Chemie & Pharma Summit „Industrie steht am Abgrund“ – Chemieverband warnt vor Deindustrialisierung

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Die Chemie- und Pharmabranche schlägt Alarm: Beim Summit in Berlin fordert VCI-Präsident Markus Steilemann von der Politik schnelle und tiefgreifende Reformen, um die drohende Deindustrialisierung abzuwenden.

VCI-Präsident Markus Steilemann, Bundeskanzler Friedrich Merz, Cefic-Präsidentin Ilham Kadri.(Bild:  VCI/ André Groth)
VCI-Präsident Markus Steilemann, Bundeskanzler Friedrich Merz, Cefic-Präsidentin Ilham Kadri.
(Bild: VCI/ André Groth)

Kriege, Handelskonflikte, Unsicherheit: Die Weltwirtschaft schwächelt – und Deutschland droht das dritte Rezessionsjahr in Folge. „Wir sind nominell noch die drittgrößte Volkswirtschaft, tatsächlich aber längst Schlusslicht beim Wachstum unter den großen Industrienationen. Wie tief sollen wir noch fallen, bis die Politik reagiert?“, fragt Markus Steilemann, Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), in Berlin. Zum Auftakt des Branchengipfels mit Bundeskanzler Merz fordert der VCI-Präsident Mut zu harten politischen Entscheidungen: „Strukturelle Reformen sind überfällig – egal wie unbequem. Meine Botschaft an die Politik lautet: Hört auf zu streiten und stellt euch der Verantwortung. Alles andere geht auf Kosten unseres Landes.“

Die Lage ist laut Steilemann alarmierend ernst: Arbeitslosigkeit über drei Millionen, Insolvenzen auf Rekordkurs, die Chemie mit enttäuschenden Zahlen und historisch niedriger Auslastung. „Wir müssen diesen Abwärtstrend jetzt stoppen. Die Industrie steht am Abgrund“, sagt Steilemann. Der VCI-Präsident hält die bisherigen Schritte der Regierung bei Strom, Gas und Steuern für nicht ausreichend: „Alles richtig. Alles gut. Aber damit allein kommt Deutschland nicht wieder in die Spur. Die zweiten 100 Tage müssen zum Gamechanger werden.“ Zögern hat aus Sicht des VCI einen sehr hohen Preis: Jobs gehen verloren, Unternehmen schließen oder verlagern Investitionen ins Ausland.

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Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in seiner Rede die Bedeutung der Branche: „Auch in den Laboren und Produktionsstätten unserer Chemie- und Pharmaindustrie entscheidet sich, ob Deutschland ein souveränes und ein innovatives Industrieland bleibt – innovativ auch und gerade in der Forschung, Entwicklung und mit seinen Produkten, die echten Fortschritt bedeuten, weil sie das Leben der Menschen in der Welt besser machen.“

Der VCI begrüßt, dass die Bundesregierung Innovation mit der Hightech-Agenda als wichtiges Zukunftsthema priorisiert hat. 16,5 Milliarden Euro investiert die Branche dieses Jahr in Forschung und Entwicklung – so viel wie nie. „Innovation ist Deutschlands Markenzeichen – und Chemie und Pharma sind das Herzstück“, sagt Steilemann. „Unsere Branche ist Treiber von Wertschöpfung, Wachstum und Beschäftigung. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass dieser Funke auf das ganze Land überspringt.“

Auch am zweiten Tag des Branchengipfels in Berlin mit Finanzminister Klingbeil, Wirtschaftsministerin Reiche und Forschungsministerin Bär machte der VCI-Präsident deutlich: „Deutschland und Europa brauchen einen klareren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovationskraft. Nicht übermorgen. Nicht morgen. Jetzt.“

Die im Koalitionsvertrag angekündigte „Chemieagenda 2045“ müsse den Weg bahnen, damit Deutschland seinem Anspruch als führender Standort für Chemie, Pharma und Biotechnologie gerecht wird: mit einer Energiepolitik, bei der durch das rechtzeitige Abwenden drohender Innovationslücken Qualität vor Quantität geht, mit einem belastbaren Konzept für massiven Bürokratieabbau und einem soliden Investitionspaket für Bildung, Verteidigung und Infrastruktur. Der VCI fordert größtmögliche Sicherheit für die heimische Produktion und Rohstoffversorgung sowie sinkende Steuerbelastungen und Arbeitskosten. Zudem müsse die Bundesregierung in Brüssel neben einem selbstbewussten und konsequenten Eintreten für den Freihandel eine maßvolle EU-Chemikalienpolitik einfordern, die Unternehmen fördert statt behindert.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup warnt: „Mit Visionen für 2045 ist keinem Betrieb geholfen – entscheidend sind die nächsten zwölf Monate. Bis dahin müssen spürbare Entlastungen an den Werkstoren ankommen. Unsere Industrie rutscht bereits gefährlich ab, und mit ihr das ganze Land. Für uns heißt Chemieagenda 2045: 20 Maßnahmen in 45 Tagen. Warten wäre fatal. Die Welt wartet nicht auf uns.“

Wahlen von Präsidiumsmitgliedern

Beim Branchengipfel finden traditionell Wahlen statt. Heute haben die Mitglieder des Verbandes Vizepräsident Dr. Christian Hartel (Wacker Chemie) und weitere Präsidiumsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt. Neu im Präsidium ist Daniel Steiners von Roche Pharma. Die Amtszeit beträgt jeweils zwei Jahre.

Als Mitglieder des VCI-Präsidiums bestätigt wurden: Bill Anderson (Bayer), Martin Babilas (Altana), Reinhold von Eben-Worlée (Worlée-Chemie), Belén Garijo (Merck), Sabine Herold (Delo Industrie Klebstoffe), Julia S. Schlenz (Dow Europe).

Dem Präsidium gehören weiterhin an: Präsident Dr. Markus Steilemann (Covestro), Vizepräsident Dr. Markus Kamieth (BASF), Vizepräsident Carsten Knobel (Henkel), Schatzmeister Dr. Henrik Follmann (Follmann Chemie), Hubertus von Baumbach (C.H. Boehringer Sohn), Dr. Wolfgang Große Entrup (VCI), Christian Kullmann (Evonik), Matthias Zachert (Lanxess).

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