Zweidrittel von Deutschlands Kunststoffabfälle werden immer noch verbrannt. Von einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe sind wir also noch weit entfernt. Vertreter von Recyclern, Kunststoff- und Chemieindustrie haben nun ein Positionspapier erarbeitet, das in zwölf Schritten den Weg zum Schließen der Kunststoffkreisläufe weisen soll.
Geburtsstunde des gemeinsamen Leitbilds auf der K-Messe
(Bild: PED/Ulrik Eichentopf)
Im Haus der Kreislaufwirtschaft haben die drei Industrieverbände ihr gemeinsam erarbeitetes Positionspapier „Kunststoffkreisläufe intelligent schließen“ vorgestellt. Das Papier will nicht weniger sein als „ein riesiger Schritt zu einer nationaler Kreislaufstrategie“. So verspricht Bettina Dempewolf Leiterin Kommunikation Plastics Europe Deutschland und Moderatorin der Pressekonferenz. Es ist das Ergebnis zehnmonatiger Verhandlungen von BDE, dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Plastics Europe Deutschland und VCI, dem Verband der chemischen Industrie und soll ein Leitbild zu einer Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen in Deutschland zeichnen. Die drei Industrieverbände, die mit dem VCI und Plastics Europe Deutschland den Beginn sowie mit dem BDE das Ende der Kette einer bisher linearen Wertschöpfungskette bilden, wollen nun diese Enden schließen.
Recycling ist ein zentrales Element zum Schließen der Kunststoffkreisläufe
Kernaussage des Papiers ist das klare Bekenntnis der Industrie sowohl zur Priorität für das mechanische Recycling als auch zu angemessenen Rahmenbedingungen für das chemische Recycling. Mechanisches, physikalisches und chemisches Recycling müssen sich dahingehend ergänzen, dass quantitativ und qualitativ besser recycelt wird und Umweltbelastungen reduziert werden können. Sämtliche Kunststoffabfälle, die mechanisch recycelt werden können, müssen auch mechanisch recycelt werden.
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Die Kunststoffhersteller, vertreten durch Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland (PED), wollen vor allem zwei Dinge: „Um Kunststoffe effektiv im Kreislauf zu führen, müssen wir die Recyclinglücke schließen. Denn heute werden in Deutschland zweidrittel der Kunststoffabfälle verbrannt.“ Da wo mechanisches und chemisches Recycling an ihre Grenzen stoßen und Fraktionen übrig bleiben, gilt es innovative Verfahren zu entwickeln, so Bühler.
Darüber hinaus fordern die Kunststoffhersteller mehr: „Wir wollen ambitionierte Ziele für eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft. Wir müssen Wertschöpfungsketten im Kreislauf schließen – durch langlebige, wiederverwendungsfähige, reparierbare und kreislauffähige Produkte.“ Dazu benötige die Industrie aber auch entsprechende Anreize durch Zielquoten, beispielsweise im Verpackungsgesetz, sowohl für mechanisches Recycling als auch für chemisches Recycling. Bühler setzt folgendes Ziel: „Mit der chemischen Industrie am Anfang der Produktion und den Recyclingexperten am Ende der Nutzungsphase können wir alternative Rohstoffquellen über Nutzung von Recyklaten, CO2 und Biomasse erschließen.“
Alternative Kohlenstoffquellen und erneuerbare Energien
„Die Chemie steht am Anfang ganz vieler Wertschöpfungsketten“, betont Norbert Theihs, Geschäftsführer Hauptstadtbüro des VCI. Damit sei die Entkopplung von fossilen Ressourcen in der chemischen Produktion wegweisend für die Defossilierung nachgelagerter Wertschöpfungsketten. Statt der bisher überwiegend eingesetzten fossilen Rohstoffe muss die Chemieindustrie Alternativen finden und diese einsetzen . „Entsorgungswirtschaft und Chemie werden zu Kreislauf- und Wertschöpfungskettenpartnern“, konstatiert Theihs. Das sei auch das Neue an dem gemeinsamen Positionspapier, so der Geschäftsführer des VC-Hauptstadtbüros. Die Initiative soll ermöglichen, dass künftig ein wachsender Teil der Rohstoffbasis der Chemie der Wertstoffen statt fossilen Grundlagen bereit gestellt wird.
Theihs verwies in seinem Vortrag auf die bisherigen Erfolge der Chemie im Klimaschutz: So habe die chemisch-pharmazeutische Industrie seit 1990 ihre Emissionen um 55 Prozent reduziert. Gleichzeitig habe sie die Produktion um 65 Prozent gesteigert. Aber Theihs zufolge käme es auch auf die Produkte der chemischen Industrie an. „Diese enthalten natürlich auch CO2 und das Thema Kunststoffabfälle gerät besonders in den Fokus. Und wir müssen uns darum besonders kümmern.“ Gleichzeitig betont der Vertreter der Chemieindustrie die Bedeutung von Kunststoffabfällen als Sekundärrohstoff.
Als größte Herausforderung auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft sieht Theihs in der Versorgung mit grüner Energie. „Wir brauchen einen forcierten Ausbaus der erneuerbaren Energien und auch einen Ausbau der entsprechenden Netze. Als Hausnummer für eine klimaneutrale Chemie bis 2045 nennt Theihs rund 500 Terawattstunden Strom. Was dem aktuellen Stromverbrauch von Deutschland entspricht. Davon entfallen rund 10 Prozent auf die Chemieindustrie.
Stand: 08.12.2025
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Position von Peter Kurth, BDE
Peter Kurth, Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft
(Bild: Plastics Europe/Ulrik Eichentopf)
BDE-Präsident Peter Kurth: „Niemandem hilft, wenn mechanisches und chemisches Recycling nur gegeneinander ausgespielt werden. Beide Verwertungswege müssen sinnvoll verknüpft werden. Priorität für das mechanische Recycling ist eine gemeinsame Überzeugung, aber auch die Entwicklung von Rahmenbedingungen, die chemisches Recycling für die Abfallströme sinnvoll ermöglicht, die nicht mechanisch recycelt werden können. Unser Papier nimmt den gesamten Lebenszyklus und auch internationale Aspekte in den Blick und fußt auf dem gemeinsamen Verständnis, dass Kunststoff als Werkstoff ebenso unverzichtbar ist, wie die Kunststoffindustrie in Deutschland.“
Position von Ingemar Bühler, Plastics Europe Deutschland
Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland
(Bild: Plastics Europe/Ulrik Eichentopf)
Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, Ingemar Bühler: „Der BDE und seine Mitglieder sind unsere Partner bei der gemeinsamen Aufgabe, die Kunststoffproduktion vom Verbrauch fossiler Ressourcen und dem Ausstoß von CO2 zu entkoppeln. Dafür muss es uns gelingen, mechanische Recyclingverfahren noch deutlich zu stärken und dort durch chemische Verfahren zu ergänzen, wo wir heute noch wertvolle Rohstoffe verlieren, beispielsweise durch die Verbrennung. Mit der chemischen Industrie können wir weitere alternative Rohstoffquellen über die Nutzung von CO2 als Rohstoff und über Biomasse erschließen. All das zusammen wird uns helfen, Klima und Umwelt zu schützen und das Plastiksystem zurück in die planetaren Grenzen zu führen.“
„Um die Chemieindustrie erfolgreich zirkulär und klimaneutral zu machen, müssen wir in Deutschland jetzt die Weichen stellen. Von fortschrittlichen Recyclingtechnologien bis zu den rechtlichen Rahmenbedingungen – unsere Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie muss ein Rundum-Paket sein. Dies ist nicht nur ein Schritt zum Klimaschutz, sondern auch eine Investition in Deutschlands Position als Innovationsführer in der Chemie- und Recyclingbranche. Ohne die richtigen wirtschaftlichen Anreize, einschließlich wettbewerbsfähiger Strompreise, riskieren wir jedoch, unser Innovationspotenzial ungenutzt zu lassen. Für eine erfolgreiche Transformation ist ein Industriestrompreis unverzichtbar.“