Modulare Automatisierung Zentrales Leitsystem ja oder nein?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die Automatisierung Package Units ist immer noch eine Herausforderung für den Betreiber. Der Grund ist die geschlossenen Architektur der meisten heute verfügbaren Prozessleitsysteme. Mögliche Ansätze beschreibt Prof. Dr. Leon Urbas, Professur für Prozessleittechnik in Dresden im Gespräch mit PROCESS.

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PROCESS: Prof. Urbas, das in der NE 148 formulierte Integrationskonzept für eine Package Unit geht von einem übergeordneten Leitsystem aus. Ist ein Leitsystem Voraussetzung für die Automatisierung modularer Anlagen?

Urbas: Prozessführung und Anlagensicherheit erfordern modulübergreifende Dienste. Dazu gehören Archivierung (Stichwort Traceability), Alarmmanagement, Inbetriebnahme, Parametrierung, Diagnose, zustandsorientierte Prozessführung und Bedienen und Beobachten. Klassische Prozessleitsysteme erbringen diese Dienste in einer während des Engineerings festgelegten Verteilungsarchitektur. Die mangelhafte Offenheit der Schnittstellen vieler aktueller PLS lässt für die Automatisierung modularer Anlagen jedoch viele Fragen offen.

PROCESS: Unter welchen Voraussetzungen ist auch eine Peer-to-Peer-Architektur möglich?

Urbas: Strukturierte Peer-to-Peer-Architekturen der dritten Generation sind prinzipiell geeignet, die gegenläufigen Anforderungen nach Flexibilität und Stabilität zu erfüllen. Verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprojekte erschließen hier Neuland - einen herstellerübergreifenden Standard, der die Anforderungen der Automation berücksichtigt, gibt es derzeit nicht. Damit beschäftigt sich zurzeit beispielsweise der GMA Fachausschuss 5.16 „Architekturen von Automatisierungssystemen“.

PROCESS: In der Feldbustechnologie werden Feldgeräte mit der EDD/GSD-Technologie ins PLT integriert. Wäre eine ähnliche Vorgehensweise auch für ein Anlagenmodul denkbar?

Urbas: Wir haben in einem Forschungsprojekt die Eignung von aktuellen Integrationstechnologien der Automation für die modulare Anlage untersucht. Die für die Modulbeschreibung wesentlichen Zusammenhänge lassen sich in der Tat mit der Electronic Device Description Language (EDDL) darstellen. Bei der Umsetzung sind jedoch schnell praktische Grenzen erreicht – beispielsweise hat EDDL kein Sprachelement zur eindeutigen, herstellerübergreifenden Definition von Semantik und die aktuellen Prozessleitsysteme sind auf ein verteiltes Engineering und den flexiblen Betrieb modularer Anlage nicht gut vorbereitet.

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