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K 2019

Kunststoff- und Kautschukindustrie im Wandel – ein Blick nach Südostasien

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Die Verpackungsindustrie wächst

Laut einer Branchen-Prognose von Transparency Market Research kann der asiatische Markt für flexible Verpackungen von 2016 bis 2024 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,7 % erreichen und somit auf 6,7 Milliarden Dollar steigen. Verursacht wird das durch eine positive Entwicklung und ein steigendes verfügbares Einkommen.

Die thailändische Verpackungsindustrie wird im Jahr 2020 voraussichtlich 63,1 Billionen Einheiten vorweisen und somit im Vergleich zu 2017 (51,3 Billionen Einheiten), ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,2 % aufweisen. Verpackungen, die eine hohe Funktionalität aufweisen, wie On-the-go-Verpackungen, nachhaltige Verpackungen oder personalisierte Päckchen, werden langfristig eine höhere Nachfrage erzielen, ebenso wie Hartkunststoffe, die von 2017 bis 2022 die größten Marktanteile verzeichnen und ein Wachstum von 4,5 % vorweisen werden.

Indonesien wird in der Region zugleich die führende Position im Markt für flexible Verpackungen einnehmen, wobei laut Transparency Market Research die Lebensmittelverpackungen in diesem Land 70 % des Plastikkonsums ausmachen. Die Umsätze im Bereich Lebensmittel und Getränke zählen hier zu den treibenden Kräften für den starken Anstieg im Einzelhandelsumsatz. Dadurch ist auch der indonesische Kunststoffmarkt gewachsen, der laut einem Bericht von Mordor Intelligence von 2018 bis 2023 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,23 % vorweisen wird. In Indonesien ist eine steigende Nachfrage nach kleineren, praktischen, On-the-go-Verpackungen und anderen Verpackungsarten zu beobachten. Die flexiblen Verpackungen wiesen im Jahr 2016 einen Marktanteil von 42 % auf und zählten 42 Milliarden Einheiten. Im Jahr 2021 wird diese Zahl voraussichtlich auf 52 Milliarden steigen, wodurch von 2016 bis 2021 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4,3 % erreicht werden wird. Nichtsdestotrotz konnten auch die Hartkunststoffverpackungen im Jahr 2016 in Indonesien einen beträchtlichen Marktanteil für sich beanspruchen und sollen weiter steigen.

Wohin mit dem ganzen Plastikmüll?

Die boomenden Kunststoff- und Verpackungsbranchen in Südostasien haben zu einem immer größer werdenden Abfallproblem geführt. Laut der Umweltschutzorganisation Ocean Conservancy und basierend auf den Forschungsergebnissen des Magazins Science stammt über die Hälfte des Plastikmülls, der in den Weltmeeren landet, aus fünf Ländern – China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam.

Unterdessen ist Südostasien, aufgrund des im letzten Jahr in China verhängten Plastik-Einfuhrstopps, zu einer Mülldeponie für Plastikabfall aus anderen Ländern geworden. Und während Thailand, Vietnam und Malaysia die Einfuhrverbote auf Plastikabfall vorantreiben, sind nach wie vor weitere Gesetze notwendig, um den Lauf der Dinge aufzuhalten, denn die Zahl der illegalen Plastik-Recycling-Fabriken nimmt auch trotz der Einführung der Verbote zu.

Als zweitgrößter Verursacher von Plastikmüll, der in den Weltmeeren endet, hat Indonesien direkt hinter China eine enorme Aufgabe zu bewältigen. Das Land, das eine Bevölkerung von 250 Millionen Menschen aufweist, verwendete laut des Ministeriums für Umwelt und Forstwirtschaft allein im Jahr 2016 rund 9,8 Milliarden Plastiktüten. Nachdem eine Steuer auf Einwegplastiktüten gescheitert ist, hat das Land nun eine Milliarde Dollar hinterlegt, einschließlich eines Kredits von der Weltbank in Höhe von 100 Millionen Dollar. Laut dem Ministerium für Meeresangelegenheiten geht das Land davon aus, dass die Menge an Plastik, die es in die Weltmeere leitet, bis 2025 um 70 % reduziert werden kann. Maßnahmen hierfür sind die Überarbeitung von Produktverpackungen, die Verwendung recycelbarer Materialien und die Einführung einer entsprechenden Abfallwirtschaft.

Thailand produziert pro Jahr ca. drei Millionen Tonnen Plastikmüll und hat nun eine 20-Jahres-Strategie veröffentlicht, die laut den Plänen des Ministeriums für Umweltschutz bis 2022 ein Nutzungsverbot für dünne Einwegplastiktüten vorsieht und bis 2025 ein Verbot für Einwegplastikbecher und Plastiktrinkhalme. Das Nachbarland Malaysia hat hingegen einen Zero-Waste-Plan erstellt, der die Abschaffung von Einwegplastik bis 2030 anvisiert. Auch Kambotscha und die Philippinen haben verschiedene Steuern und Verbote eingeführt. Singapur hinkt mit Gesetzen bzgl. Einwegplastikbesteuerung oder -verbot noch hinterher.

Die Kreislaufwirtschaft soll helfen

Ob Steuern oder Verbote noch so eine wirkungsvolle Waffe im Kampf gegen den Plastikmüll sind wie im Vorfeld angenommen, steht mittlerweile infrage. Heutzutage bedarf es eines umfassenden Ansatzes, um die Planung zu berücksichtigen und Technologien zu entwickeln, die den Wert der Materialien steigern. Ein Kreislaufmodell, das die Müllproduktion durch Wiederverwendung und Wiederverwertbarkeit von Materialien in den Mittelpunkt stellt, könnte helfen.

Im neu gegründeten Nachhaltigkeitssystem, das von der in Malaysia ansässigen Nichtregierungsorganisation Circular Economy Asia (CEA) angeführt wird, wurden mittlerweile Ziele festgelegt, mit denen Asien durch gemeinsame Bemühungen sein Müllproblem in den Griff bekommen und gleichzeitig eine Kreislaufwirtschaft anstreben soll. Das Modell der CEA sieht vor, einen regelmäßigen, praktischen und effizienten Sammelservice anzubieten, informelle Recycling-Sammler zu unterstützen und die Ebenen zu nutzen, in denen sie tätig sind. Des Weiteren sollen informelle Recycling-Sammler für technologieverbundene geografische Gebiete lizenziert werden, wodurch Informationen und Daten für viele Schlüssellösungen erfasst werden können. CEA lobt außerdem das Asian Plastics & Packaging Agreement (Appa), ein Programm, das darauf abzielt, ein einheitliches Recycling-Label-System und eine zertifizierbare Lieferkette einzuführen, und dass jedes Land in Asien dazu auffordert, eine nachhaltige, kreislaufartige Kunststoff- und Verpackungsindustrie zu etablieren. Laut CEA könne Asien im Jahr 2050 voraussichtlich einen geschlossenen Müllkreislauf vorweisen. Dafür müssten Politiker die Kreislaufwirtschaft jetzt unterstützen und die Abschaffung von Deponierungen mit der Abzweigung von recycelbaren Ressourcen für die Wiederverwertung und der Produktion von zu 100 % recycelbaren Kunststoffen einführen.

Austausch auf der K 2019

Sowohl Rohstoffproduzenten als auch Maschinenbauer treffen auf der K 2019 zusammen, um Erfahrungen und Wissen über Recycling, nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft auszutauschen. Vor diesem Hintergrund wird die „Circular Economy“ im Mittelpunkt der K 2019 stehen, die als globale Leitmesse der Branche gute Voraussetzungen bietet, um mit Fachleuten aus vielen Ländern der Welt die Gespräche zu diesem Thema zu vertiefen und eine Zusammenarbeit zu intensivieren.

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