Anbieter zum Thema
Ein Unternehmenswert ist immer auch ein Zukunftserfolgs-Wert. Der IDW weist selbst darauf hin, dass in vielen KMU keine verifizierbare Zukunftsplanung existiert. Die Beratungspraxis im Mittelstand bestätigt, dass unplausible oder irrationale Planungen weit verbreitet sind. Damit wird die Prognose finanzieller Überschüsse für die kommenden Jahre zu einem riskanten Unterfangen. Vorhandene Planungen sind häufig unbewusst durch die optimistische Grundhaltung des Unternehmers geschönt.
Zukunftsprognosen mit der Persönlichkeit des Unternehmers verknüpft
Getroffene Zukunftsprognosen, die Lebensdauer des Unternehmens oder der Unternehmerlohn sind eng verknüpft mit der Persönlichkeit des Unternehmers. Gerade an diesem Punkt zeigt sich, dass KMU mehr sind als reine Wirtschaftsbetriebe und nach besonderen Mechanismen funktionieren. Dem muss bei der Wertermittlung Rechnung getragen werden. Ein bloßes Fortschreiben bisheriger Entwicklungen führt nur selten zu realistischen Ergebnissen. Abhilfe schaffen Szenarioanalysen oder mathematische Prognosemodelle. Sie gehören zum Handwerkszeug jedes qualifizierten Strategie- oder Sanierungsberaters und liefern Unternehmern die Basis für eine solide Planung.
Den finalen Wert eines Betriebs bestimmen in weiten Teilen zukünftige Erträge und der Kapitalisierungszins. KMU haben in der Regel kürzere Lebenszyklen als Großunternehmen oder Konzerne. Bei der Abzinsung des Zukunftserfolges scheint es daher wenig sinnvoll, von einer ewigen Lebensdauer auszugehen. Besser ist es, einen Fortbestand des Betriebs über 30 Jahre zugrunde zu legen.
Fremdkapitalzinsen durch kalkulatorische Zinsen ersetzen
Die individuelle Ertragssteuer des Eigentümers sollte ein Bewerter kleiner und mittelständischer Betriebe grundsätzlich außen vor lassen. Dies gilt für finanzielle Überschüsse ebenso wie für Risikozinsen. Wird beispielsweise, wie vom IDW-Standard vorgeschlagen, die Einkommenssteuer mit einem Steuersatz von 35% angesetzt, führt dies zu völlig willkürlichen und damit in der Regel falschen Unternehmenswerten.
Aus Sicht von KMU-Experten sollten Fremdkapitalzinsen besser durch kalkulatorische Zinsen ersetzt und so die Höhe der Zinsbelastung unabhängig von der Finanzierungsart bestimmt werden. Diese Vorgehensweise macht transparent, welchen Zinssatz das Unternehmen erwirtschaften muss – und zwar unabhängig von persönlichen oder wirtschaftlichen Möglichkeiten oder Präferenzen der aktuellen Eigentümer.
(ID:343933)