Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen Was bedeutet das mögliche PFAS-Verbot für die Labor- und Analysentechnik?
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Das mögliche Verbot der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) hat viele Industrien in Aufruhr gebracht. Was bedeutet ein Verzicht auf PFAS für die Labor- und Analysentechnik? Wir haben mit Dr. Janina Bolling gesprochen, der Leiterin des Spectaris-Fachverbands Analysen-, Bio- und Labortechnik, warum es ohne PFAS keine optimale PFAS-Analyse geben kann.
Frau Dr. Bolling, fünf EU-Mitgliedsstaaten haben Anfang des Jahres bei der Europäischen Chemikalienagentur einen Verbotsantrag für die Substanzklasse per- und polyfluorierte Akylsubstanzen eingereicht. Wie stehen Sie als Unternehmensverband Spectaris diesem Antrag gegenüber?
Dr. Janina Bolling: Grundsätzlich unterstützen wir von Spectaris und unsere Mitgliedsfirmen die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie zum Schutz der Natur und des Menschen. Und wir beteiligen uns aktiv an der Erforschung und Suche nach Alternativen für schädliche Substanzen. Wir als Verband der Hightech-Industrien sehen für unsere Mitglieder zudem eine unternehmerische Chance darin, mit innovativen Lösungen voran zu gehen und somit die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie zu stärken. Dennoch sind wir gegen ein Verbot, welches pauschal eine große Gruppe chemischer Substanzen über einen Kamm schert und dabei in der Wertigkeit keinen Unterschied macht zwischen Alltagsprodukten wie Kosmetika, Regenjacken und Skiwachs oder hochindustriellen Prozessen und Medizintechnik. Sie verbieten dem Bäcker ja auch nicht die Hefe, nur weil man Pilze auch rauchen kann. Zugleich gilt es zu berücksichtigen, dass es PFAS „of low concern“ gibt, die also gemäß OECD-Kriterien keine schädlichen Einflüsse auf die Umwelt haben, und dass bei vielen anderen PFAS-Substanzen eine Risiko-Ermittlung erst noch durchgeführt werden muss. Außerdem wird es grundsätzlich schwierig, Alternativen zu finden, die die einzigartige Kombination aus den Eigenschaften der bislang eingesetzten PFAS erfüllen können. PFAS wurden in einem langen, forschungsintensiven Zeitraum entwickelt, um genau die Eigenschaften hervorzubringen, wegen der sie jetzt verboten werden sollen: eine hohe Beständigkeit gegen jegliche Umwelteinflüsse wie z.B. hohe oder niedrige Temperaturen, hohe Drücke und Widerstandsfähigkeit im direkten Kontakt mit bspw. ätzenden Lösungsmitteln. Häufig sind PFAS bereits das Ergebnis der Suche nach Alternativen, schließlich sind sie sehr teuer und kommen daher nur an Stellen zum Einsatz, wo ihre Widerstandsfähigkeit essentiell ist für die Funktionsweise von Geräten und Prozessen.
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