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Abwasserfreie Produktion

Zero Liquid Discharge – oder ist Minimal Liquid Discharge sinnvoller?

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ZLD: Möglich, aber nicht immer sinnvoll

Auch Envirochemie rät zum Abwägen, wenn es um ZLD geht: Die abwasserfreie Produktion sei durch eine Kombination verschiedener Abwasserbehandlungsverfahren möglich, lohne sich wirtschaftlich aber nur unter bestimmten Rahmenbedingungen. „Technisch ist es natürlich möglich, dass kein Abwasser übrig bleibt“, meint Elmar Billenkamp, ZLD-Experte bei Envirochemie. So könne Abwasser so weit vorbehandelt werden, dass es vollständig verdampft und übrigbleibende Feststoffe wiederverwertet oder entsorgt werden können. Oder es wird so aufbereitet, dass statt Abwasser nur Schlämme oder Salzlaken als Reststoffe bleiben.

Jedoch: „Wo Wasser günstig und gut verfügbar ist, spielt Zero Liquid Discharge in der Regel keine Rolle.“ Allenfalls in Regionen, in denen Wasser Mangelware ist, lohne es sich, den Wasserkreislauf zu schließen. Beispielsweise werden in einer Solarfabrik in Katar die salzhaltigen Abwässer so lange aufbereitet, bis sie für Kühlsysteme, Bewässerung oder Reinigungszwecke wiederverwertet werden können (Restmengen werden ins Meer eingeleitet).

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In anderen Fällen wollen sich Unternehmen mit einer abwasserfreien Produktion von behördlichen Entscheidungen unabhängig machen. So hat sich ein Automobilhersteller in seinem Motorenwerk in Kasachstan für seine ölhaltigen Abwässer für eine ZLD-Lösung entschieden, weil er die Kosten der Abwasserbehandlung unter Kon­trolle halten wollte.

Auch der Umweltschutz spiele eine Rolle für die Umsetzung von ZLD: „Die Motivation in diesen Fällen ist häufig getrieben durch interne Vorgaben der Unternehmen zu Umweltzielen, oder aber, weil sie bestimmte Zertifikate für ihre Produktionsstätten erhalten wollen“, weiß Billenkamp. Ein Kosmetikhersteller strebte mit seiner Fabrik in Mexiko ein LEED-Zertifikat der höchsten Stufe Platin an. Bei LEED (Leader­ship in Energy and Environmental Design) handelt es sich um ein international anerkanntes System zur Klassifizierung von Gebäuden. Für ein innovatives Abwasserbehandlungssystem gibt es Pluspunkte.

Die genannten Beispiele zeigen, dass bei ZLD das „Zero“ nicht zwangsläufig „Null“ heißt. Manchmal bleiben Flüssigkeiten übrig, manchmal Feststoffe. „Das Abwasser löst sich schließlich nicht einfach auf. Worüber man sich deshalb auch immer Gedanken machen muss, ist, was mit den abgeschiedenen Stoffen passiert“, gibt Billenkamp zu bedenken. Beispielsweise könnten die Feststoffe zur Energiegewinnung verbrannt werden. Dann entstehe aus „Zero“ sogar ein „Plus“.

Fazit

Weltweit wächst das Interesse nach ZLD-Lösungen für Produktionsbetriebe. Die Motive sind unterschiedlich: begrenzte Wasserverfügbarkeit, behördliche Auflagen, Unabhängigkeit, nicht zuletzt das Green Labeling. Die Praxis zeigt, dass ein Minimum Liquid Discharge (MLD) oft die bessere Lösung ist.

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