China Market Insider Nasschemikalien in China gefragt wie noch nie

Von Henrik Bork

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Die steigende Nachfrage nach Computer-Chips in China beflügelt den Markt für Nasschemikalien. Und zwar richtig. „Das rapide Wachstum der Halbleiterindustrie” habe „einen Boom” bei der für ihre Produktion benötigten Spezialchemie zur Folge, schreiben die Analysten des chinesischen Wertpapierhauses Kaiyuan Securities in einer ausführlichen Marktstudie.

Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.(Bild:  ©sezerozger - stock.adobe.com)
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/China – Die Reinigungsprozesse bei Wafern und anderen Elektronikprodukten stellen so hohe Ansprüche an den Reinheitsgrad, dass bis jetzt erst rund 10 % aller Nasschemikalien von chinesischen Firmen produziert werden. Für multinationale Chemiekonzerne wie Merck oder BASF, die Ashland-Gruppe, Arch Chemicals und Honeywell in den USA, sowie für japanische, taiwanesische und südkoreanische Unternehmen wird daher der chinesische Markt für Nasschemikalien gerade immer wichtiger.

Es sind gleich mehrere technologische und politische Entwicklungen, die gemeinsam für die schnell wachsende Nachfrage nach Nasschemikalien verantwortlich sind. Zum einen ist China inzwischen zum weltweit größten Anwendungsmarkt für Halbleiter herangewachsen. Und wegen der Bemühungen, sämtliche industrielle Produktionsprozesse von Quantität auf Qualität der Fertigung aufzurüsten, wächst die Nachfrage nach Chips jetzt noch einmal deutlich schneller als zuvor.

Doch Halbleiter sind nur ein Teil der Geschichte. Unter dem Begriff Nasschemikalien werden verschiedene flüssige Produkte zusammengefasst, die für so unterschiedliche Prozesse wie das Entwickeln, „Edging” oder Ätzen, dann wieder das Reinigen in der Waferproduktion, aber auch bei der Herstellung von Bildschirmen und Solarzellen benutzt werden.

Im Markt für Displays, der aufgrund der Digitalisierung verschiedener Industriesparten ebenfalls boomt, ersetzt die neue OLED-Technologie nach und nach die LCD-Bildschirme, die derzeit noch die Smartphones, Auto-Cockpits und Fernseher dominieren. Marktkenner rechnen vor, dass bei der Produktion von OLED-Bildschirmen etwa die siebenfache Menge von Nasschemikalien eingesetzt werden muss wie bei der für LCD-Panels.

Zu den wichtigsten politischen Faktoren, die sich positiv auf den Wet-Chemicals-Markt in China auswirken, zählt die Förderung der Zentralplaner in Peking für die heimische Halbleiter-Industrie nach dem Bann von Huawei in den USA, aber auch die gezielte Förderung von Zukunftstechnologien wie Solarenergie und E-Mobilität.

Unter Förderung sind da bisweilen auch ganz direkte finanzielle Subventionen und staatliche Investitionen zu verstehen. So haben drei chinesische Hersteller, die auf dem Nasschemikalien-Markt aktiv sind, Suzhou Jingrui, Grandit und Anji Microelectronics, in den vergangenen Jahren Gelder aus dem „Big Fund” erhalten, mit dem die kommunistische Parteiführung die Autarkie der heimischen Halbleiter-Industrie vis-à-vis den USA zu heben hofft.

Bei der zweiten Auflage des massiven Investmentfonds, die seit rund einem Jahr läuft, werden wieder nicht nur chinesische Wafer-Fabriken und ihre Zulieferer gefördert, sondern auch im industriellen Fluß der Herstellung von Chips „upstream” vorgeschaltete Chemiefirmen, die für die Fertigungsprozesse wichtigen Spezialchemikalien produzieren. „Für die heimische Nasschemikalien-Industrie beginnt eine neue Runde der Finanzierung und Unterstützung”, schreibt Kaiyuan Securities in seiner Analyse.

All diese Trends zusammengenommen lassen den Markt für Nasschemikalien oder „wet chemicals” in China dieses Jahr auf knapp 1,5 Millionen Tonnen steigen, schätzt das chinesische Nachrichtenportal Yiou. Der Markt wächst zur Zeit mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate (CAGR) von mehr als 27 %. Noch sei China für knapp 38 % der globalen Nachfrage verantwortlich, doch diese Relation verschiebe sich schnell. „China entwickelt sich gerade zum aktivsten Markt für Nasschemikalien weltweit”, schreibt Yiou.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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