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Aber es läuft denkbar ungünstig für Nabucco – auch deswegen: Zur kürzeren Nabucco-Version gibt es das Konkurrenzprojekt TAP (Transadriatische Pipeline), das über Griechenland durch die Adria nach Italien verliefe. Den Zuschlag für das Gas des Shah-Deniz II-Konsortiums erhielt nach langen Verhandlungen TAP.
Durch TAP gibt es weitere Aufträge für die Armaturenbranche, die sich aber von denen der beiden jüngsten Pipeline-Großprojekte Russlands unterschieden. Die Auslegung der Ventile bei Nabucco wäre vermutlich weniger anspruchsvoll als bei Nord und South Stream, da die Pipeline, die den klangvollen Namen einer Oper Verdis trägt, über Land ginge und kein Meer- oder Seewasser durchqueren müsste.
Russisches Öl für China und die USA
Auf keinen Fall wird jedenfalls Russland in die Röhre gucken. Und das nicht nur wegen Nord und South Stream. Auch nach China, Japan und die USA wird gepumpt, dieses Mal aber Öl. Das letzte Teilstück der insgesamt 4.700 Kilometer langen und umgerechnet gut 20 Milliarden Euro teuren Ostsibirien-Pazifik-Pipeline (Espo) wurde fertiggestellt, sie ist damit die größte der Welt und hat eine Kapazität von jährlich 50 Millionen Tonnen Öl. Vor allem China hatte darauf gedrängt statt bisher 15 Millionen 22 bis 30 Millionen Tonnen zu erhalten. 35 Prozent des Öls gehen an die USA. Damit gelingt es Russland, den amerikanischen Markt in großem Stil zu erreichen.
Apropos USA. Was den Rohöl-Export betrifft, ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine Insel. Denn in den USA sind seit Mitte der 1970er Jahre Rohölexporte per Gesetz grundsätzlich verboten, Ausnahmen werden nur bei zum Beispiel nationalem Interesse genehmigt. Generell erlaubt sind nur Exporte von Mineralölprodukten.
Kein Grund für die USA, Trübsal zu blasen. Denn mit dem verstärkten Einsatz des Frackings, durch das möglich wird, bislang unerreichbare Öl- und Gasvorkommen zu fördern, erleben die Vereinigten Staaten eine imposante Rückkehr zur Energie-Stärke. Laut einer Studie der Internationalen Energieagentur IEA werden die USA ab 2020 wieder zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen, 2015 soll das Land Spitzenreiter Russland beim Erdgas überbieten. Doch die Zeiten werden sich beim Gas wohl peu à peu ändern. Erste US-Unternehmen streben Ausfuhrlizenzen für LNG an.
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