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Exklusiv-Interview: Pumpen

Pumpen und Systeme – Warum eine gewisse Kernkompetenz beim Betreiber wichtig ist

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Unternehmen ab 1000 bis 2000 installierten Pumpen sollten eine Pumpen-Stabsstelle vorhalten

PROCESS: Wie könnte man das Denken in Systemen in der Praxis befördern?

Leuchtenberger: In Systemen zu denken, ist nicht allein die Aufgabe des Planers, des Herstellers oder des Betriebsingenieurs. Aus meiner Sicht ist das eine Management-Aufgabe, muss sozusagen Top-down erfolgen. Wenn der Geschäftsführer oder der Vorstand eines Unternehmens den Sinn des Systemansatzes oder einer vorbeugenden Instandhaltung nicht sieht, sondern nur an die Kosten denkt, wird dafür kein Budget genehmigt. Mein Rat ist: Unternehmen ab 1000 bis 2000 installierten Pumpen sollten dafür eine Pumpen-Stabsstelle vorhalten. Eine solche Stabsstelle wird für das Unternehmen massiv Kosten einsparen: Weil sofort auf Schäden reagiert werden kann, weil diese Stabsstelle eine Schadensstatistik führt, weil hier Pumpen Know-how gesammelt wird.

PROCESS: Ein Lösungsvorschlag für eine höhere Verfügbarkeit von Pumpen lautet, mehr auf Standards zu setzen und die Zahl der Lieferanten zu reduzieren. Bedeutet das nicht Verzicht auf Innovationen?

Leuchtenberger: Das Gegenteil ist der Fall! Wer als Betreiber seine Pumpen gezielt standardisiert, also nur eine gewisse Zahl unterschiedlicher Pumpentypen, Laufräder und Antriebstechnik zulässt, der hat ganz einfach viel mehr Zeit, sich mit der Frage einer weiteren Optimierung des Pumpenbestandes zu beschäftigen, also sich über bewährte Technik klar zu werden oder neue Entwicklungen zu erproben. Genau hinschauen muss man als Betreiber, wenn der Hersteller anfängt zu standardisieren – denn der macht das nicht immer zum Nutzen des Kunden! Hier steht eher im Vordergrund, durch Standardisierung ein möglichst günstiges Angebot machen zu können. Beispiel: Um optisch günstiger zu sein, offeriert mancher Hersteller eine kleinere Pumpentype, die auf einer höheren Drehzahl zu betreiben ist – der Instandhalter freut sich dann über mehr Arbeit. Denn dann spart der Betreiber bei der Investition und bezahlt mit höheren Reparaturkosten.

PROCESS: Industrie 4.0 entwickelt sich auch zur Pumpe 4.0. Macht die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung den Betrieb von Pumpen einfacher und sicherer?

Leuchtenberger: Diese Entwicklung ist sicher nicht verkehrt. Wir sollten uns aber dennoch nicht in Zukunft auf eine App auf dem Smartphone oder dem Tablet verlassen. Digitalisierung und Elektronik sollten begleitende Komponenten einer Pumpe sein, aber nicht der zentrale Bestandteil. Ein qualifizierter Mitarbeiter vor Ort, der sieht, hört und riecht ist allemal wichtiger als jede elektronische Überwachung – das ist auch unter Kostengesichtspunkten zu sehen. Dazu muss man im Übrigen auch nicht den letzten Schrei der technischen Entwicklung im Blick haben. Auch schon seit Jahren verfügbare Technik ist sehr nützlich: Man nehme eine Mengenregelung (IDM) und einen drehzahlregelbaren Antrieb – das ist aus meiner Sicht eine narrensichere Ausrüstung. Beim Thema Digitalisierung muss man übrigens auch lernen, die generierten Daten richtig zu interpretieren. Dazu braucht man ein tiefgreifendes Verständnis der Pumpentechnik, wobei wir also wieder beim Thema Know-how sind.

PROCESS: Was darf der Teilnehmer des Pumpen-Forums am 16. und 17. November 2017 erwarten?

Leuchtenberger: Es wird wie immer eine gute Mischung aus Referenten der Anwender- und Herstellerseite sein, und Betreiber dürfen auf fundierte Antworten auf offene Fragen vertrauen. Übrigens werden auch Vakuumpumpen und Kompressoren behandelt – eben das gesamte Rotating Equipment zum Fördern von Flüssigkeiten, Gasen und Schüttgütern. Der Systemansatz steht klar im Mittelpunkt!

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