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Exklusiv-Interview: Pumpen

Pumpen und Systeme – Warum eine gewisse Kernkompetenz beim Betreiber wichtig ist

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Wenn in 20 Anlagen 20 Ingenieure unterschiedliche Ansichten haben ...

PROCESS: Wer ist in der Prozessindustrie heute verantwortlich für den Einkauf und den Einsatz bzw. die Instandhaltung von Pumpen?

Leuchtenberger: Vielfach fällt diese Aufgabe dem einzelnen Betriebsingenieur zu. Das wird dann für den Betrieb schief laufen, wenn in den 20 Anlagen des Unternehmens 20 Ingenieure unterschiedliche Ansichten über die geeignete Pumpe haben. Das Thema Standardisierung fällt dann komplett unter den Tisch. Zwar laufen die Bestellungen der Betriebsingenieure letztlich bei einem zentralen Einkauf zusammen, doch der entscheidet ja nicht mehr über die Technik, der verhandelt nur mehr die Preise. Selbst als Dienstleister sage ich ganz klar, dass eine gewisse Kernkompetenz beim Betreiber vorhanden sein sollte. Denn wenn ich als Dienstleister in den Betrieb komme, sollte ich dort einen kompetenten Ansprechpartner vor Ort haben. Wenn wir Vorschläge für verbesserte Abläufe machen, muss jemand vor Ort sein, der diese Vorschläge dann im betrieblichen Alltag umsetzt.

PROCESS: Ob es um die Energieeffizienz geht, um die Auslegung oder den sicheren Betrieb von Pumpen: In Ihren Vorträgen unterstreichen Sie die Bedeutung des Systemansatzes. Gibt es bei der praktischen Umsetzung in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen Herstellern und Betreibern?

Leuchtenberger: Den Systemansatz formuliere ich so: Die Pumpe ist stets im Zusammenhang mit der Anlage auszulegen und zu betreiben. Dieser so verstandene Systemansatz braucht zum einen eine kontinuierliche Kommunikation zwischen allen an der Anlagenplanung beteiligten Abteilungen und Unternehmen. Unabdingbar ist zudem, dass die verschiedenen Fachleute auch auf dem gleichen technischen Niveau miteinander diskutieren – wenn beim Planungsprozess Gesprächspartner ohne jegliches Wissen um die Pumpentechnik beteiligt sind, wird das Ergebnis eher nicht optimal sein. Für den Hersteller ist die Frage des Systemansatzes oft genug nicht wirklich interessant: Die Vertriebsleute wollen ihre Pumpe verkaufen, das Wissen um die verfahrenstechnischen Abläufe beim Kunden ist nicht immer vorhanden. Um es klar zu formulieren: Der Saug- und Druckstutzen ist für Hersteller in vielen Fällen eine Schnittstelle, die sie ungern überschreiten. Deshalb ist ja die früher übliche Pumpen-Stabsstelle so wichtig – sie verknüpft die unterschiedlichen Interessen von Pumpenhersteller und Anlagenbetreiber.

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PROCESS: Dienstleister kennen die Auswirkungen einer falschen Auslegung, eines falschen Betriebs von Pumpen. Was sind typische Auswirkungen und Probleme, wenn der Systemansatz unterbleibt?

Leuchtenberger: Die Folge sind höhere Reparaturkosten, weil Probleme weder bei der Planung noch im Betrieb frühzeitig erkannt werden. Dann werden z.B. Rohrleitungen von 50 auf 100 Meter verlängert und niemand macht sich Gedanken über die Auswirkungen auf die Pumpe. Es fehlt schlicht und ergreifend die Einsicht, dass Veränderungen in der Anlagentechnik in aller Regel auch Auswirkungen auf die Pumpentechnik haben. Wenn die Pumpe an sich falsch ausgelegt ist, nutzt auch der beste Hocheffizienzmotor nichts: Die eingesparte Energie wird dann um ein Mehrfaches in der Rohrleitung vergeudet. Aus unserer Sicht ist es deshalb nicht nur wichtig, Pumpeningenieure und Pumpentechniker auszubilden und einzubinden, es besteht auch Bedarf für einen Pumpenschlosser – das sind sozusagen die Indianer, die hinterher vor Ort die Pumpe in Betrieb nehmen. Um den früheren Moderator des Pumpen-Forums Dr. Friedrich Hennecke zu zitieren: „Die Pumpe ist in Ordnung, sie wird nur falsch betrieben!“

Wie kann man das Denken in Systemen in der Praxis befördern? Der Experte weiß Rat – auf der nächsten Seite ...

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