Gaskondensat für Kampfflugzeuge Wintershall macht steigende Gewinne – Russland profitiert mit

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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Die BASF-Tochter Wintershall Dea verkauft an ihr russisches Partnerunternehmen Gazprom große Mengen Gaskondensat, eine erdölähnliche Flüssigkeit, die zur Herstellung von Flugzeugtreibstoff verwendet werden kann. Dies zeigt eine am 4. November 2022 veröffentlichte Recherche von Spiegel und ZDF.

Recherchen von Spiegel und ZDF haben eine Verbindung zwischen der Wintershall-Gasförderung und russischen Kampfflugzeugen enthüllt.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Recherchen von Spiegel und ZDF haben eine Verbindung zwischen der Wintershall-Gasförderung und russischen Kampfflugzeugen enthüllt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Recherchen von ZDF und Spiegel zufolge findet von Wintershall Dea an Gazprom geliefertes Gaskondensat Verwendung in russischen Kampfflugzeugen. Gazprom beliefert damit eine Reihe russischer Luftwaffenstützpunkte an der ukrainischen Grenze mit Kerosin – darunter Morozovsk und Woronesch, wo SU-34-Kampfflugzeuge stationiert sind. Diese sind laut Menschenrechtsgruppen in Kriegsverbrechen verwickelt, darunter ein Angriff auf Zivilistinnen und Zivilisten in Tschernihiw am 3. März, bei dem 47 Menschen getötet wurden.

Wintershall Dea hat die Fortführung der Aktivitäten in Russland bislang damit begründet, dass ihre Gasproduktion in sibirischen Feldern zur europäischen Energiesicherheit beiträgt. Die russischen Gaslieferungen nach Europa wurden jedoch vom Kreml mittlerweile erheblich eingeschränkt. Spätestens seit der Zerstörung von drei der Nord Stream Pipelines ist dieses Argument endgültig hinfällig geworden. Die Förderung fossiler Brennstoffe in Russland wird für Wintershall immer lukrativer: Von Januar bis September dieses Jahres hat das Unternehmen 1,272 Milliarden Euro (bereinigtes Nettoergebnis) an der gemeinsamen Öl- und Gasproduktion mit Gazprom in Russland verdient. Das ist fünfmal so viel wie im Vergleichszeitraum 2021 und macht über die letzten drei Quartale 2022 59,8 % der gesamten Unternehmensgewinne mit der Öl- und Gasproduktion aus. Zudem hat das Unternehmen in diesem Zeitraum 320 Millionen Euro Einkommenssteuer sowie 400 Millionen Euro an sogenannten Fördersteuern in Russland gezahlt, wie auch der Spiegel und das ZDF hervorheben.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe: „Wintershall Dea hat fast die Hälfte ihrer gesamten Öl- und Gasproduktion in Russland konzentriert. Wir brauchen mehr als leere Worte über den angeblichen Stopp aller Finanzströme mit Russland: Wintershall Dea muss jetzt einen radikalen Wandel in ihrem Geschäftsmodell vollziehen. Das Unternehmen muss seine fossile Produktion so schnell wie möglich beenden, um auch nur eine entfernte Chance zu haben, noch im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu stehen. Die Beendigung des Russland-Geschäfts wäre ein naheliegender erster Schritt in Richtung eines Ausstiegs aus dem rein fossilen Portfolio.“

In einer Antwort an den Spiegel bestreitet Wintershall Dea einen direkten Zusammenhang zwischen der fraglichen Gaskondensatproduktion und den russischen Anschlägen und bezeichnete diesen als „konstruiert“. Das Gaskondensat werde „zu vielen verschiedenen petrochemischen Produkten weiterverarbeitet“, heißt es.

Die Enthüllungen von Spiegel und ZDF zu Wintershall Dea sind auch vor dem Hintergrund einer Strafanzeige gegen den französischen Ölkonzern Total Energies zu sehen. Diese wurde am 13. Oktober bei der Nationalen Anti-Terrorismus-Staatsanwaltschaft in Paris wegen vermuteter Beteiligung an Kriegsverbrechen eingereicht. Total Energies hielt bis vor kurzem eine wirtschaftliche Mehrheitsbeteiligung an einem sibirischen Gasfeld, das mit denselben russischen Luftwaffenstützpunkten in Verbindung gebracht wird wie jetzt im Fall von Wintershall Dea. Total Energies bestreitet diesen Vorwurf.

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