Bericht von der Namur-Hauptsitzung (2. Tag) Namur-Typprüfung – aktuell wie nie
Der zweite Tag der Namur-Hauptsitzung stand ganz im Zeichen des sicheren Betriebs – sei es im Kleinen (einwandfreies Funktionieren eines Feldgerätes), in der Anlage (Erfassen aller Störfalldaten) oder der Abwehr von Cyber-Attacken (Security in Automatisierungsnetzwerken).
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Bad Neuenahr – Im Prinzip sind Anwender daran gewöhnt, dass die meisten Feldgeräte funktionieren. Selten machen sie sich weitere Gedanken darüber, etwa ob diese auch miteinander zuverlässig arbeiten, den Herstellervorgaben entsprechen, über den gesamten Messbereich präzise messen oder ob sie für PLT-Sicherheitseinrichtungen geeignet sind. Damit sich die Anwender tatsächlich darauf verlassen können, dass Feldgeräte im Betrieb zuverlässig funktionieren, ist Verdienst der Namur-Typprüfung.
Diese zu absolvieren, ist aber auch viele Jahre nach deren Einführung nicht unbedingt selbstverständlich, wie Thomas Scherwietes, Evonik, berichtete: „Im Betrachtungszeitraum der letzten zehn Jahre bestehen 45 Prozent aller Geräte die Typprüfung auf Anhieb. 34 Prozent bestehen sie nach einer Wiederholung, aber 21 Prozent aller Geräte tun dies immer noch nicht.“
Schwerpunkt Sensorik
Namur-Hauptsitzung gibt Einblicke in die smarte Welt der Sensorik
Dabei gehören zu den typischen Fehlern, dass die Linearität oder der Temperatureinfluss außerhalb der Herstellerspezifikation liegen, dass die Namur-Empfehlung NE 21 (EMV) nicht erfüllt wird oder dass im mechanischen Bereich konstruktive oder werkstoffbedingte Mängel, z.B. Risse im Gehäuse oder unzumutbare Montagevorgaben auftauchen. Auch Software-Mängel, etwa in der digitalen Kommunikation, kommen vor. Nicht unbedingt unsicher für die tägliche Arbeit aber doch ärgerlich sind Mängel oder Fehler in den Handbüchern, etwa wenn wichtige Informationen zur Inbetriebnahme erst auf Seite 238 auftauchen.
Dabei überprüft die Namur-Typprüfung explizit nicht jede Funktion des Gerätes, sondern legt ihren Fokus auf die generelle Eignung für die Prozessindustrie. Die Typprüfung erfolgt nach einem einheitlichen Standard und ist über die NE 95 definiert. Entscheidend ist, dass das Prüfprocedere in den vier Typprüflaboren (BASF, Bilfinger-Berger, Evonik und Tectrion) abgestimmt ist, so dass eine Vergleichbarkeit sichergestellt ist. Diese Vorgehensweise hat sich so bewährt, dass es derzeit Diskussionen über die Entwicklung und Einführung eines eigenen Namur-Prüfsiegels gibt. Diese Siegel würde die Eignung für die Prozessindustrie feststellen und bestätigen, dass das Feldgerät die Namur-Empfehlungen (zum Zeitpunkt der Prüfung) erfüllt. Dazu sollen auch die Hersteller ins Boot geholt werden.
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Stördatenerfassung bietet Mehrwert
Seit 2002 erfasst die Namur Zuverlässigkeitsdaten von PLT-Sicherheitseinrichtungen. Was anfangs nur zum Nachweis quantitativer Anforderungen internationaler Standards diente, unterstützt heute Namur-Firmen nicht nur sicherheitstechnisch (Licence to Operate) sondern auch zunehmend bei Effizienzthemen (Operational Excellence). In der Erfassung der Stördaten sieht Dirk Hablawetz, BASF, eine ganze Reihe an Vorteilen.
Generell gibt ein kontinuierliches Review des PLT-Sicherheitskonzeptes Sicherheit gegenüber den Behörden. Auch ist es natürlich ein wichtiger Nachweis der Betriebsbewährung. Es bietet jedoch weit mehr – denn dabei handelt es sich um realistische Felddaten zur Auslegung von PLT-Sicherheitseinrichtungen. Hiermit lassen sich Schwachstellen bei Geräten, deren Einsatz oder dem Umgang mit PLT-Sicherheitseinrichtungen identifizieren. Dies bietet die Chance für die Identifikation von Fehlermustern durch vielfältigste Einsatzbedingungen und Einsatzstoffe. Und es ermöglicht auch ein Benchmark der eigenen Daten.
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