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Einen wichtigen Baustein der Digitalisierungsstrategie bilden VR-Schulungen auch bei Uhlmann. Damit dabei auch keine Reisekosten und -zeiten für die zu trainierenden Produktionsmitarbeiter der Kunden anfallen, setzt der Pharmaanlagenhersteller auf ein virtuelles Trainingssystem mit VR-Brille und Controller. In der Pilotanwendung wird der Anwender mit Hilfe von optischen Anweisungen durch einen Formatwechsel geführt.
Mit 3D-Display eintauchen in die Welt der Großanlagen
VR-Trainings als Ergänzung zum klassischen Operator-Training bieten auch Großanlagenbauer wie Linde an. Hierbei steht das Ziel im Vordergrund, dem zukünftigen Betreiber-Personal lange vor der Inbetriebnahme der Anlage zu ermöglichen, sich auf seiner Anlage zurecht zu finden, und das in einem sicheren Umfeld ohne schwerwiegende Konsequenzen bei Fehlern. Dabei geht es zum Teil um 100 oder mehr Bediener und Techniker. „Eintauchen in diese Welt kann man von überall auf der Welt zu jeder Zeit – auch mit mehreren Personen“, betont Julen Brunel. Dazu brauche es im Wesentlichen lediglich eine VR-Brille mit 3D-Display, zwei Controller und einen leistungsfähigen Rechner und die Technik sei so einfach zu bedienen, dass sogar ein Laie einen Rundgang in der virtuellen Anlage machen könne. „Künftig werden Techniker die Möglichkeiten haben, sich in einem digitalen Zwilling der Anlage zu bewegen und entsprechende Aktionen direkt in der virtuellen Welt auszulösen“, stellt Brunel in Aussicht. Damit sind die Möglichkeiten in der Schulung jedoch noch nicht erschöpft. Auch das Training an der physikalischen Anlage könnte künftig virtuell unterstützt werden – durch Mixed Reality, etwa bei bestehenden Anlagen, für die neues Bedienpersonal eingearbeitet werden soll.
Anlagenbauer und Maschinenhersteller haben also die Nase vorn beim Angebot von VR-Learning-Tools. Das verwundert nicht, da es kaum digitale Lernlösungen von der Stange gibt, die dem Bedarf produzierender Industrieunternehmen entsprechen. Der auf Chemie, Pharma und Biotech spezialisierte „Fachkräfte-Entwickler“ Provadis, eine Tochtergesellschaft von Infraserv Höchst, setzt auf Individuallösungen. Zu den Tools gehören etwa Anlagentrainings mit virtueller Begehung am Bildschirm in der Messwarte. „Provadis geht dabei sehr praxisorientiert vor und bietet mit der virtuellen Anlage am PC, via Tablet oder VR-Brille dort Lösungen, wo sie wirklich gebraucht werden“, sagt Ralph Urban. Dabei geht es nicht nur um das Einüben bestimmter Handgriffe, sondern um Verständnis: etwa, warum der Druck an einer bestimmten Stelle nicht einen gewissen Wert überschreiten darf. „Derartige Informationen“, so Urban, „werden in den Prozess in der virtuellen Anlage integriert und bieten so ein Höchstmaß an Relevanz.“
Wenn es um einen Mix aus Individualität und Digitalisierung geht, hat aber noch eine andere Anbieter-Gruppe gute Karten: Start-ups wie etwa Viscopic aus München. Die immersive Trainingssimulation per Mixed Reality, bei der der Anwender tief in die virtuelle Umgebung eintaucht, lag den drei Gründern besonders am Herzen. Das erste größere Projekt entstand für die DB Netz AG, bei der die Techniker heute einen Weichenantrieb virtuell und explorativ erkunden können. Das Start-up stand ein Jahr nach seiner Gründung finanziell auf eigenen Beinen. Für die Prozess-orientierte E-Learning-Szene aus spezialisierten Fachkräfte-Entwicklern sowie Anlagen- und Maschinenbauern können junge kreative Unternehmen eine echte Bereicherung darstellen – ein Grund mehr, mit Initiativen wie dem ACHEMA-Gründerpreis auf solche Potentiale hinzuweisen.
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