Prüfstand Ob eine Dichtung im Prozess tatsächlich dicht hält, kann man jetzt im neuen Prüfstand testen

Autor / Redakteur: Anke Geipel-Kern / Anke Geipel-Kern

Freudenberg Process Seals hat als Dichtungshersteller sein Portfolio auf die Food- und Pharmaindustrie hin ausgerichtet. Im neuen Prüfzentrum kann das Unternehmen Dichtungen unter Prozessbedingungen testen. PharmaTEC hat sich für Sie die neue Anlage angesehen und mit der Leiterin Julia Eckstein gesprochen.

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Dass ein Ventil oder eine Armatur nur so gut ist, wie die Dichtung darin, merkt der Betreiber spätestens dann, wenn O-Ringe, Klappendichtungen oder Stopfbuchspackungen verschleißen oder falsch ausgelegt sind. „In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet das Versagen einer Dichtung für einen Lebensmittel- oder Pharmahersteller eine mittlere bis große Katastrophe.“ Was Julia Eckstein, Produktmanagerin und verantwortlich für das neue Prüfzentrum bei Freudenberg Process Seals, bewusst plakativ auf den Punkt bringt, lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. So kann in der Pharmaindustrie eine Charge hochwertigen Arzneipulvers leicht einen Wert von 100 000 Euro erreichen, und in der Getränkeindustrie wird der Ausfall einer Linie, die 40 000 bis 60 000 Flaschen/h füllt, mit einer Strafgebühr von rund 2500 Euro/h geahndet.

Entdeckt der Qualitätsmanager z.B. blaue oder graue Kunststoffpünktchen – also Dichtungsabrieb – im Arzneipulver oder eine klebrige Flüssigkeit in der Abfüllanlage, muss die Charge oft verworfen oder teuer gereinigt werden. Einen Anhaltspunkt für die Beständigkeit des Dichtungswerkstoffs liefern zwar die Datenblätter der Hersteller, doch sie sagen nichts darüber aus, ob der Ventil-Dichtungsverbund harmoniert oder wie gut der Werkstoff auf Prozessmedien oder Reinigungsflüssigkeiten abgestimmt ist. Vor allem bei neuen Werkstoffen fehlen häufig belastbare Daten über das Verhalten im Prozess.

„Aussagen über die Werkstoffbeständigkeit werden in der Regel auf Basis statischer Einlagerungstests gemacht. Das dynamische Element, nämlich die Beständigkeit im Prozess wurde nicht mit einberechnet, sondern über langjährige Erfahrung geschätzt,“ erklärt Eckstein.

Mit der neuen Anlage füllt Freudenberg nicht nur die Lücke zwischen statischen und dynamischen Prüfungen sondern offenbar auch eine Marktlücke, denn Eckstein ist zurzeit mit den laufenden Kundenprojekten völlig ausgelastet. Eine typische Aufgabenstellung sagt sie, sei die Überprüfung der Ventilfunktionalität unter Prozessbedingungen, wodurch aufwändige und teure Feldtests überflüssig würden.

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