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Modularer Anlagenbau

So wird man als Industriedienstleister zum Spezialisten für modulares Engineering

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Und das Potenzial ist noch lange nicht erschöpft: Noch ist das personalintensive Instandhaltungsgeschäft mit 23.000 Mitarbeitern mehr als doppelt so groß wie die Engineering-Sparte des Konzerns (9000 Mitarbeiter), doch sollen neue Technologien und ganzheitliche Systemlösungen für Wachstum sorgen. Dabei hat die Unternehmensführung besonders den Pharmamarkt als Wachstumstreiber ausgemacht: Dieser führt zwar, gemessen an den Konzern-Umsätzen, mit lediglich 5 % derzeit ein Nischendasein, soll aber mit neuen Investitionen deutlich ausgebaut werden. Langfristig könne man „stärker als der Markt wachsen“, erklärte Bilfinger-CEO Tom Blades.

Produktion vorgefertigter Prozess-Skids läuft auf Hochtouren

Entsprechend wollen die Mannheimer in diesem Bereich zulegen: In Salzburg bezog die Firma im April 2017 eine neue 12.000-Quadratmeter Montagehalle im Gewerbepark Puch/Urstein. Schon jetzt läuft dort die Produktion der vorgefertigten Prozess-Skids für die Biopharmaindustrie auf Hochtouren. Doch auch sogenannte Spools, also Rohrgebilde mit Armaturen, oder Piping-Modul-Baugruppen entstehen unweit der Salzach. Unlängst verbuchten die Salzburger drei Großaufträge internationaler Pharmafirmen für insgesamt 60 Millionen Euro, in deren Rahmen über 600 km Rohre gefertigt und Anlagen mit 50 Metern Länge montiert wurden.

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Dabei stehen die Anlagen aus dem Baukasten in Konkurrenz zu Single-Use-Bioreaktoren: Der Einsatz vorsterilisierter Kulturbeutel kommt ohne aufwändige Reinigung aus und vermindert das Kreuzkontaminations-Risiko. Dennoch hat das Konzept auch Nachteile: Nicht nur, dass das Volumen aufgrund der geringeren Stabilität der Beutel auf etwa 1000 Liter beschränkt ist, auch sind die sogenannten Leachables und Extractables – also alle Substanzen, die aus dem Kunststoff des Beutels in das Prozessmedium migrieren können – bekannte Schwachstellen des Einwegreaktors.

Hat der Einwegreaktor bei Laborprozessen die Nase vorne, fühlt sich das Edelstahl-Skid in der Produktion am wohlsten, erklärt Tobias Eitel, Geschäftsführer von Bilfinger Industrietechnik Salzburg. Damit dass so bleibt, engagieren sich die Österreicher in Sachen Forschung und Entwicklung: So entwickelt ein gemeinsames Projekt mit der Universität für Bodenkultur Wien eine Softwareplattform für eine QbD-/PAT-konforme Biopharma-Produktionsplattform. Im Fokus: das Verständnis für die Qualitätsfaktoren von Bioprozessen. Von der Modellierung zum Soft-Sensor soll die Plattform bei Entwicklung und Optimierung von Pharmaprozessen helfen.

Und nicht nur biotechnologische Prozesse sollen von Skid-Lösungen profitieren: Bilfinger bietet auch Module zur Prozess- und Reinstwasserversorgung sowie Medienbereitstellung. Auch im Downstreambereich – und hier speziell beim Thema Filtrationseinheiten – wollen die Industriedienstleister mit neuen Produktentwicklungen punkten. Mehr als ein Hausmeister für die Anlage und integrierter als ein reiner Technologie-Anbieter sieht sich das Unternehmen gut gerüstet für die Herausforderungen der Produktion von morgen.

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 Dominik Stephan

Dominik Stephan

Redakteur, PROCESS - Chemie | Pharma | Verfahrenstechnik