Barrieretechnologien

Vom Reinraum zu RABS und Isolator

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Die aseptische Qualität und der Bedienerschutz

Unter den RABS-Varianten und den Isolatoren ist der mit einem Isolator erzielbare SAL (Sterility Assurance Level) der beste. Hier sind nicht nur Barrieretechnologien vorhanden, es findet zusätzlich ein automatisierter, sicherer Bio-Dekontaminationsprozess statt. Die Isolator-Lösung wird gegenüber dem RABS von der amerikanischen FDA tendenziell bevorzugt.

Werden hochwirksame Arzneimittel verarbeitet, stellt sich gleichfalls die Frage nach dem Bedienerschutz. Auch hier gilt der Isolator als die sicherste Lösung. Eine Alternative können zudem die aktiven cRABS sein, bei denen es sich ebenfalls um geschlossene Systeme mit vergleichbaren Leckraten handelt. Abhängig von den OEL-Werten (Occupational Exposure Limit) und weiteren maschinen- oder gebäudeseitigen Schutzmaßnahmen bieten auch die cRABS einen geeigneten Schutz.

Vor- und Nachteile der Barrieretechnologien

Sofern nicht die aseptische Qualität und/oder der Bedienerschutz per se ein Isolatorsystem nahe legen, sind im Rahmen der Entscheidung weitere Faktoren zu berücksichtigen. Eine der zu klärenden Fragen betrifft die Umkleideprozeduren, die im Zusammenhang mit den Barrieretechnologien einzuhalten sind. Die immer in einem Reinraum installierten RABS-Technologien erfordern zwingend, die entsprechenden Bekleidungsvorschriften einzuhalten, um so den Menschen als potenzielle Kontaminationsquelle ausschließen zu können. Der Umkleideprozess ist für Bediener im Reinraum wesentlich zeitaufwändiger als für die Bediener von Isolatormaschinen.

Die Anforderungen an das Personal im Hinblick auf die Bedienung sind ebenfalls unterschiedlich. Die standardisierten Abläufe (SOPs), die innerhalb eines Reinraums zu beachten sind, sind zahlreich, jedoch einfach zu lernen. An einem RABS im Reinraum sind darüber hinaus weitere Handlingschritte einzuhalten, die die Transfereinrichtungen für das pharmazeutische Produkt und Materialien sowie die Handschuheingriffe betreffen. Die Bedienung einer Isolatormaschine führt zu Anforderungen, die nochmals deutlich darüber hinaus gehen. Neben den vorgenannten Anforderungen sollte hier beim Bediener zusätzlich ein Verständnis der automatisierten Prozessabläufe vorhanden sein, einschließlich der Dekontaminationseinrichtungen. Die mit der komplexeren Automatisierung einhergehende erweiterte Bedienersoftware bringt ebenfalls erhöhte Anforderungen mit sich, die in Schulungen und Trainings dem Bedienpersonal zu vermitteln sind.

Einfluss auf die Flexibilität betrieblicher Abläufe

Die Art des Containments hat wesentlichen Einfluss auf die Flexibilität der betrieblichen Abläufe. Nicht nur im Hinblick auf die Umkleideprozeduren des Personals, insbesondere auch wegen der vorgegebenen automatisierten Prozessabläufe an den Maschinen bzw. den Eingriffsmöglichkeiten der Bediener. Bei den RABS-Systemen können bei Bedarf Türen geöffnet werden, beispielsweise um abzuräumen, um Fehler zu beheben und zu desinfizieren. Nach dem Desinfizieren und Schließen der Türen kann dann wieder weiterproduziert werden. Die Oberflächen im RABS werden meist manuell gereinigt. Häufig verfügen die Füllsysteme im RABS ergänzend über eine automatisierte Reinigung und Sterilisation (CIP/SIP). Bei Isolatorsystemen können zum Rüsten und Vorbereiten eines Batches bzw. einer Kampagne die Türen geöffnet werden. Im Anschluss daran sind zwingend die automatisierten Biodekontaminationsprozesse sowie die CIP/SIP-Prozesse einzuhalten, die zeitintensiv sind. Hinsichtlich des Partikel- bzw. mikrobiologischen Monitorings ist bei RABS und Isolatoren wiederum der identische Aufwand zu betreiben.

Vergleich der Investitionskosten

Sind bereits bauseitig Reinräume vorhanden oder nicht? Um die für RABS-Anlagen erforderliche Reinraumklasse B erreichen zu können, muss in Gebäude- und HVAC-Technik investiert werden. Hier sind die Gebäude-Investitionskosten für RABS-Systeme hoch, sie müssen auf die RABS-Anlagen umgelegt werden. Vergleicht man hingegen die reinen Maschinen-Investitionen – unabhängig von den Gebäudekosten – so sind RABS-Systeme im Vergleich zu Isolatoren günstiger.

Bei den Betriebskosten fallen bei RABS-Systemen nicht nur die aufwändigen Umziehprozeduren ins Gewicht. Außerdem sind hier die Monitoringkosten und insbesondere auch die Energiekosten der HVAC-Gebäudetechnik zu beachten, die sich spürbar auswirken. Bei Isolatoren sind hingegen häufige Formatwechsel mit den vorgegebenen zeitintensiven Dekontaminationszyklen ein Faktor, der die Betriebskosten schnell in die Höhe treiben kann.

Der Validierungsaufwand ist bei Installation einer Isolator-Anlage hoch, da hier insbesondere auch die automatische Dekontaminierung zu qualifizieren und zu bewerten ist. Zudem handelt es sich bei Isolatormaschinen um komplex automatisierte Systeme mit ebenfalls entsprechend hohem Validierungsaufwand. Bei beiden Systemen, auch bei den RABS-Systemen, sind die Transferprozesse für Produkt und Materialien darzustellen und zu bewerten.

* J. Rothbauer und J. Schäfer sind beide Managing Director bei der Optima Group Pharma, Schwäbisch Hall.

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