China Market Insider Sinopec entwickelt neues Rohöl-zu-Chemie-Verfahren

Von Henrik Bork

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Der chinesische Petrochemiekonzern Sinopec hat ein neues Verfahren zur direkten Umwandlung von Rohöl in Chemikalien entwickelt. Das neue „Crude Oil to Chemicals“ – oder COTC-Verfahren sei ein wichtiger technologischer Durchbruch, berichtet PROCESS (China). China entwickele sich damit zum globalen Technologieführer beim katalytischen Cracken von Rohöl.

Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.(Bild:  ©sezerozger - stock.adobe.com)
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
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Peking/China – Der neue COTC-Prozess, an dem das „Sinopec Research Institute of Petroleum Processing“ bereits seit einiger Zeit geforscht hat, sei nun von der Sinopec-Tochter „Yangzhou Petrochemical“ erstmals im industriellen Maßstab getestet worden, schreibt PROCESS in Peking unter Berufung auf Sinopec. Die Testergebnisse zeigten, dass dabei die chemische Ausbeute an kohlenstoffarmen Olefinen und aromatischen Kohlenwasserstoffen gegenüber herkömmlichen Verfahren um mehr als 50 Prozent höher liege, hieß es.

In solchen COTC-Prozessen, bei denen Rohöl direkt zu Chemikalien verarbeitet wird, sehen manche Marktbeobachter die „Zukunft der Petrochemie“. Weil die Nachfrage nach Treibstoffen weltweit allmählich sinken wird, ausgelöst durch die Elektrifizierung der Autoindustrie und ähnliche Trends, der Bedarf an Chemikalien aber weiterhin steigt, suchen petrochemische Konzerne weltweit nach alternativen Geschäftsmodellen für ihre Raffinerien. Mit COTC avancieren Chemikalien zum Hauptprodukt von Raffinerien, die damit Produkte wie Heizöl und Treibstoffe für Flugzeuge und Fahrzeuge verdrängen.

Beim katalytischen Cracken, wie es nun von Sinopec zur industriellen Reife entwickelt worden ist, können die üblichen atmosphärischen und Vakuum-Destillations-Prozesse der traditionellen Rohölverfeinerung ausgelassen werden, schreibt die chinesische Schwesterredaktion von PROCESS.

Durch die direkte Umwandlung des Rohöls in leichte Olefine und aromatische Kohlenwasserstoffe könne mit dem neuen Prozess unter bestimmten Umständen sogar „eine chemische Ausbeute von bis zu 70 Prozent erreicht werden“, zitiert PROCESS Li Mingfeng, den Direktor des Forschungsinstituts von Sinopec.

Mit dem neuen COTC-Verfahren können also wesentlich mehr Ethylen, Propylen und leichte Kohlenwasserstoffe pro Barrel Öl erzeugt werden als in den modernsten Raffinerie-Verbundstandorten der petrochemischen Industrie. Gleichzeitig können Energieverbrauch und Emissionen beträchtlich gesenkt werden.

Die Forscher von Sinopec hätten in jahrelangen Experimenten mit dem katalytischen Cracken wichtige Detailprobleme gelöst, um „die hocheffiziente Konversion von Molekülen mit beträchtlichen Differenzen in ihrem Verhalten in ein und derselben katalytischen Reaktion” zu bewerkstelligen, schreibt die chemische Industriezeitung Zhongguo Huagong Bao.

Technologischer Durchbruch der Chemieproduktion?

Das Geheimnis des Sinopec-Verfahrens liege unter anderem in der „optimalen Abstimmung von Reaktionstemperatur und katalytischer Aktivität“, schreibt die Chemiezeitung, die das neue Verfahren ebenfalls als „technologischen Durchbruch der Chemieproduktion” chinesischer Konzerne feiert.

Das Rohöl werde bei Sinopec zunächst in leichte und schwere Destillate getrennt, präzisiert ein weiteres Fachmedium der chemischen Industrie in China, die „Zhongguo Huagong Xinxi Zhoukan“. Zwei separate Steigrohr-Reaktoren für das katalytische Cracken setzten anschließend die jeweils optimalen Parameter zur Produktion der hochwertigen Chemikalien um, schreibt das Blatt.

Die technische Schwierigkeit des neuen COTC-Verfahrens resultiere aus der Tatsache, dass die Naphta- und Dieselfraktionen im Rohöl einen höheren Wasserstoffgehalt als die Schweröl-Fraktionen haben, aber dennoch wegen ihrer kleineren Moleküle schwerer zu Cracken seien, schreibt das chinesische Fachmedium. Deshalb seien sehr spezielle Katalysatoren und strikte Prozess-Parameter erforderlich.

Sinopec folgt damit einer technologischen Route der COTC-Entwicklung, die Exxon Mobil seit 2014 in Singapur anwendet und auch von Saudi Aramco aktiv entwickelt wird. Gemeinsam mit dem Petrochemie-Konzern Sabic plant Saudi Aramco eine große Anlage in Yanbu am Ufer des Roten Meeres.

Der Durchbruch von Sinopec scheint die Vorhersage mancher Analysten zu stützen, dass die petrochemische Industrie in den kommenden Jahren zunehmend auf Rohöl fokussiert sein könnte und wieder weniger auf Erdgas als im vergangenen Jahrzehnt.

In China hat auch der Konzern Hengli Petrochemical in der Küstenstadt Dalian bereits ein COTC-Projekt in Betrieb genommen, das auf die maximierte Herstellung von Paraxylol (PX) aus Rohöl ausgelegt ist, auch wenn das technische Verfahren ein anderes ist. Zhejiang Petrochemical investiert ebenfalls in COTC.

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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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