Chinas Energiesektor und die petrochemische Industrie des Landes bereiten sich auf eine Zukunft mit weniger fossilen Brennstoffen vor. Die „Entwicklung von nicht-fossiler Energie” solle ab jetzt Priorität genießen, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Weißbuch der chinesischen Regierung, dessen wichtigste Punkte PROCESS (China) in einer Analyse zusammenfasst.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Peking/China – Weißbücher sind wichtige Propaganda-Veröffentlichungen der chinesischen kommunistischen Staats- und Parteiführung. Sie sind voller Absichtserklärungen und sollten mit Vorsicht gelesen werden. Allerdings folgen nationalen und provinzielle Regierungen den in diesen Weißbüchern definierten Zielen oft mit konkreten politischen Maßnahmen.
Das jüngste Weißbuch mit dem Titel „Energie in Chinas neuer Ära“, veröffentlicht am 21. Dezember vom Staatsrat, dem höchsten Gremium der chinesischen Regierung, gibt daher wichtige Aufschlüsse über den künftigen Kurs der chinesischen Energie-Transformation und die Rahmenbedingungen für seine petrochemische Energie in der Folge der globalen Covid-19-Krise.
„China räumt nicht-fossilen Energien in seiner Entwicklung Priorität ein und fördert energisch den Ersatz kohlenstoffreicher durch kohlenstoffarme Energie, sowie den Ersatz fossiler Energie durch erneuerbare Energien”, zitiert PROCESS (China) aus dem Weißbuch. Die Solarenergie solle weiter ausgebaut werden und die Einspeisung von Solarstrom in das Stromnetz des Landes verbessert werden, heißt es in dem Weißbuch.
Die Energiegewinnung durch Wind, Wasser, Biomasse und andere erneuerbare Energiequellen soll ebenfalls weiter ausgebaut werden, auch der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger gefördert werden. Viele der Ziele signalisieren damit eine stabile und vorsichtige Fortsetzung der chinesischen Energiepolitik der vergangenen Jahre – ein Abweichen von Chinas allmählicher und stetiger Energiewende hin zu erneuerbaren Energiequellen aufgrund der Coronakrise ist ebenso ausgeblieben wie drastische Beschleunigungen dieser Energiewende wie sie von Umweltschützern gefordert wird.
Klar wird diese Kontinuität auch in der Position des Weißbuches zum Einsatz von Kohle für Chinas Energieproduktion. „Kohle bleibt die grundlegende Energiequelle” Chinas, zitiert die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus dem Weißbuch. Chinas jährliche Produktion von roher Kohle bewege sich seit 2012 zwischen 3,41 und 3,97 Milliarden Tonnen, schreibt Xinhua.
Zwar reduziert China ganz allmählich den Gesamtanteil von Kohle im Energiemix des Landes. Im Jahr 2019 war Kohle noch für 57,7 Prozent der in China produzierten Energie verantwortlich. Im neuen Jahr soll dieser Anteil Regierungsplänen zufolge weiterhin ganz leicht gesenkt werden, auf 57,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es noch 68,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum sei der Anteil nicht-fossiler Energiequellen in Chinas Energiemix von 9,7 auf 15,3 Prozent gewachsen, ist dem neuen Weißbuch zu entnehmen.
Gleichzeitig investiert China jedoch weiterhin massiv in neue Kohlekraftwerke. China ist bereits der weltweit größte Konsument von Kohle – auch der größte Klimasünder in Sachen Kohlendioxid-Emissionen. Trotzdem seien zur Zeit rund 250 Gigawatt an neuen, zusätzlichen Kohlekraftwerken in Planung – mehr als die gesamte Kapazität der USA und genug, um ganz Deutschland mit Energie zu versorgen, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters im vergangenen Jahr aus einer Studie internationaler Energieinstitute.
Das Weißbuch geht darauf wenig ein, betont hingegen Chinas Absicht, immer mehr „saubere“ Kohlekraftwerke zu errichten. Das Weißbuch fordere die „energische Förderung von sicherer, intelligenter und grüner Förderung und Nutzung von Kohle”, schreibt PROCESS (China).
Kritiker fragen, wie der Bau von weiteren Kohlekraftwerken mit den von Chinas Präsident Xi Jinping im vergangenen September angekündigten, ambitionierten Klimaschutzzielen Chinas zusammenpasst. Die Volksrepublik wolle schon im Jahr 2060 kohlenstoffneutral wirtschaften und den Höhepunkt seiner Kohlendioxid-Emissionen im Jahr 2030 erreichen, hatte Xi angekündigt.
Tatsächlich versucht China verschiedene Ziele miteinander in Einklang zu bringen, darunter den Umweltschutz in seinen notorisch von Smog heimgesuchten Metropolen und ehrgeizige Pläne, zum Weltmarktführer bei grünen Technologien aufzusteigen, auf der anderen Seite aber auch die Sicherstellung der Energieversorgung seiner Milliardenbevölkerung und rasch expandierenden Wirtschaft. Kohle wird noch immer als verlässliche, heimisch generierbare und damit auch von geopolitischen Spannungen unabhängige Energiequelle gesehen, von der sich China nur schrittweise und langsam abkehren kann.
Auch die heimische Ölproduktion bleibt daher stabil und wird für das laufende Jahr von amtlichen Quellen auf 193 Millionen Tonnen geschätzt. Die „Produktion neuer Ölquellen im Westen” des Landes soll ebenso beschleunigt werden wie die Erschließung von Offshore-Ressourcen von Öl und Gas in der Bohai-Bucht, dem ostchinesischen- und südchinesischen Meer, heißt es in dem neuen Weißbuch.
Stand: 08.12.2025
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Dennoch trete Chinas petrochemische Industrie nun in eine „kritische Periode der Transformation hin zu kohlenstoffarmen” Alternativen ein, kommentiert die chinesische Wirtschaftszeitung Jingji Ribao. Nicht nur würden nicht-fossile Energieträger ständig an Bedeutung gewinnen, auch werde sich im Laufe der kommenden fünf Jahre „die Wachstumsrate der Ölnachfrage wesentlich verlangsamen und einem Höhepunkt nahekommen”, so die Wirtschaftszeitung.
Chinas führende petrochemische Konzerne hätten die Zeichen der Zeit erkannt, schreibt die Zeitung South China Morning Post. So habe Sinopec begonnen, Allianzen mit den vier größten Solarenergie-Unternehmen Chinas zu schmieden, um „grüne Wasserstoffprojekte“ zu entwickeln. „Die Transformation hin zur Wasserstoffenergie sollte Sinopec helfen, der erodierenden Wettbewerbsfähigkeit von fossilen Brennstoffen zu trotzen”, schreibt das Blatt. Der Ölgigant habe es sich nun zum Ziel gesetzt, zum größten Anbieter von Wasserstoffenergie zu werden, berichtet die South China Morning Post.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.