Flexible Arbeitsmodelle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Gender Pay Gap – diese Themen werden häufig im Zusammenhang mit Frauenanteilen in Unternehmen diskutiert. PROCESS fasst zum Weltfrauentag zusammen, wo die Prozessindustrie steht – und wie Unternehmen mit konkreten Maßnahmen versuchen, mehr Frauen für technische Berufe und Führungspositionen zu gewinnen.
In vielen technischen Funktionen liegt der Frauenanteil weiterhin bei etwa 20 Prozent.
(Bild: Spiegltec)
Am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert – auch in der Prozessindustrie. Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Chemie und Energie nutzen den Tag zunehmend, um Fortschritte bei Gleichberechtigung und Diversität sichtbar zu machen. Mentoringprogramme, transparente Karrierepfade und flexible Arbeitsmodelle gehören inzwischen zu den zentralen Instrumenten, mit denen Unternehmen versuchen, den Frauenanteil in technischen Berufen und Führungspositionen zu erhöhen.
Unterschiedlicher Frauenanteil in den Branchen
Der Frauenanteil in der Industrie ist je nach Branche unterschiedlich ausgeprägt. Während die forschende Pharmaindustrie vergleichsweise weit ist, besteht in klassischen Chemie- und Technikberufen weiterhin Nachholbedarf.
In der deutschen Pharmaindustrie liegt der Frauenanteil laut Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) bei rund 40 Prozent. Zudem wird fast jede dritte Führungsposition von einer Frau besetzt. Damit gehört die Branche zu den attraktiveren Arbeitsfeldern für Frauen. Studien zeigen auch, dass pharmazeutische Kernberufe für Frauen besonders interessant sind, da sie häufig interdisziplinär ausgerichtet sind und vielfältige Karrierewege ermöglichen.
In der Chemiebranche dagegen ist der Frauenanteil deutlich geringer. In vielen technischen Funktionen liegt er weiterhin bei etwa 20 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil von Frauen in Führungspositionen langsam an. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Frauen in Vorstände berufen, wodurch ihr Anteil in den Chefetagen der Branche inzwischen über ein Viertel erreicht.
Branchenübergreifend liegt der Frauenanteil in der Industrie insgesamt bei rund einem Drittel. Unternehmen sehen darin sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance – denn mehr Diversität gilt zunehmend als wichtiger Faktor für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Unternehmenskultur und Karriereförderung
Ein zentraler Ansatz vieler Unternehmen besteht darin, Gleichberechtigung strukturell in der Unternehmenskultur zu verankern. Dazu gehören transparente Karrierewege, gezielte Förderprogramme und Mentoring.
Der österreichische EPCMV-Dienstleister Spiegltec setzt nach eigenen Angaben auf eine offene Unternehmenskultur, die Chancengleichheit als festen Bestandteil des Arbeitsalltags versteht. Mit einem Frauenanteil von rund 22 Prozent bewegt sich das technische Planungsunternehmen in einem für die Branche vergleichsweise soliden Bereich, sieht jedoch weiterhin Entwicklungspotenzial. „Bei Spiegltec steht Kompetenz im Fokus. Ich konnte früh Verantwortung in anspruchsvollen Projekten übernehmen und mich dadurch fachlich wie persönlich weiterentwickeln“, sagt Manuela Neumeier, Team Lead Process & Mechanical Engineering am Standort Leipzig.
Das Unternehmen setzt dabei auf transparente Entwicklungsperspektiven, regelmäßige Gespräche zur beruflichen Weiterentwicklung sowie die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitenden in anspruchsvolle Projekte. Auch Mentoring im Team spielt eine wichtige Rolle.
Flexible Arbeitsmodelle als wichtiger Faktor
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade in technisch geprägten Branchen wird dies zunehmend als entscheidender Faktor gesehen, um qualifizierte Fachkräfte langfristig zu halten. Bei Spiegltec gehören flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten und Gleitzeitmodelle zum Standard. Solche Modelle sollen es ermöglichen, Karriere und private Lebensphasen besser miteinander zu vereinbaren.
„Ich möchte als alleinerziehende Mutter meinen Kindern gerecht werden und gleichzeitig einem anspruchsvollen technischen Beruf nachgehen“, erklärt Christine Skrabl aus dem Bereich Process & Mechanical Engineering bei Spiegltec. Flexible Arbeitsmodelle seien dabei ein entscheidender Faktor.
Gleichberechtigung messbar machen
Auch im Mittelstand wird Gleichstellung zunehmend systematisch gemessen. Das OTC-Unternehmen Engelhard setzt beispielsweise auf transparente Gehaltsstrukturen und regelmäßige Überprüfungen der Vergütung. Der Gender Pay Gap im Unternehmen liegt bei nur 1,8 Prozent und damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 16 Prozent. Zudem sind von 27 Managementpositionen derzeit elf mit Frauen besetzt – ein Anteil von etwa 41 Prozent, der deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von weniger als einem Drittel liegt.
Stand: 08.12.2025
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Mehrere Frauen haben in den vergangenen Monaten neue Führungsrollen bei Engelhard übernommen, darunter Ann-Katrin Frank als Chief Commercial Strategy Officer sowie Andrea Wagner als Director Human Resources. Ihre Aufgaben reichen von der strategischen Unternehmensentwicklung bis zur Digitalisierung von HR-Prozessen.
Nachwuchs früh fördern
Neben internen Programmen setzen viele Unternehmen – so auch Spiegltec – verstärkt auf Nachwuchsinitiativen. Kooperationen mit Schulen, Praktika oder Veranstaltungen wie der Girls’ Day sollen Mädchen frühzeitig für technische Berufe begeistern. Nach Ansicht vieler Branchenvertreter ist dies ein entscheidender Hebel: Wenn mehr junge Frauen MINT-Fächer wählen, könnte sich langfristig auch der Frauenanteil in technischen Berufen deutlich erhöhen.
Vielfalt als Innovationsfaktor
Die Prozessindustrie steht angesichts von Digitalisierung, Energiewende und Fachkräftemangel vor tiefgreifenden Veränderungen. Viele Unternehmen sehen deshalb in Diversität nicht nur eine gesellschaftliche Verpflichtung, sondern auch einen wirtschaftlichen Vorteil.
Der Weltfrauentag dient dabei zunehmend als Anlass, Fortschritte sichtbar zu machen – und gleichzeitig zu zeigen, dass der Weg zu echter Gleichberechtigung in vielen technischen Branchen noch nicht abgeschlossen ist.