem einen Anwender gut funktioniert, ist nicht unbedingt auf den nächsten Anwender übertragbar. Wo gestern gute Ergebnisse erzielt werden, muss morgen eine neue Lösung geschaffen werden, da sich das Material oder die Menge verändert hat. Hier ist Flexibilität gefragt – beim Saugerhersteller, beim Anwender, aber auch bei den Anlagen selbst. Deshalb sind unsere Geräte modular aufgebaut.
Was sind die typischen Fehler, die bei der Auswahl eines Saugsystems gemacht werden? Wie vermeidet man sie?
Jendrny: Die Komplexität des Vorgangs, das wirklich optimale Saugsystem zu finden, wird häufig unterschätzt. Um welches Sauggut geht es? Welche physikalischen Eigenschaften hat es? In welchem Umfeld steht der Sauger? Aus welchem Umfeld wird gesaugt? Dies sind nur einige der Fragen, die bei der Entscheidungsfindung beantwortet werden müssen. Der beste Weg, hier Fehler zu vermeiden, ist die Beratung durch kompetente Experten.
Welche Trends sehen Sie beim Thema Absaugung?
Jendrny: Der beschriebene Wunsch nach Flexibilität und kontinuierlicher Betreuung nimmt weiter zu. Es reicht nicht mehr, einfach einen Industriesauger zu verkaufen oder eine Absauganlage zu installieren und die Anwender damit allein zu lassen. Den Kunden ist es wichtig, sich gut und regelmäßig betreut zu wissen. Das fängt bei der persönlichen Verkaufsberatung an und geht über die anwenderbezogene Einweisung bis hin zur professionellen, regelmäßigen Serviceunterstützung.
Der Filterturm des Saugers befindet sich in etwa 1,50 Höhe auf einem Fahrgestell, das zwischen Sauger und Rädern Platz für einen Big Bag bietet. In diesem Big Bag – der bei Claas ursprünglich als Transportbehälter für das Neupulver dient und hier sinnvoll zweitverwertet wird – können bis zu 400 kg Restpulver gesammelt werden. Das Antriebsaggregat befindet sich ebenfalls auf dem Fahrgestell.
Große Reichweite bei hoher Flexibilität
Lange Saugschläuche gewährleisten eine große Reichweite, ohne dass der Sauger bewegt werden muss. Dennoch ist die gesamte Anlage dank groß dimensionierter Rollen sehr einfach transportabel. Ulrich Bischof, Meister im Oberflächenzentrum von Claas nennt die wesentlichen Aspekte: „Die Beweglichkeit und die Flexibilität des Gerätes sind uns sehr wichtig.“
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Die Flexibilität gilt in diesem Falle nicht nur für den Einsatz des Saugers, sondern auch für die Zusammenarbeit zwischen Claas und Ruwac. Denn zu den Anforderungen, die Claas in diesem Projekte stellte, gehörten z.B. Beschränkungen bei den Abmessungen des „Großsaugers“. Die gesamte Saugereinheit durfte eine bestimmte Höhe nicht überschreiten, damit sie durch die teilweise niedrigen Durchfahrtshöhen im Oberflächenzentrum manövriert werden konnte. Die Big Bags ruhen jeweils auf Paletten im Fahrgestell und lassen sich somit ganz leicht per Hubwagen austauschen. Die Transportluft strömt bei diesem Spezialsauger zunächst in ein Vorabscheidersilo und führt die Partikel in den mit einer Fläche von 2,6 m2 groß dimensionierten Taschenfilter. Weil die Lackpulver explosionsfähig sind, ist die Anlage in Staub-Ex-Zone 22 ausgeführt.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Mit dieser Lösung werden die Lackreste aus den Sammelbehältern der Beschichtungsanlagen und vom Boden effizient und sicher aufgesaugt. Gleichzeitig hat sich die Ruwac-Saugerflotte bei Claas um eine Sonderanfertigung vergrößert.
Intelligente Alternative: Saugen statt maskieren
Genau wie Claas gehören die Amazone-Werke zu den Weltmarktführern in ihrem Segment der Landmaschinentechnik. In den neun Werken des bereits 1883 gegründeten Familienunternehmens werden u.a. Feldspritzen, Düngestreuer, Sämaschinen, Geräte für die Bodenbearbeitung und Kommunalfahrzeuge gefertigt.
Das neue Werk in Hude-Altmoorhausen bei Oldenburg konzentriert sich auf die Produktion von Großflächensätechnik, und auch hier gehört eine großzügige Pulverbeschichtungsanlage zu den Stationen im Fertigungsdurchlauf.
Bei dieser Art der Oberflächenbeschichtung stellt sich immer die Frage, wie man verhindert, dass Pulverrückstände in Schraub- und anderen Bohrlöchern verbleiben und dann nachfolgende Montagevorgänge erschweren. Üblicherweise werden diese Löcher vor dem Beschichten mit Stopfen verschlossen oder abgeklebt. Das hat jedoch den Nachtteil, dass jede einzelne Bohrung vor dem Lackieren mit einem Stopfen versehen oder maskiert und nach dem Lackieren wieder demaskiert werden muss.
Das Team um Sascha Jastremsky, Leiter Pulverapplikation bei Amazone, suchte daher nach Alternativlösungen und entwickelte – zunächst in der Theorie – das Konzept, auf die Stopfen zu verzichten. Stattdessen sollten die mit Pulverlack beschichteten Bohrungen nach dem Lackiervorgang gründlich von Pulver befreit und gereinigt werden.
Für die praktische Durchführung dieser Aufgabe wurde ein Ruwac-Sauger angeschafft, der sich auf Anhieb bewährte. Mit ihm saugt ein Mitarbeiter jetzt direkt nach der Lackierung die Löcher aus, während sich die frisch beschichteten Bauteile im Fördersystem der Beschichtungsanlage befinden und langsam an ihm vorbei transportiert werden. Dieser Prozess lässt sich also gut in die Fließfertigung integrieren.
Für seine Arbeit stehen dem Bediener des Saugers mehrere Spezialdüsen zur Verfügung, die exakt in die jeweiligen Bohrungen passen und für diese Anwendung gefertigt bzw. ausgewählt wurden. Bei einem typischen Bauteil sind z.B. acht Bohrungen zu reinigen, für die drei verschiedene Düsen benötigt werden.
Amazone verwendet hier einen direkt angetriebenen Sauger aus dem Standardprogramm von Ruwac: ein Gerät vom Typ DA 1300 M mit einer Taschenfilterfläche von 2,6 m2. Dieser ist kompakt, gut rollbar und hält Stäube der Klasse M zu 99,9 Prozent zurück. Weil die Pulverstäube explosionsfähig sind, ist der Sauger gemäß Staub-Ex-Zone 22 nach Atex-Richtlinie ausgeführt.
Für Ruwac hat sich Amazone u.a. entschieden, weil bereits ein Ruwac-Sauger an einem Schleifplatz zum Einsatz kommt, mit dem man gute Erfahrungen gemacht hat. Außerdem, so Sascha Jastremsky, hat Ruwac die neue Art der Bauteilvorbereitung beim Pulverbeschichten sachverständig und kooperativ unterstützt. Diese Lösung habe sich aus Sicht von Amazone bereits bestens im Praxisbetrieb gezeigt.