Explosionsschutz – Kernthema der Prozessindustrie

Vorsicht: Explosiv! Ex-Zonen, Eigensicherheit, Zündschutzarten – Was Sie wissen sollten

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Die neue Atex-Richtlinie 2014/34/EU

Seit dem 20. April 2016 gilt die neue Atex-Herstellerrichtlinie 2014/34/EU. Sie enthält neue Anforderungen bezüglich des Anwendungsbereichs, der Begrifflichkeiten, der Bereitstellung am Markt, der Akkreditierung von Prüfstellen und der Marktüberwachung. Die Herstellerpflichten hinsichtlich der Gerätekennzeichnung und der Benutzerinformationen wurden erweitert. Mit der neuen Explosionsschutzprodukte-Verordnung vom 6. Januar 2016 wurde die neue Atex-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt.

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„Grundsätzlich geht es bei der neuen Atex-Richtlinie 2014/34/ EU um eine Anpassung der Richtlinie an die im Wesentlichen eher formalen Anforderungen des Beschlusses Nr. 768/2008/EG, ohne die Richtlinie jedoch gegenüber der alten Atex-Richtlinie 94/9/ EG substantiell zu ändern“, so die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI). Die gute Nachricht: Alle Geräte, die bis zum 19. April 2016 zertifiziert wurden, mussten keiner erneuten Prüfung unterzogen werden. Die Richtlinie 2014/34/EU gilt lediglich für neue Produkte.

Außerdem ist zu beachten: Die Anlagenbetreiber können unter Umständen zu „Herstellern“ werden und unterliegen damit ebenso der neuen Atex-Richtlinie 2014/34/EU. Das bezieht sich auf die Eigenherstellung, die vorher oft nur als Installation betrachtet wurde. Was in der alten Richtlinie ein Graubereich war, ist in der neuen eindeutiger geregelt. Laut PTB sind alle Bereiche, die theoretisch auch in den Verkehr gebracht werden könnten, weil sie beispielsweise beweglich sind, als Eigenherstellung zu betrachten. Neben der Gefährdungsbeurteilung und dem Explosionsschutzdokument, sind dafür dann zusätzlich eine EG-Konformitätserklärung und EG-Baumusterprüfbescheinigung erforderlich.

Die neue Explosionsschutzprodukte-Verordnung definiert den §5 „Allgemeine Pflichten des Herstellers“ so: „Der Hersteller stellt sicher, wenn er Produkte in den Verkehr bringt oder für eigene Zwecke erstmals verwendet, dass sie nach dem wesentlichen Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen gemäß Anhang II der Richtlinie 2014/34/EU entworfen und hergestellt wurden.“ Damit ist gemeint, dass die entsprechenden Unterlagen vor der Inbetriebnahme vollständig sein müssen.

Für sogenannte „benannte“ Stellen resultieren aus der neuen Atex-Richtlinie höhere Anforderungen u.a. in Bezug auf Prüfmöglichkeiten und -equipment, die nun in Brüssel nachgewiesen werden müssen. Außerdem werden höhere Anforderungen an die Marktüberwachung gestellt. Die Marktaufsichtsbehörde wird gestärkt. Jeder Wirtschaftsakteur, auch der Händler, muss der Marktaufsichtbehörde Auskunft darüber geben können, von wem er ein Produkt bezogen und an wen er es verkauft, hat.

* Die Autorin ist Mitarbeiterin der Wago Kontakttechnik GmbH & Co. KG in Minden.

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