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Chemieproduktion von Morgen

Warum und wie Nachhaltigkeit die Zukunft der Chemieindustrie sichern soll

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Alles grün, oder was ...?

Die Mehrzahl der Chemieunternehmen als „grüne“ Unternehmen zu bezeichnen, ginge einem engagierten Umweltschützer vielleicht etwas zu weit. Viele von Ihnen arbeiten aber stetig an Verbesserungen, so auch Krämers Unternehmen Ineos. Der Konzern hat eine zentraleuropäische Gruppe, das „Carbon and Energy Network“, die strategische Überlegungen zu diesen Themen betreut. Viele Standorte haben Beauftragte für Energiemanagement – oft in Verbindung mit dem Business Development.

„Die großen Herausforderungen werden in Zukunft in der Forderung der Politik nach einer Dekarbonisierung der Gesellschaft liegen und dem Anteil, den die Chemieindustrie hier hat“, ist sich Krämer sicher. Der Chemieingenieur ist seit 2016 Obmann des „Namur-Arbeitskreises 4.17 Energieeffizienz“. Der Dialog mit anderen Gremien – wie dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) – und Best Practice Sammlungen spielen im Arbeitskreis eine zentrale Rolle.

Forschungsprojekt More soll helfen, Potenziale zu heben

In Unternehmen, in denen früher noch die steuer- und EEG-umlagenrelevante Energiemanagement-Norm ISO 50001 das Nonplusultra war, spielen heute ganzheitliche Ressourceneffizienz-Programme eine wichtige Rolle. Energiemanagementsysteme sind mittlerweile in den meisten Chemieunternehmen etabliert. Die Namur geht hier einen Schritt weiter und kooperiert mit dem Ressourceneffizienz-Projekt More. Das steht für „Real-time Monitoring and Optimization of Resource Efficiency in Integrated Processing Plants“. Auch dort ist Krämer involviert und koordiniert die industrielle Anwendung des Forschungsprojekts bei den Partnerunternehmen.

Zusammen mit der Technischen Universität Dortmund und dem Beratungsunternehmen Inno TSD erstellen die Mitarbeiter von Oktober 2013 bis Februar 2017 Indikatoren, um Prozesse in Echtzeit zu verbessern und Ressourcen zu sparen. Diese Echtzeit-Ressourcen-Effizienz-Indikatoren (REIs) werden automatisch auf der Basis von Produktionsdaten ermittelt und können in der Anlagensteuerung eingesetzt werden.

Ein weiteres Unternehmen, das als Industriepartner dieses Projekt unterstützt, ist BASF mit der „Personal Care and Nutrition“-Sparte. Der Chemieriese schreibt sich das Thema Nachhaltigkeit offensiv auf die Fahnen und bekundet sein Selbstverständnis mit dem Slogan „We create chemistry for a sustainable future“. Für den Weltkonzern steht Gunther Windecker für den Standort Ludwigshafen bei diesem Thema in der Pflicht. Der Verfahrensingenieur ist Teamleiter für Energiemanagement und -effizienz und war Obmann-Vorgänger von Krämer im Namur-Arbeitskreis. Auch er spürt einen Wandel in der Herangehensweise der Unternehmen: „BASF betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette eines Produktes. Für Produktionsstandorte spielt die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Aus meiner Sicht ist die nachhaltige Umsetzung der ISO 50001 und der Erhalt der Zertifizierung ein entscheidendes Element hierfür.“

Großer Fundus an Best-Practice-Beispielen bei BASF

Die Begrenzung der spezifischen Treibhausgasemissionen und die Erhöhung der Energieeffizienz sind bereits seit längerem als Unternehmensziel verankert. Mittlerweile hat der BASF-Vorstand beschlossen, in den kommenden vier Jahren 90 % seines weltweiten Primärenergiebedarfs nach ISO 50001 zertifizieren zu lassen.

„Allein am Standort Ludwigshafen sind 120 Betriebscluster nach ISO 50001 zertifiziert. Hieraus ergibt sich natürlich ein großer Fundus an Best-Practice-Beispielen, die für andere Betriebe von Interesse sein können. Hier bietet die Etablierung eines zentral gelenkten Energiemanagements große Vorteile, da dieses entsprechend als Datendrehscheibe fungiert“, erklärt Windecker die Vorgehensweise im Unternehmen. Dieses gelte natürlich dann auch wieder im globalen Rahmen, in dem die Beispiele weltweit den mehr als 1000 Produktionsanlagen zur Verfügung gestellt werden. Dabei kann es sich von Konzepten für effiziente Beleuchtung mit LED-Technik über Wartung, elektrische Antriebslösungen und Drucklufterzeugung bis hin zu modellprädiktiven Regelungen von ganzen Anlagen auf Seiten der Verbraucher handeln.

Der Trend geht zu Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Wärmeintegration und modernen Gas- und Dampfkraftwerke. Mehr auf der nächsten Seite ...

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