Chemie 2050

Betrachtungen zur Chemie der Zukunft – folgen Sie uns ins Jahr 2050

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Konturen 3: Dezentrale Intelligenz & Kommunikation

Dezentrale Intelligenz (DI) ist der Schlüssel für die Prozessindustrie, um die smarte Produktion der Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. Unabdingbar dafür sind Connectivity-Lösungen und offene Architekturen wie die Namur Open Architecture (NOA). Mit NOA wird der Datenschatz der intelligenten Feldgeräte für die Prozessindustrie zugänglich – via Second Data Channel können Informationen rückwirkungsfrei und unabhängig vom Anlagennetz ausgelesen und Industrie-4.0-konforme Services und Konzepte realisiert werden.

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Doch nicht nur das Equipment, auch die Projektpartner im Anlagenbau müssen lernen, quasi dezentral zu agieren: Transparenz über Prozesse und eine enge Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb der Wertschöpfungskette, etwa im Rahmen integrierter Plattformen, werden zu zentralen Erfolgsfaktoren der Großanlagenbauer, so eine Studie des VDMA.

Die fortschreitende Digitalisierung verändert nicht nur die Koordinierung und Kommunikation im Projektmanagement, sondern auch im Betriebsalltag. Durch den digitalen Wandel entstehen neue Strukturen in der Organisation durch die horizontale und vertikale Integration sowie vernetzte Formen der Kommunikation im globalen Kontext (z.B. Virtual Reality). Diese beeinflussen nicht zuletzt auch das Arbeitsfeld des Industrial Engineer als Bindeglied zwischen den zunehmend vernetzten interdisziplinären Bereichen im Unternehmen, so der Refa-Verband. Die Kommunikation wird zunehmend ortsungebunden stattfinden und ermöglicht den Informationsaustausch in Echtzeit über große Entfernungen.

Konturen 4: Zukunft der Arbeit

Immer mehr Aufgaben können von Maschinen erledigt werden. An diesem technologischen Wandel gehe kein Weg vorbei, so die Studie „Zukunft von Arbeit und Technologie 2050“ der Bertelsmann Stiftung: Robotik, Künstliche Intelligenz und Technologie-Konvergenz treiben die Entwicklung voran. Auszugehen sei zunächst von einer Transformationsphase über die nächsten ein bis zwei Dekaden. Hier setze sich im Sinne des „digitalen Darwinismus“ der bisherige Wandel der Arbeit fort, indem immer mehr Berufsgruppen und Tätigkeiten durch Automation ersetzt werden. Dann stehe der Übergang in ein gänzlich neues System des Arbeitens und Wirtschaftens an, in dem auch die Sozialsysteme entsprechend anders aussehen müssen.

Bisher sind Chemiker im Wesentlichen auf ihr Fachwissen und ihre langjährige Erfahrung angewiesen, wenn sie neue Rezepturen erforschen, die Produkteigenschaften wie Härte, Reißfestigkeit oder Viskosität in definiertem Maße erfüllen. KI wird für sie zukünftig zu einem wichtigen Werkzeug werden, um ihre Expertise zu erweitern und die Zahl der Testversuche deutlich zu senken. Erste Erfahrungen mit dem Einsatz von KI hat beispielsweise Lanxess bereits gemacht. In einem Pilotprojekt mit Citrine Informatics setzt der Spezialchemie-Konzern KI ein, um Glasfasern zu optimieren. Dadurch lassen sich die Eigenschaften von Hochleistungs-Kunststoffen weiter verbessern. KI soll die Entwicklungszeit für die benötigten Rezepturen auf weniger als die Hälfte reduzieren. Kunden erhalten in kürzerer Zeit noch bessere, maßgeschneiderte Produkte.

„Mitarbeiter, die Künstliche Intelligenz bereits nutzen, können sich meist gar nicht mehr vorstellen, zu bisherigen Arbeitsweisen zurückzukehren. Der Einsatz digitaler Technologien wird bei Lanxess zunehmend zum Standard“, so Jörg Hellwig, Leiter der Lanxess-Digitalisierungsinitiative.

Fazit: Im nicht allzu fernen Jahr 2050 wird die Branche deutlich anders aufgestellt sein, sogar an Bedeutung gewonnen haben: „Die künftigen Herausforderungen der Menschheit – sei es das Thema der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung oder sei es der Klimawandel – werden ohne die Chemie nicht zu bewältigen sein“, prophezeit Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv Höchst. Das ist gewiss keine Glaskugel-Phantasie, sondern ein recht gefestigter Ausblick.

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