Bedroht das PFAS-Verbot die Armaturen-Branche PFAS und die Armaturen: EU “stellt sich selbst ein Bein” und gefährdet Energiewende

Von Dominik Stephan 2 min Lesedauer

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“Alternativen gibt es nicht” – Während die Industrie mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen auf die Entscheidung im PFAS-Streit hofft, macht sie noch einmal deutlich, dass die Ewigkeitschemikalien derzeit unersetzlich sind. Und das nicht nur für den schnöden Profit: Auch die Energiewende wäre ohne quasi nicht zu schaffen, meint zumindest der VDMA.

„Ohne PFAS würde nach dem heutigen Stand keines unserer Produkte funktionieren.“ – Dr. Thomas Steckenreiter, CTO bei Samson(Bild:  Samson AG)
„Ohne PFAS würde nach dem heutigen Stand keines unserer Produkte funktionieren.“ – Dr. Thomas Steckenreiter, CTO bei Samson
(Bild: Samson AG)

Kommt das PFAS-Verbot wie angekündigt oder kommt es nicht? Daran, dass die EU wirklich sämtliche „per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen“ (kurz PFAS) pauschal verbietet – immerhin wären das rund 10.000 Substanzen – bestehen mittlerweile berechtigte Zweifel. Immerhin hat auch die Bundesregierung schon eingeworfen für ein derartiges Tabula-Rasa nicht zu haben zu sein. Das sind ganz neue Töne, gehörte Deutschland doch ursprünglich zur Gruppe der Staaten, die das Verbotsvorhaben der als "Ewigkeitschemikalien" geschmähten Stoffe überhaupt angestoßen hatte.

Also, alles halb so wild? Dass die europäische Chemikalienagentur ECHA einen Rückzieher macht und das Thema PFAS zu den Akten legt, scheint aber unwahrscheinlich. Entsprechend werden die Industrieverbände in ihrer "Klassensprecher"-Rolle nicht müde zu betonen, dass es an PFAS kein Weg vorbei führt. "Alternativen gibt es entweder nicht oder sie wären von geringerer Qualität", heißt es in einem Statement – und das nicht nur für die Industrie. Denn auch Windräder, Brennstoffzellen, Solaranlagen oder Elektrolyseure brauchen notwendigerweise die extrem beständigen Polymere.

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"Ohne PFAS wären Industriearmaturen nicht mehr nutzbar"

Dieses Argument kennen auch die Armaturenhersteller: „Ohne PFAS wären Industriearmaturen in ihren Absatzbranchen Chemie- und Pharmaindustrie, im Kraftwerksbau oder beim aktuellen Wachstumsmarkt Wasserstoff nicht mehr nutzbar, was nicht nur die Energiewende ausbremsen würde“, betont Axel Weidner, Gesellschafter der Mankenberg GmbH und Vorsitzender des Fachverbands Armaturen. „Ohne sie sind auch keine sicheren Prozesse in den genannten systemrelevanten Schlüsselindustrien möglich.“

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Entsprechend fordert der Verband die generelle Ausnahme von Fluorpolymeren, die als „Polymers of low concern“ gelten, aus dem geplanten PFAS-Generalverbot. Bei diesen Fluorpolymeren handelt es sich um Hochleistungskunststoffe, die sich durch eine besonders hohe Beständigkeit auszeichnen. Sie wirken dichtend, wasserabweisend, reibungsvermindernd und verhindern das Anhaften von Substanzen.

Wo stecken PFAS in der Armatur?

Per- und Polyfluoralkylsubstanzen werden zwar nicht direkt in der Produktion von Armaturen verwendet, allerdings beinhalten Dichtungen, Membrane, Auskleidungen und viele andere Teile PFAS. Diese PFAS-Substanzen kommen jedoch nicht mit der Umwelt in Berührung und weisen als Fluorpolymere ein geringes Gefährdungspotenzial in der Nutzungsphase auf. Für die Industrie sind sie derzeit unverzichtbar, denn erst durch den Einsatz von PFAS-Stoffen sind Armaturen beispielsweise vor Korrosion und Versagen geschützt und gewährleisten so Sicherheit für Mensch und Umwelt.

„Ohne PFAS würde nach dem heutigen Stand keines unserer Produkte funktionieren. Selbst, wenn kurzfristig Alternativen entwickelt würden, werden wir mehrere Jahre benötigen, um alle notwendigen Qualifizierungen für alle Produkte zu erneuern“, erläutert Dr. Thomas Steckenreiter, CTO bei Samson und Vorstandsmitglied der VDMA Fachabteilung Industriearmaturen.

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