Suchen

ACHEMA-Trendbericht Chemieanlagenbau-Konzepte

Welche Entwicklungen bestimmen den Chemieanlagenbau?

Seite: 3/4

Firmen zum Thema

Flexiblere Rohstoff-Basis nutzen

Vor dem Hintergrund der hohen Preise für Naphtha (Rohbenzin) als Einsatzstoff von Steamcrackern erfahren alternative Verfahren zur Rohstoffversorgung derzeit in der chemischen Industrie eine neue Bewertung. Ein lange bekanntes Verfahren ist die Fischer-Tropsch-Synthese zur großtechnischen Umwandlung von Synthesegas (Kohlenmonoxid und Wasserstoff) in Kohlenwasserstoffe. Experten aus der Katalyseforschung der BASF in Ludwigshafen haben für dieses Verfahren einen neuen Katalysator entwickelt, der die gezielte Herstellung von Olefinen für den Produktionsverbund des Unternehmens ermöglicht. Mit diesem wichtigen Erfolg ist der Startschuss für die verfahrenstechnische Umsetzung gefallen, die bis Mitte des nächsten Jahrzehnts abgeschlossen sein soll.

Der Einsatz von Synthesegas soll dem Unternehmen in Zukunft die Möglichkeit eröffnen, seine Rohstoff-Basis zu verbreitern. Denn Synthesegas lässt sich sowohl aus den fossilen Rohstoffen Öl, Gas und Kohle gewinnen als auch aus nachwachsenden Rohstoffen. Aufgrund dieser Flexibilität, die sie einerseits bei den Rohstoffen ermöglicht, andererseits aber auch bei den synthetisierten Produkten bietet, könne die erfolgreiche Weiterentwicklung der Fischer-Tropsch-Synthese eine interessante Alternative zur Cracker-Technologie werden. Das wirtschaftliche Potenzial für eine mögliche Umsetzung des Verfahrens in einer Großanlage ist dabei natürlich abhängig von den Kosten für Rohstoffe.

Bildergalerie

Die Entwicklung des neuen heterogenen Katalysators ist soweit fortgeschritten, dass man nun damit beginnen könne, das Verfahren dafür maßzuschneidern. Mit Hilfe der Miniplant-Technologie werde geklärt, wie die optimalen Reaktionsbedingungen aussehen und wie sich der Katalysator unter Produktionsbedingungen verhält. Kern der bisherigen Entwicklungsarbeiten war die signifikante Erhöhung der Selektivität für die Produktion von Olefinen mit zwei bis vier Kohlenstoffatomen.

Alternative Ressourcen aus der Natur

Derzeit liegt der Anteil biotechnischer Methoden an allen Produktionsverfahren in der europäischen Chemie erst bei etwa fünf Prozent. Marktforscher gehen aber davon aus, dass der Anteil bis 2015 auf 15 Prozent ansteigen werde. Speziell für Feinchemikalien erwarten Branchenkenner langfristig überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Hier nehmen schon heute biotechnische Verfahren einen Anteil von rund 20 Prozent ein. Es spreche viel dafür, dass dieser Anteil in der Sparte Feinchemie bis 2015 voraussichtlich auf 50 Prozent zulegen werde. Insgesamt könnte dann im Jahr 2015 der weltweite Umsatz mit weißer Biotechnologie rund 300 Milliarden Dollar erreichen, schätzen Experten.

Bei allen Erfolgen müsse man realistisch bleiben, heißt es dennoch in Branchenkreisen: Die weiße Biotechnologie sei ja nicht per se wirtschaftlicher und umweltverträglicher als die klassische chemische Synthese. Man müsse Vor- und Nachteile in jedem Einzelfall nüchtern abwägen.

Und wie sieht es mit nachwachsenden Rohstoffe als Alternative zu Erdöl als Ausgangsstoff der chemischen Industrie aus? Bioethanol und Co. müssen nicht zwangsläufig aus Nahrungsmitteln wie Zuckerrohr oder Getreide gewonnen werden. Über die weiße Biotechnologie lassen sich chemische Stoffe auch aus Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie oder Restbiomasse aus der Forst- und Landwirtschaft oder Reststoffen gewinnen, berichtet das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 289185)