Die chemische Industrie in China, besonders die großen Staatsbetriebe, setzen immer stärker auf Wasserstoff. Die größten Player, Sinopec, Sinochem und Petrochina, bauen gerade gemeinsam mit staatlichen Energiekonzernen neue Wertschöpfungsketten auf, in deren Zentrum der klimafreundlichere Energieträger steht.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Die Wasserstoff-Gesamtkapazität in der Volksrepublik wird derzeit auf 25 Millionen Jahrestonnen geschätzt. Eine Bestandsaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt zeigt das Bild eines gerade erwachenden Riesen. China ist bereits das Land mit der weltweit größten industriellen Wasserstoffproduktion.
Bei der größten Chemieproduktion der Welt fällt viel Wasserstoff als Nebenprodukt an. Als Energieträger allerdings spielt der Wasserstoff momentan noch eine Nebenrolle. Weniger als ein Prozent beträgt sein Anteil am nationalen Energiemix. Genau das aber soll sich nun ändern. Bis 2050 soll dieser Anteil auf zehn Prozent gesteigert werden, heißt es in Dokumenten der Zentralplaner in Peking. Dazu wird viel neue Produktionskapazität gebaut werden müssen, verbunden mit den dazugehörigen Lager- und Transportketten.
China solle eine „Wasserstoff-Gesellschaft“ werden, hatte Wan Gang schon vor ein paar Jahren gesagt. Zu dem Zeitpunkt war er chinesischer Wissenschaftsminister. Die Aussage hatte viele einflussreiche Politiker und Industriekapitäne aufhorchen lassen. Denn der in Deutschland ausgebildete und gut Deutsch sprechende Wan war vor rund zwei Jahrzehnten einer der ersten Politiker in China gewesen, der den Aufbau einer eigenen chinesischen Industrie für E-Autos gefordert hatte. Damals hatte das ein wenig wie Science Fiction geklungen. Heute werden in China mehr E-Autos gebaut als irgendwo sonst auf der Erde.
Doch erst seit letztem Jahr hat das Thema Wasserstoff in China so richtig an Fahrt gewonnen. Das Versprechen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, China werde bis zum Jahr 2060 klimaneutral wirtschaften, wirkte wie ein neuer Startschuss. Überall wird nun viel Geld in Wasserstoff-Projekte investiert, auf allen Ebenen fördert die Regierung Investitionen in industrielle Pilotanlagen und in die Forschung & Entwicklung.
Hatte die chemische Industrie des Landes vorher allenfalls auf mögliche Profite mit Wasserstoff geschielt, sollte die Nachfrage danach daheim oder international steigen, so ist nun ein ganz anderer Aspekt in den Vordergrund gerückt: Wasserstoff als potenziell dekarbonisierender Energieträger, der sowohl für die Produktion energieintensiver Industrien wie die Stahl- und Zementindustrie, als auch als Treibstoff – zunächst für Nutzfahrzeuge, später auch für PKW – im Transportsektor mithelfen könnte, Chinas ehrgeiziges Klimaziel zu erreichen.
Dazu gibt es jedoch noch eine Reihe von Hürden zu überwinden, sowohl technologischer wie kommerzieller Art. Weil China reich an Kohle ist, werden zur Zeit mehr als 60 Prozent des chinesischen Wasserstoffs mit Kohle produziert. Naturgas spielt eine vergleichsweise kleinere Rolle, da China da im Vergleich zur Kohle weniger natürliche Vorkommen hat, auch sind da die Prozesse zur Produktion von Wasserstoff etwas teurer.
In den in China mehrheitlich zum Einsatz kommenden Kohle-zu-Wasserstoff-Anlagen wird durch Reformierung zunächst Kohle vergast. Der Wasserstoff wird dann von dem Kohlenmonoxid im dem daraus resultierenden, „Wassergas“ genannten Gasgemisch getrennt. Das ist sehr billig, aber nicht sehr klimafreundlich.
Nun aber soll die gesamte Industrie Schritt für Schritt von „grauem Wasserstoff“ auf „grünen Wasserstoff“ umgestellt werden. Dazu werden großvolumige Anlagen zur Wasserelektrolyse gebraucht, die am besten mit Strom aus erneuerbaren Energie wie Sonnen- oder Windkraft betrieben werden. Momentan werden nur rund vier Prozent des Wasserstoffs in China auf diese Art und Weise hergestellt, weil die Kosten um ein Vielfaches höher sind als bei der Gewinnung aus Kohlevergasung.
Es wird mehrere Jahre dauern, möglicherweise sogar ein Jahrzehnt, doch die Marschrichtung steht seit etwa einem Jahr eindeutig fest. „Der Weg wird von grauem zu grünem Wasserstoff führen, und das Ziel ist eine kostengünstige Massenproduktion von Wasserstoff”, heißt es in einem Marktbericht der China Petrochemical Industry Alliance, in dem die führenden Chemiekonzerne Chinas den Ton angeben.
Stand: 08.12.2025
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In anderen Ländern sind die Kosten der Wasserelektrolyse das größte Hindernis bei der Kommerzialisierung der Technologie. China aber hat eine besondere, bislang ungenutzte Ressource, mit der das Problem in den kommenden Jahren gelöst werden könnte, glauben Experten in China.
In den menschenleeren Nord- und Nordwestprovinzen Chinas wie der Inneren Mongolei, Heilongjiang oder Xinjiang sind bereits riesige Photovoltaik-Anlagen entstanden. Die Einspeisung des dort produzierten Stroms in das staatliche Netz und der Transport der Energie über tausende von Kilometern ist derzeit aber noch lückenhaft umgesetzt. Ähnliches gilt für die Windkraft.
Eine Reihe von chinesischen Forschungsprojekten untersucht gerade, ob die Umwandlung dieser erneuerbaren Energien in Wasserstoff im kommerziellen Maßstab möglich wäre. Auf diese Entwicklungsrichtung setzt man in China neuerdings große Hoffnungen, denn Wasserelektrolyse-Anlagen sind dort ohnehin schon billiger zu bauen als im Rest der Welt. Und die nötigen Skaleneffekte zum Drücken des endgültigen Preises von grünem Wasserstoff hätte man auch.
Zur gleichen Zeit haben großen Staatsbetriebe der petrochemischen Industrie in China damit begonnen, neue Geschäftsfelder rund um den Wasserstoff aufzubauen. Sie erstrecken sich über sämtliche Wertschöpfungsketten mit Wasserstoff, sind zu zahlreich, um hier aufgezählt zu werden. Einige Beispiele: Sinopec, das derzeit bereits rund drei Millionen Tonnen Wasserstoff produziert, hat im November 2019 eine Kooperation mit dem französischen Gaskonzern Air Liquide begonnen, in der es um verschiedene Anwendungen von Wasserstoff in der Industrie und im Straßenverkehr geht.
Sinochem erforscht sämtliche derzeit bekannte Methoden zur Gewinnung von Wasserstoff – etwa durch Kohlevergasung, durch die Weiterverarbeitung von chemischen Nebenprodukten, durch Elektrolyse – und investiert schon jetzt in Anlagen zur Lagerung und zum Transport großer Mengen von Wasserstoff.
Petrochina, dass sich als erstes der großen Petrochemiekonzerne Chinas zum Ziel gesetzt hat, bis 2050 klimaneutral sein zu wollen, hat im vergangenen Sommer ein neues Joint-Venture mit der Shenergy Group aus Shanghai zur Kommerzialisierung von Wasserstoffprojekten gegründet.
Marktbeobachter in China fragen sich nun, ob China nun bald mit dem Wasserstoff wiederholen wird, was es bereits mit der Solarenergie getan hat: Durch zielstrebige staatliche Investitionen und massive Skaleneffekte könnten die Kosten für die Wasserelektrolyse innerhalb weniger Jahre so weit gedrückt werden, dass aus der jetzigen Nischentechnologie ein weltweit ernst zunehmender Teil im Energiemix wird.
Für das Weltklima wäre das eine hervorragende Nachricht. Allerdings würde China damit auch zu einem sehr gefährlichen Konkurrenten für all jene Volkswirtschaften, die sich vom Wasserstoff neue Wachstumsimpulse für ihre eigenen Industrien erhoffen. Da insbesondere Deutschland und Europa seit kurzem ihr Herz für den Wasserstoff entdeckt haben, dürften die in Peking getroffenen Entscheidungen in Brüssel und Berlin in diesem Bereich mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.