Exklusiv-Interview zur Namur-Hauptsitzung 2023 Wie gelingt die digitale Transformation in der Prozessindustrie?

Das Gespräch führte Sabine Mühlenkamp 4 min Lesedauer

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Schneider Electric ist seit über einem Jahrzehnt Hersteller digital vernetzbarer Hard- und Softwarelösungen, die ein nachhaltiges erfolgreiches Wirtschaften ermöglichen. Dieses Jahr ist das Unternehmen Hauptsponsor der Namur-Hauptsitzung. Geschäftsführerin (Deutschland) Jessica Bethune gibt schon heute einen Einblick in die Themen.

Mit Software von Aveva wurde die Waschmittelproduktion bei Henkel noch energieeffizienter gestaltet.(Bild:  Schneider Electric)
Mit Software von Aveva wurde die Waschmittelproduktion bei Henkel noch energieeffizienter gestaltet.
(Bild: Schneider Electric)

Frau Bethune, wo liegen derzeit die größten Hürden auf dem Weg zur digitalen Transformation für die Prozessindustrie?

Jessica Bethune: Ich finde das Wort „Hürden“ nicht wirklich zutreffend. Sicher, der Fachkräftemangel oder auch mangelnde Systeminteroperabilität lassen die digitale Transformation gelegentlich kompliziert erscheinen. Meiner Erfahrung nach lässt sich aber jedes Unternehmen auch hürdenlos digitalisieren. Dafür braucht es aber natürlich eine kluge Strategie und das richtige Mindset. Die technischen Lösungen, um eine digitale Transformation auch unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen in-Time und in-Budget umsetzen zu können, sind jedenfalls längst verfügbar.

Nachhaltigkeit ist fest verankert

Nachhaltigkeit ist bei Schneider Electric fest in der Unternehmens-DNA verankert. Das Unternehmen möchte daher den Weg ebnen, damit alle Unternehmen ihre Energien und Ressourcen optimal nutzen können. Hierfür wurde Schneider Electric 2021 mit dem unabhängigen Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet und mehrfach von Corporate Knights zu einem der nachhaltigsten Unternehmen der Welt gekürt.

Für die Prozessindustrie bietet Schneider Electric gemeinsam mit Aveva und Proleit IoT-fähige Feldgeräte, Steuerungen und Softwarelösungen an. Hinzu kommen Services sowie eine Abteilung für die Beratung in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Im Jahr 2023 ist Schneider Electric Hauptsponsor der Namur-Hauptsitzung mit dem Motto „Open Automation and Digitalization for Sustainability and Efficiency“ (23./24. November in Neuss).

Und wie gelingt Schneider Electric die digitale Transformation?

Entscheidend ist, wie Sie die Dinge angehen. Neue Technologien sind das eine, aber deren teils disruptive Wirkung auf Berufsbilder und Geschäftsmodelle das andere. Die damit verbundene Transformation gelingt nur, wenn Sie umsichtiges Changemanagement betreiben, alle Personen involvieren und stark machen – kurzum, wenn Sie lernen, Digitalisierung auch als unternehmerische Kernkompetenz zu begreifen. Deshalb werden Vertrieb und Implementierung unserer IoT-Technologien immer von Beratungsdienstleistungen begleitet. Und ganz wichtig: es braucht eine adäquate Digitalisierung für die speziellen Anforderungen der Prozessindustrie, in puncto Kontinuität und Sicherheit.

Wie sorgen Sie für die Integration von Prozess- und Energietechnologie?

Mit dem richtigen, also durchgängigen Systemaufbau sowie einer intelligenten Software. Wichtig ist natürlich, dass an allen neuralgischen Punkten in der Fabrikhalle Daten erfasst werden. Also etwa zum Energieverbrauch. Für viele unserer Kunden ist das der erste Schritt: Herauszufinden, welche Verbraucher wann wie viel Energie konsumieren. Wenn sichergestellt ist, dass sich die Daten steuerungs- und herstellerunabhängig an die Softwareebene kommunizieren lassen, können sie dort kontextualisiert und mit dem Prozessgeschehen kombiniert ausgewertet werden. Gerade Aveva-Lösungen bieten da bemerkenswerte Möglichkeiten.

Können Sie ein paar Details nennen, wie Sie Feldgeräte, Steuerungen, Prozessleitsysteme und Software in Ecostruxure Power & Process kombinieren?

Dazu ist es wichtig zu verstehen, dass Ecostruxure unsere Lösungsarchitektur ist, mit der die Komponenten einer Anlage vom Feldgerät bis in die Cloud durchgängig miteinander vernetzt werden. Und zwar im Sinne eines offenen und skalierbaren IoT-Netzwerks. Damit schaffen Sie ein Fundament, um Ihre Investitionen in die Digitalisierung langfristig abzusichern. Dieses verhindert die Entstehung von Stückwerk und Insellösungen, die irgendwann mühsam zusammengeführt werden müssen. Grundsätzlich ist die Datendurchgängigkeit innerhalb von EcoStruxure aber auch die entscheidende Voraussetzung für eine transparente Sichtweise auf Energieverbräuche und Prozesse.

Sie haben in einem Proof-of-Concept mit GEA gezeigt, wie mit einem herstellerunabhängigen Automatisierungsansatz und MTP die Modularisierung der Prozessindustrie gelingt. Wie unterscheidet sich der von Ihnen gewählte Ansatz vom klassischen Leitsystem?

Vereinfacht gesagt geht es um die Orchestrierung der MTP-Module. Diese Frage war noch nicht befriedigend geklärt. Denn auch wenn MTP-fähige Leitsysteme in der Lage sind, MTP-Module zu erkennen und korrekt anzusteuern, sind sie, was die logische Verknüpfung der Module angeht, eher limitiert. Aber die Vorteile eines herstellerunabhängigen Konzepts wie MTP können Sie natürlich nur dann wirklich voll nutzen, wenn sich die Logik zwischen den Modulen unabhängig von den darin verbauten SPS-Steuerungen etablieren lässt. Und hier setzen wir mit unserem Engineering-Tool für herstellerunabhängige Automatisierung nach IEC61499 an. Dieses fungiert als Middleware zwischen Leitsystem und MTP-Modulen und ermöglicht die Orchestrierung der Module mithilfe einer anbieterneutralen Sprache.

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Die Chemieindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu arbeiten. Können Sie Beispiele aus der Prozessindustrie nennen, in denen Technologien von Schneider Electric helfen, dieses Ziel zu erreichen?

Unter anderem setzen die deutschen Firmen Henkel und BASF unsere Technologien ein. Am BASF-Standort im US-amerikanischen Beaumont zum Beispiel haben wir in einem neuen Umspannwerk die komplette Energieverteilung inklusive dazu passender Software realisiert. Hier lässt sich jetzt deutlich energieeffizienter arbeiten. Gleiches gilt für die Waschmittelproduktion bei Henkel in Düsseldorf. Hier ist es uns mithilfe von Aveva-Software gelungen, den energieintensiven Prozess der Sprühtrocknung nochmal signifikant effizienter zu gestalten. Im Rahmen unseres regelmäßig veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichts errechnen wir quartalsweise, welchen Effekt unsere Technologien auf den ökologischen Fußabdruck unserer Kunden haben. Allein zwischen 2018 und heute konnten so 440 Millionen Tonnen an CO2 eingespart werden. Und dass nicht nur in der Prozessindustrie.

Frau Bethune, herzlichen Dank für das Gespräch – und eine erfolgreiche Namur-Hauptsitzung!

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