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ACHEMA-Trendbericht Chemieanlagenbau-Konzepte

Welche Entwicklungen bestimmen den Chemieanlagenbau?

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Ein typisches Beispiel: Bayer MaterialScience hat im Oktober 2008 am integrierten Standort Shanghai eine neue Produktionsanlage für Diphenylmethan-Diisocyanat (MDI) mit einer Jahreskapazität von 350 000 Tonnen in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um die weltweit größte Anlage ihrer Art. MDI ist ein Rohstoff für die Herstellung vor allem von Polyurethan-Hartschaumstoffen. Außerdem legte das Unternehmen – ebenfalls in

Shanghai – den Grundstein für den Bau einer Toluylen-Diisocyanat (TDI)-Anlage mit einer Kapazität von 250 000 Jahrestonnen, die im Jahr 2010 in Betrieb gehen soll. TDI wird in großen Mengen zur Herstellung von Polyurethan-Weichschaum für Polstermöbel, Matratzen und Autositze verwendet. Ziel sei es, die Kostenführerschaft zu stärken, so das Unternehmen. Die TDI-Anlage wird nach dem modernen Gasphasenverfahren arbeiten. Dabei werden die beiden Ausgangsstoffe Phosgen und Toluylen-Diamin (TDA) zunächst auf über 300 °C erhitzt und reagieren dann in gasförmigem Zustand. Anschließend wird zu flüssigem TDI kondensiert. Gegenüber einer konventionellen Anlage gleicher Größe ermögliche dies Energieeinsparungen von bis zu 60 Prozent. Zudem komme die Technologie mit bis zu 80 Prozent weniger Lösemittel aus. Die neue Verfahrenstechnik senke außerdem die Investitionskosten für eine derartige Großanlage um rund 20 Prozent. Auch am Verbundstandort Dormagen/Uerdingen soll eine neue World-Scale-Anlage für TDI mit einer Kapazität von 300.000 Jahrestonnen entstehen.

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Nicht ganz in dieser Größenordnung, aber auch im Mega-scale-Bereich bewegt sich das von Evonik Industries, Essen, und der Uhde GmbH, Dortmund, gemeinsam entwickelte HPPO-Verfahren (Hydrogen Peroxide Propylene Oxide). Es erzeugt mit Hilfe eines Evonik-Katalysators aus Propylen und Wasserstoffperoxid die weltweit stark nachgefragte Chemikalie Propylenoxid. Eine erste 100 000-t-Anlage mit einem Investitionsvolumen von etwa 126 Millionen Euro steht in Korea.

Die Vorteile des HPPO-Verfahrens liegen in einem beträchtlich niedrigeren Investitionsvolumen. Evonik beziffert die potenziellen Einsparungen hinsichtlich des Investments im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Hinzu komme als weiterer Vorteil das Vermeiden von Koppelprodukten. Deshalb ist das HPPO-Verfahren äußerst umweltfreundlich: Es hat eine hohe Ausbeute und außer Wasser entstehen praktisch keine Nebenprodukte.

Die AGAB ist im übrigen davon überzeugt, dass der Trend zu Megaanlagen vorteilhaft für den etablierten deutschen Chemieanlagenbau sei, weil die Komplexität solcher Anlagen eine hohe Markteintrittsbarriere gegen Neueinsteiger darstelle.

Doch sind World-scale-Anlagen natürlich nicht immer die beste Lösung. Insbesondere in konjunkturellen Abschwungphasen können Größtanlagen zu Überkapazitäten führen. Kleine, modulare Anlagen, mit denen der Betreiber flexibel die Kapazitäten an die Marktentwicklung anpassen kann, sind außerhalb des Bereichs der Basis-Chemikalien häufig die bessere Alternative.

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