Die wichtigen Trends in Chinas petrochemischer Industrie werden sich im laufenden Jahr trotz der Coronavirus-Krise weitgehend unverändert fortsetzen. So lautet das Fazit einer gerade veröffentlichten Marktstudie des Sinopec Forschungsinstituts für Wirtschaft und Entwicklung in Peking.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking – Vor dem Hintergrund des sich abflachenden Wachstums, eines schon aus der Zeit vor Corona stammenden Trends, hält der Druck immer stärkerer Umweltvorschriften auf die petrochemische Industrie in China unverändert an. Das Entstehen von neuen Verbundstandorten, in denen neben raffinierten Erdölerzeugnissen auch Produkte mit höherem Mehrwert entstehen, wird von staatlicher Seite weiter gefördert. Gleichzeitig gibt es vereinzelt Anzeichen einer behutsamen Öffnung der Industrie für ausländische Investoren und vorgelagerter Industriebereiche für große Privatunternehmen, schreibt der staatliche Think Tank.
2020 werde ein weiteres Jahr mit relativ geringer Nettosteigerung der Produktionskapazität in ihrer Heimat werden, schreiben die chinesischen Forscher. Lediglich um 24,5 Millionen Tonnen werde der Ausstoß wachsen, und er wird vor allem von drei großen staatseigenen Raffinerien kommen. Ein Raffinerie- und petrochemisches Großprojekt von Sinopec Zhongke mit einer Kapazität von zehn Millionen Tonnen werde in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Betrieb genommen. CNOOC Daxie Petrochemical werde bis zum Jahresende seine Kapazitäten um sechs Millionen steigern. Und die Raffinerien Sinopec Luoyang, Sinochem Quanzhou, sowie die China Petro Daqing Petrochemical Company hätten zusätzliche Expansionsprojekte, die in diesem Jahr mit der Produktion beginnen werden, schreiben die Forscher in ihrer Analyse.
Ein weiterer Trend, der sich im laufenden Jahr fortsetzen werde, sei die Popularität von immer vielfältigeren Verbundstandorten. „Das Verbund-Modell hat sich weiterentwickelt vom Raffinerie- und Ethylen-Verbund zum Verbund aus Raffinerie und Produktion von aromatischen Kohlenwasserstoffen, dem Verbund aus Raffinerie, Ethylen und aromatischen Kohlenwasserstoffen, sowie dem Verbund aus Raffinerie, Energieerzeugung und Steam”, heißt es in der Marktanalyse.
Indirekt bestätigt der Bericht damit die anhaltenden Bemühungen der chinesischen Staats- und Parteiführung in Peking, den noch immer erkennbaren Schwerpunkt der petrochemischen Industrie in China im unteren Teil der Wertschöpfungskette schrittweise zu reduzieren. Eine Reihe von direkten und indirekten Regierungsrichtlinien und -programmen versucht seit Jahren, Projekte mit höherer Wertschöpfung zu fördern, darunter zum Beispiel die Fokussierung auf die Spezialchemie im 13. Fünf-Jahres-Plan. Auch das wird also im laufenden Jahr fortgesetzt.
Trotz des relativ schwachen Wirtschaftswachstums, das China in den vergangenen Jahren gesehen hat, werde „der vom Umweltschutz kommende hohe Druck im Jahr 2020 aufrecht erhalten“, sagt der Think Tank voraus. Eine ganze Reihe von Regierungsplänen im Bereich Umweltschutz mit Auswirkung auf die petrochemische Chemie enthalten Zielvorgaben, die in diesem Jahr erreicht werden müssen. Die Autoren nennen in diesem Zusammenhang etwa den Aktionsplan für die Prävention und Kontrolle der Wasserverschmutzung und den 13. Fünfjahresplan für Umweltschutz.
„Mit einer stetigen Konjunkturabschwächung, und anhaltend hohem Druck durch den Umweltschutz wird vorhergesagt, dass der endgültige Verbrauch von raffiniertem Öl im Jahr 2020 bei 403 Millionen Tonnen liegen wird, einem Anstieg von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, schreibt der Think Tank. Der Bericht geht nur am Rande auf die wirtschaftlichen Einbussen der petrochemischen Industrie in China in der Folge der Coronavirus-Krise ein, die von den Autoren offenbar als weniger einflussreich eingestuft werden als das wirtschaftliche Makroklima und die Umweltpolitik Pekings.
Lobend erwähnt die Marktanalyse erwartungsgemäß die Großinvestitionen multinationaler Konzerne in Chinas petrochemische Industrie, allen voran die Milliardeninvestitionen von Exxon Mobil, BASF und Sabic. Dieses Öffnen des Chinesischen Marktes für Auslandsinvestitionen wird als Vorbote einer „Ära großartiger Veränderungen“ in China bezeichnet, hier ganz linientreu und in Übereinstimmung mit der offiziellen Parteipropaganda.
Unerwähnt bleibt in dem Bericht hingegen, dass dies die ersten nennenswerten Auslandsinvestitionen nach Jahrzehnten zäher Lobby-Arbeit der ausländischen petrochemischen Industrie in China sind. Ebenso unerwähnt bleibt, dass China die Konsolidierung der heimischen petrochemischen Riesen vorantreibt, was eventuelle Fortschritte in Richtung marktwirtschaftlicher Reformen wieder deutlich konterkariert.
Genauso mit einer gesunden Portion Skepsis zu werten sind die Aussagen des staatlichen Think Tanks zur Stärkung der privaten petrochemischen Industrie. „Privatunternehmen wie die Hengli-Gruppe, Rongshen Petrochemical, die Tongkun-Gruppe, die Shenghun-Gruppe haben von der Politik profitiert, die ihnen Zugang zu vorgelagerten Sektoren der petrochemischen Industrie gewährt“, schreiben die Autoren. Unabhängige Beobachter sehen dem gegenüber eher den Trend, dass die von Partei und Regierung in China vorangetriebene Konsolidierung weiterhin eher den großen Staatsbetrieben zugute kommt.
Stand: 08.12.2025
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Was die Autoren ebenfalls referieren, ist der fortgesetzte Trend von Quantität hin zu mehr Qualität in der petrochemischen Industrie in China. Peking ließe da seinen Worten Taten folgen, selbst in schwierigen Corona-Zeiten. So hat die Provinz Shandong beispielsweise gerade am 1. Mai eine Liste von 190 weiteren Unternehmen der chemischen Industrie veröffentlicht, die ihre Produktion einstellen müssen, weil sie die immer strengeren Regierungsvorgaben nicht erfüllen konnten.
* Der Autor ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.